Nach Özdemir-Niederlage: Die grünen Flügel sind gestutzt

  • Der einstige Grünen-Chef Cem Özdemir ist mit dem Versuch gescheitert, Fraktionsvorsitzender zu werden.
  • Trotzdem kann er mit dem Ergebnis der Wahl gut leben.
  • Die Partei insgesamt schwächelt hingegen gerade ein bisschen, kommentiert Markus Decker.
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Berlin. So überraschend die Kandidatur von Kirsten Kappert-Gonther und Cem Özdemir für den Grünen-Fraktionsvorsitz war, so wenig überraschend ist das Ergebnis der Wahl: Die Amtsinhaber Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter haben sich wieder einmal durchgesetzt. Dabei sprechen die Ergebnisse weniger für sie als dafür, dass ihre Herausforderer nicht überzeugen konnten.

Es wurden zwar immer mal wieder Namen von Frauen genannt, die Göring-Eckardt nachfolgen könnten: Katja Dörner, Irene Mihalic, Franziska Brantner, Agnieszka Brugger. Kappert-Gonther, erst seit 2017 überhaupt im Bundestag, zählte nicht dazu. Sie brachte nicht genug Gewicht auf die Waage. Bei Özdemir verhält es sich anders. Er ist zu sehr Realo und in gewisser Weise zu stark. Mit dem 53-Jährigen an der Fraktionsspitze wäre die grüne Statik, die seit der Wahl von Annalena Baerbock und Robert Habeck zu Parteichefs gilt, fast zwangsläufig durcheinander geraten.

Pleiten und Pannen

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Überdies hätte das Flügelschlagen, das Letztere zu dämpfen versuchen, fast ebenso zwangsläufig wieder eingesetzt. Schließlich sind da die menschlichen Einwände gegen Özdemir, dessen Teamfähigkeit in Abrede gestellt wird. Trotz allem oder gerade deshalb kann er mit dem Resultat gut leben. Die Grünen täten gut daran, ihn besser einzusetzen.

Die Partei kommt nach dem jüngsten Wettbewerb nicht mehr so heilig rüber. Auch bei ihr geht es – nicht nur, aber auch – um Macht, Karrieren und Eifersüchteleien. Manchmal geht es hart zur Sache. Zudem waren die jüngsten Landtagswahlergebnisse eher bescheiden. Und Robert Habecks Pendlerpauschalen-Schnitzer, auf dessen Wiederholung die Konkurrenz schon ungeduldig wartet, war peinlich. Die zuletzt hochfliegenden Grünen sind also wieder auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Wieder abzuheben, wird nicht so einfach.

Lesen Sie hier: Ein Porträt von Cem Özdemir