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Nach Autogipfel: Branchenverband VDA sieht Autoindustrie noch nicht über den Berg

  • Der Autogipfel am Dienstagabend brachte zunächst keine größeren Ergebnisse.
  • Der Autoverband VDA lobte das Treffen.
  • Dennoch bleibt die Vorsicht, da sich die Branche nach wie vor in einer tiefen Krise befindet.
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Berlin. Der Autoverband VDA hat den “Autogipfel” mit der Politik als “gutes und konstruktives Treffen” bezeichnet. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sagte am Dienstagabend: “Der Politik ist die angespannte Lage der Automobilindustrie bewusst. Gerade auch bei den Zulieferern ist die Lage weiterhin ernst, wir sind noch nicht über den Berg.”

Auf den Pkw-Märkten gebe es nach wie vor eine große Kaufzurückhaltung. Die Situation bei den Nutzfahrzeugen sei ebenfalls sehr schwierig. Die Maßnahmen des Konjunkturpakets müssten deswegen aus Sicht der Automobilindustrie schnell und energisch umgesetzt werden, so Müller. Offen seien dabei noch unter anderem geplante Fördermaßnahmen für den Hochlauf der Elektromobilität und den Ausbau der Ladeinfrastruktur, die nationale Wasserstoffstrategie, das Bonusprogramm für Zukunftsinvestitionen und das Flottenaustauschprogramm für schwere Nutzfahrzeuge.

Ein zentrales Thema sei die Zukunft des automatisierten Fahrens, so Müller. Das Verkehrsministerium bereite ein Gesetz vor, auf dessen Grundlage fahrerlose Fahrzeuge im Regelbetrieb unterwegs sein können. Die Automobilindustrie werde sich zudem an der Entwicklung eines "Datenraums Mobilität" beteiligen. Mit diesem Projekt sollten die relevanten Daten aller Akteure besser für die Optimierung des Verkehrs genutzt werden können, zum Beispiel durch einen besseren Datenaustausch zwischen öffentlichen Stellen und Nutzern von Pkw und Nutzfahrzeugen. "Deutschland wird in diesem Bereich eine Vorreiterrolle für Europa einnehmen."

Weil nach “Autogipfel”: Akute Herausforderungen bleiben bestehen

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Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sieht die Ergebnisse des jüngsten “Autogipfels” skeptisch. “Die ganz unmittelbar anstehenden Herausforderungen sind weiter offen”, sagte der SPD-Politiker am Dienstagabend nach Spitzengesprächen zwischen Politik und Branche. Vor allem Zulieferer meldeten anhaltende Absatzeinbrüche infolge der Corona-Krise. “Nach meiner persönlichen Überzeugung sind staatliche Unterstützungsleistungen über kurz oder lang geboten, in welcher Form auch immer sie geleistet werden.”

Die Teilnehmer der “Konzertierten Aktion Mobilität” hatten unter anderem vereinbart, bis zu den nächsten Beratungen im November ein Konzept zur Stärkung des Eigenkapitals von Zulieferfirmen zu prüfen. Direkte Zuschüsse etwa für den Kauf auch moderner Verbrennerautos finden sich in dem Ergebnispapier der Runde jedoch nicht.

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Nach Ansicht Weils wurden zentrale Punkte besprochen: “Das war ein sicherlich sinnvoller Austausch über viele wichtige Zukunftsthemen. So werden beispielsweise Fragen rund um das autonome Fahren in der Zukunft eine bedeutende Rolle spielen.” Die Probleme der Branche seien aber vielerorts akut. Viele Betriebe müssten “nicht nur die Transformation hin zur Digitalisierung und zur Elektrifizierung bewältigen, sondern auch mit stark zurückgehenden Verkaufszahlen im Automobilbereich kämpfen”. Während der kommenden Monate werde sich zeigen, ob der Markt Tritt fasst. “Dann wird zu entscheiden sein, ob auf weitere Impulse für die Nachfrage verzichtet werden kann.”

Weil sitzt als Regierungschef und Vertreter des zweitgrößten Aktionärs Niedersachsen im Aufsichtsratspräsidium von Volkswagen. Er hatte im Juni bei den ersten Branchengesprächen nach dem Beginn der Corona-Krise zusammen mit seinen Kollegen Markus Söder (CSU) aus Bayern und Winfried Kretschmann (Grüne) aus Baden-Württemberg auch Kaufzuschüsse für moderne Benziner- und Dieselautos vorgeschlagen. Die Ministerpräsidenten der drei “Autoländer” mit den Hauptsitzen von VW, BMW und Daimler konnten sich damit aber nicht durchsetzen.

RND/dpa

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