Nach der Wahl in Polen: Wer hat die besten Chancen?

  • Ohne Atempause stürzen sich die beiden Stichwahlkandidaten Andrzej Duda und Rafal Trzaskowski wieder in den Wahlkampf.
  • Es könnte in der zweiten Runde äußerst knapp werden – und auf die Wähler eines rechtsradikalen Kandidaten ankommen.
  • Unter den Auslandspolen in Deutschland ist das Ergebnis übrigens eindeutig.
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Berlin. Nach der ersten Runde der Präsidentenwahl in Polen geht der Wahlkampf ohne Atempause weiter. Der amtierende nationalkonservative Präsident Andrzej Duda konnte zwar deutlich mehr als 40 Prozent der Stimmen auf sich vereinen, verfehlte die absolute Mehrheit aber klar. Sein liberaler Herausforderer, der Warschauer Oberbürgermeister Rafal Trzaskowski, erreichte gut 30 Prozent. Das amtliche Endergebnis wird spätestens am Dienstagmorgen vorliegen. Nun kommt alles auf die Stichwahl am 12. Juli an.

Trzaskowski und Duda gingen sofort wieder auf Tour, beide absolvierten am Montag mehrere Wahlkampftermine in polnischen Kleinstädten. Trzaskowski muss aufholen: In 13 der 16 polnischen Regionen lag am Sonntag Duda vorne. Rund um Danzig und Stettin und in der westpolnischen Woiwodschaft Lubuskie erreichte Trzaskowski bereits im ersten Wahlgang die meisten Stimmen.

In Deutschland lag der Herausforderer vorne

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Auch unter den Auslandspolen konnte der liberale Kandidat punkten. In Deutschland gaben rund 40.000 Polen ihre Stimmen per Briefwahl bei der Botschaft ab, davon stimmten rund 52 Prozent für Trzaskowski und nur 20 Prozent für Duda. Das teilte die polnische Botschaft in Berlin auf Anfrage mit. Unter den 200.000 Auslandspolen, die an der ersten Runde teilnahmen, stimmten 47 Prozent für Trzaskowski. Der will jetzt noch mehr Auslandspolen zur Wahl bewegen.

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Präsidentenwahl in Polen ohne absolute Mehrheit
1:02 min
Die Präsidentschaftswahl in Polen konnte keinen Sieger hervorbringen. Eine Stichwahl wird am 12. Juli stattfinden.  © RND

Und er muss die Anhänger der in der ersten Runde ausgeschiedenen Kandidaten auf seine Seite ziehen. Seine Rhetorik geht klar in diese Richtung. “58 Prozent der Polen haben für den Wechsel gestimmt. Lasst mich der Kandidat dieses Wechsels sein”, rief er bereits auf der Wahlparty. Und er buhlte später in einem Tweet sogar um die Anhänger des rechtsextremen Kandidaten Krzysztof Bosak, der in der ersten Runde 7 Prozent eingefahren hatte. “In der Wirtschaftspolitik” habe man doch sehr ähnliche Vorstellungen, ließ Trzaskowski wissen – was auf der linken Seite des Spektrums eher schockiert aufgenommen wurde.

Die radikale Rechte könnte das Zünglein an der Waage werden. Bei den unter 30-Jährigen lag Bosak nach Hochrechnungen mit 23 Prozent nur knapp hinter Trzaskowski mit 23,8 Prozent. Duda bekommt bei den Jungen unter 20 Prozent. Wenn Duda versucht, die Rechtswähler auf seine Seite zu ziehen, muss er seine Wahlkampfrhetorik noch weiter verschärfen – wahlweise gegen Schwule, Deutschland und jüdische Entschädigungsforderungen.

Trzaskowski muss jetzt Wechselstimmung erzeugen

Trzaskowski wiederum muss versuchen, alle einzusammeln, die gegen die amtierenden Nationalkonservativen unter Parteichef Jaroslaw Kaczynski stehen – vor allem die Wähler des Drittplatzierten, des parteilosen liberalen katholischen Publizisten Szymon Holownia, der fast 14 Prozent holte. Das wird nicht ganz einfach werden: In der ersten Runde attackierten sich die beiden Hoffnungsträger hart. Und während Holownia klarmacht, dass er auf keinen Fall eine Wahlempfehlung für Duda aussprechen wird, hält er sich bisher auch noch mit Unterstützung für Trzaskowski zurück.

Nur Robert Biedron, der Vorkämpfer für Schwulenrechte und politische Hoffnung des vergangenen Jahres, sprach sich am Montag klar für Trzaskowski aus. Er war mit knapp über 2 Prozent aber auch der große Verlierer der ersten Runde. Die hohe Wahlbeteiligung von 64 Prozent spricht dafür, dass eine Wechselstimmung in der Luft liegen könnte – wenn die Opposition noch stärker mobilisiert.

In Deutschland hoffen jetzt viele Politiker auf einen Sieg Trzaskowskis. Manuel Sarrazin, osteuropapolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, schrieb auf Twitter: “Trzaskowski ist nicht ausmobilisiert. PiS [die national-autoritäre Regierungspartei] und die Kräfte rechts davon hingegen schon.”

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Die AfD hingegen trommelt für einen Sieg Dudas mit Unterstützung der radikalen Rechten. Ihr Europaabgeordneter Maximilian Krah schrieb: “Da der rechte Kandidat Bosak auf 7 Prozent kam, Duda auf 42 Prozent, sieht es für die PiS in der Stichwahl gut aus: Noch ist Polen nicht verloren!”

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