Nach Einbruch von Dresden werden Rufe nach Konsequenzen laut

  • Unbekannte brachen in das Grüne Gewölbe von Dresden ein und stahlen millionenschweren Schmuck.
  • Die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Katrin Budde (SPD), geht davon aus, dass Insider beteiligt waren.
  • Sie regt deshalb an, in Museen keine Fremdfirmen mehr zu beschäftigen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Nach dem Juwelendiebstahl aus dem historischen Grünen Gewölbe in Dresden mit einem Millionenschaden werden Rufe nach Konsequenzen laut. Die Vorsitzende des Bundestags-Kulturausschusses, Katrin Budde (SPD), sagte dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Vor dem Raub müssen Interna rausgegangen sein. Denn diese Museen sind ja eigentlich wie Hochsicherheitstrakte.“ Auch in anderen Fällen sei es „ein schwieriges Problem, dass Interna über Wach- oder Reinigungsdienste weitergegeben werden“. Es sei deshalb sinnvoll, „darüber nachzudenken, ob man solche Dienstleistungen künftig nicht mehr auslagert, sondern selbst organisiert und so auch eine engere Bindung der in Museen Beschäftigten an die Institution schafft – sowie eine Kontrolle darüber, wer darin ein- und ausgeht“. Budde fügte hinzu: „Man könnte auf diesem Weg außerdem garantieren, dass die Beschäftigen ordentlich bezahlt werden. Das ist ein nicht unerheblicher Aspekt dabei.“

Der SPD-Politikerin zufolge gab es am Montagabend nach dem Raub einen planmäßigen Jour fixe der kulturpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen mit Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU). Da sei über den Raub von Dresden gesprochen worden; und es habe in Sachen Dienstleistungen parteiübergreifend Einigkeit geherrscht. Beim Berliner Humboldtforum werde schon erwogen, eine eigene Dienstleistungsgesellschaft zu gründen, statt mit Externen zu arbeiten.

Budde erinnerte daran, dass 2017 eine 100 Kilogramm schwere Goldmünze aus dem Berliner Bode Museum geraubt worden sei. Daraufhin habe die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ihre Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Der Raub schien damals allen Beobachtern ebenso spektakulär wie eigentlich unmöglich. Er geschah trotzdem.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Grütters plant Sicherheitskonferenz

Kulturstaatsministerin Grütters plant nach RND-Informationen als Reaktion auf den Einbruch von Dresden eine Sicherheitskonferenz für Museen aus Mitteln ihres Hauses. Zur Vorbereitung dieser Konferenz steht sie im Kontakt mit dem Deutschen Museumsbund, wo es seit diesem Jahr einen Arbeitskreis Gebäudemanagement und Sicherheit gibt, dem sich 70 Museen angeschlossen haben.

„Angesichts generalstabsmäßig organisierter, hochkrimineller Täter ist der noch stärkere Schutz unserer Museen und Kultureinrichtungen von größter Bedeutung“, sagte Grütters dem RND. Die Sicherheitsvorkehrungen „an unseren Häusern“ seien zuletzt gezielt erhöht worden. „Der Schutz unserer Kulturschätze, aber auch der Gebäude und der Mitarbeiter muss uns jede Anstrengung wert sein.“

Polizei spricht von zielgerichteter Tat

Anzeige

Die CDU-Politikerin unterstrich: „In unseren Museen lagern Kunstschätze, die die kulturelle Identität unseres Landes ausmachen und deren Wert in die Milliarden geht. Angesichts der beispiellos rohen Gewalt im Fall Dresden wird aber umso deutlicher, mit welch extremen sicherheitstechnischen Herausforderungen wir es bereits jetzt zu tun haben – und womit wir es in Zukunft wohl leider noch zu tun bekommen werden.“

Die zuständigen Ermittler vermuten hinter dem Raub von Dresden „eine zielgerichtete und vorbereitete Tat“. Dafür sprächen die gesamten Umstände, sagte die Polizei am Dienstag. Die Kriminalisten gehen davon aus, dass der in einer Tiefgarage in Autobahnnähe in Brand gesetzte Wagen ein Fluchtfahrzeug war und auch der Brand eines Stromverteilerkastens in Schlossnähe mit dem Einbruch in Verbindung steht. Nach einem Zeugenaufruf gingen bisher 91 Hinweise aus der Bevölkerung ein, die geprüft werden.

Anzeige

Vermutlich zwei Täter waren am Morgen über ein Fenster in das Residenzschloss eingestiegen, hatten eine Vitrine zertrümmert und eine noch unbekannte Menge historischer Schmuckstücke mit Brillanten und Diamanten gestohlen. Experten gehen davon aus, dass die Juwelen herausgelöst, umgearbeitet und einzeln verkauft werden. Die Chance, dass das Diebesgut unbeschädigt ins Grüne Gewölbe zurückkehrt, gilt als sehr gering.



“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen