Nach der dritten Welle ist vor der vierten Welle

  • Die sogenannte Notbremse ist aufgehoben.
  • Die Pandemie ist damit aber leider nicht vorbei.
  • Bund und Länder müssen sich jetzt auf eine vierte Welle vorbereiten, die voraussichtlich mit der Delta-Variante kommen wird, kommentiert Eva Quadbeck.
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Berlin. Über der neuen Leichtigkeit im öffentlichen Leben liegt schon wieder ein Schatten. Die aktuell niedrige Infektionsrate in Deutschland und das offizielle Ende der sogenannten Notbremse darf nicht dazu verführen, sich in Sicherheit zu wiegen. Nach der dritten Welle in der Pandemie wird die vierte Welle folgen und ihr Vorname ist Delta – die Doppelmutante, die sich zuerst in Indien verbreitet hat.

Doch anders als im vergangenen Jahr, als einem Sommer der Öffnungen eine schlecht vorbereitete kalte Jahreszeit mit vielen Fehlentscheidungen folgte, haben es Politik und Gesellschaft dieses Mal viel mehr in der Hand, die vierte Welle zu kontrollieren. Zumal die inzwischen wirklich gut laufende Impfkampagne und die Erfahrungen aus 2020 dabei helfen werden.

Es gilt, die richtigen Lehren aus den Fehlern des vergangenen Jahres zu ziehen. Dafür müssen vor allem die Reisenden und die Schulen in den Blick genommen werden.

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Es braucht möglichst enge Kontrollen

Im vergangenen Sommer hatten die Verantwortlichen in Bund und Ländern völlig unterschätzt, dass die Urlauberinnen und Urlauber das Virus aus aller Welt erneut nach Deutschland bringen können. Das wissen wir heute besser. Die nach Risiko- und Mutationsgebieten gestuften geltenden Quarantäneregelungen sind darauf gut eingestellt. Allerdings werden sie viel zu nachlässig kontrolliert. Die Gefahr ist groß, dass sich viele Leute aus Unwissenheit oder auch bewusst darüber hinwegsetzen und damit sich und andere gefährden. Für den Rückreiseverkehr im Sommer braucht es dringend möglichst enge Kontrollen, damit die Quarantänevorschriften auch umgesetzt werden.

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Die nächste große Baustelle sind die Schulen. Während weite Teile der Bevölkerung im September tatsächlich geimpft sein werden, gilt dies für Kinder und Jugendliche nicht. Es ist den jungen Menschen aber weder zu vermitteln noch zuzumuten, dass trotz Pandemie der Betrieb überall wieder hochgefahren wird, nur die Schulen weiter mit Masken, Hybridunterricht und Distanzlernen herumdoktern sollen. Die schönsten milliardenteuren Aufholprogramme von Bund und Ländern werden nichts bringen, wenn die Kinder nicht wieder normal zu Schule gehen können.

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Das Mindeste wäre also, die Klassenräume endlich flächendeckend mit Luftfiltern auszustatten. Darüber sprechen wir seit mehr als einem Jahr. Zugleich muss es eine besondere Impfkampagne für das Lehrpersonal und für Eltern geben. Nur dann besteht die Chance, dass nicht die Schulen zum Hotspot der vierten Welle werden.

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Bei Impfkampagne gezielter vorgehen

Überhaupt muss die Impfkampagne nun gezielter werden. Wer ohnehin eine Impfung wollte und sich aktiv darum bemüht hat, wird tatsächlich bis Ende des Sommers versorgt sein. Dieses Versprechen der Bundesregierung wird gerade eingelöst. Dann gibt es noch ältere und benachteiligte Menschen, die sich nicht smart einen Impftermin organisieren, aber dennoch zur Impfung bereit sind. Für diese Gruppen müssen mehr Impfmobile eingesetzt werden, die auch kleine Dörfer und Brennpunkte in Großstädten abfahren.

Die nächste Herausforderung besteht darin, dass Bund und Länder zu vorausschauenden, rationalen, gemeinsamen Entscheidungen kommen müssen. Im vergangenen Herbst/Winter ist das nicht gelungen. Die Beratungen waren teils von den bevorstehenden Entscheidungen im Superwahljahr überlagert.

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Wenn im September die Würfel im Bund und in drei Bundesländern gefallen sind, wird dies auch nicht leichter. Wie weitreichend können die Entscheidungen der dann nur noch geschäftsführenden Regierungen ausfallen? Die Akzeptanz für möglicherweise neue Schutzmaßnahmen wird umso geringer ausfallen, je mehr sich die Akteure gegenseitig Zuständigkeit und Kompetenz absprechen. Das Virus jedenfalls wird auf ein Machtvakuum keine Rücksicht nehmen.

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