Nach Anschlag in Wien: Durchsuchungen in Deutschland

  • Es geht laut Bundeskriminalamt um mögliche Verbindungen zu dem mutmaßlichen Attentäter von Wien.
  • Am Morgen haben Sicherheitskräfte in Deutschland Durchsuchungen durchgeführt.
  • Die Razzien betreffen Wohnungen und Geschäftsräume von vier Personen in Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein.
Anzeige
Anzeige

Wiesbaden . Sicherheitskräfte haben am Freitagmorgen in Deutschland mit Durchsuchungen im Zusammenhang mit dem islamistischen Anschlag von Wien begonnen. Es würden Wohnungen und Geschäftsräume von vier Personen in Niedersachsen, Hessen und Schleswig-Holstein durchsucht, teilte das Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden bei Twitter mit.

Die vier Personen seien nicht tatverdächtig, es solle aber Verbindungen zu dem mutmaßlichen Attentäter gegeben haben. Einer BKA-Sprecherin zufolge lief die Aktion am Freitagmorgen noch.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Ermittler rechnen die vier Männer, die zwischen 19 und 25 Jahre alt sind, der Islamistenszene zu, wie die Deutsche Presse-Agentur in Karlsruhe erfuhr. Zwei von ihnen kommen aus Osnabrück. Die anderen Durchsuchungen fanden in Kassel sowie im Kreis Pinneberg (Schleswig-Holstein) statt.

Der Mann aus Kassel und einer der Osnabrücker waren nach dpa-Informationen vom 16. bis 20 Juli in Wien. Dort hätten sie sich mehrmals mit dem späteren Attentäter getroffen. Einer der beiden sei sogar bei ihm untergebracht gewesen, hieß es aus Sicherheitskreisen. Außerdem habe es Kontakt über einen Messenger-Dienst gegeben.

Auch der dritte Mann soll laut Bundesanwaltschaft und BKA über das Internet Kontakt zu dem Attentäter gehabt haben. Der Vierte hatte demnach keine direkte Verbindung, soll aber mit Kontaktpersonen des Mannes ebenfalls übers Internet kommuniziert haben.

Der jetzt ins Visier der Ermittler geratene Mann aus Pinneberg in Schleswig-Holstein gehört laut Informationen der “Kieler Nachrichten” zu einer Gruppe von vier jungen Männern, die im April 2017 in Bulgarien auf der Reise nach Syrien festgenommen wurden.

Anzeige

Sie wollten sich demnach dem Islamischen Staat anschließen und dabei den Umgang mit Waffen lernen. Ihre Reise scheiterte jedoch bei Grenzkontrollen in Österreich und Bulgarien. Nach Informationen des “Spiegel” soll der Mann mit seiner Familie früher in Wien gelebt haben.

Ein Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hatte am Montag in der österreichischen Hauptstadt vier Menschen getötet und mehr als 20 Menschen zum Teil schwer verletzt, bevor er selbst durch Polizeischüsse starb. Der 20-jährige Attentäter war nach Überzeugung der Ermittler Teil eines radikal-islamistischen Netzwerks, das über Österreich hinausreicht.

Anzeige

Anlass für die Durchsuchungen, die um 6.00 Uhr morgens begannen, waren laut Bundesanwaltschaft und BKA Erkenntnisse, “die von der österreichischen Justiz an die deutschen Strafverfolgungsbehörden übermittelt worden waren”. Daraufhin seien am Donnerstag beim Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs (BGH) Durchsuchungsbeschlüsse erwirkt worden. Dabei sei es lediglich um die Sicherstellung möglicher Beweismittel gegangen.

Nach dpa-Informationen werden die vier Männer bislang als Zeugen geführt. Es seien hauptsächlich Kommunikationsmittel beschlagnahmt worden, die nun ausgewertet werden müssten. Die Bundesanwaltschaft führt nach eigenen Angaben im Zusammenhang mit dem Wiener Anschlag vom 2. November ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt.

Österreichs Innenminister Karl Nehammer (ÖVP) hatte am Donnerstag in Wien gesagt - ohne Einzelheiten zu nennen - dass neben zwei Festnahmen in der Schweiz noch weitere Maßnahmen in einem anderen Land laufen würden.

RND/dpa

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen