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Nach Angriff aus eigenen Reihen - SPD-Politiker verteidigen Geywitz

  • “Klara Geywitz könnte von der zwischenmenschlichen Wärme her auch eine 10.000er-Geflügelfarm leiten.”
  • Mit diesen heftigen Worten hat Brandenburgs SPD-Schatzmeister Olaf Scholz’ Partnerin im Rennen um den SPD-Vorsitz, Klara Geywitz, angegriffen.
  • Prominente Genossen stärken ihr nun den Rücken.
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Potsdam. Die Brandenburger SPD-Politikerin Klara Geywitz hat ausgerechnet aus dem eigenen Landesverband heftige Kritik zur Bewerbung für die Bundesspitze bekommen: Schatzmeister Harald Sempf sprach ihr die Eignung ab. "Für die erste Reihe der Partei, und dann noch im Duo mit Olaf Scholz, ist sie nicht die Richtige", sagte Sempf dem "Spiegel" (Samstag). Wenn er Minister wäre, würde er sie aber zur Staatssekretärin machen und könne sich keine bessere vorstellen. Geywitz bewirbt sich gemeinsam mit Bundesfinanzminister Scholz um den SPD-Bundesvorsitz.

Geywitz sei zwar ein politisches Talent und eine klar denkende Analytikerin, sagte Sempf. Aber: "Diese Herzenswärme, die ihr zugeschrieben wird, woher die kommen soll, ist mir ein Rätsel." Die SPD brauche Politiker mit Wärme. "Aber Klara Geywitz könnte von der zwischenmenschlichen Wärme her auch eine 10.000er-Geflügelfarm leiten." Der frühere Juso-Landeschef Sempf ist im Vorstand bekannt als Politiker mit "eigenem Kopf". Er ist seit 2016 Schatzmeister der SPD Brandenburg. Geywitz war als Generalsekretärin 2017 zurückgetreten, weil die Kreisreform gestoppt worden war. Bei der Landtagswahl in Brandenburg konnte sie zuletzt kein Direktmandat holen und wird deshalb nicht im neuen Landtag vertreten sein.

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Mit Unverständnis reagierten mehrere SPD-Politiker auf diese Äußerungen. Die frühere Bundesjustizministerin und heutige Vize-Präsidentin des EU-Parlaments, Katarina Barley, verteidigte Geywitz am Samstag: "Ich twittere ja selten Persönliches. Aber Klara Geywitz ist einer der liebenswertesten, humorvollsten und anständigsten Menschen, die mir in der Politik begegnet sind." Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs kommentierte den Beitrag mit den Worten: "Da sollten sich einige schämen!" Er twitterte auch: "Dieser Angriff auf Klara ist unanständig, falsch und peinlich!"

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Auch Lauterbach springt Geywitz zur Seite

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Geywitz' Konkurrent im Rennen um den Parteivorsitz, Karl Lauterbach, twitterte: "Sie ist äußerst fair und hört auch den Menschen gut zu. Die Diffamierung ihrer Person ist schäbig und entspricht ihr in keiner Weise." Ein weiterer Mitbewerber, SPD-Vize Ralf Stegner, schrieb bei Twitter: "So ist es. Fairer Wettbewerb mit viel Gemeinsamkeiten und klaren Unterschieden - darum geht es, wenn wir wollen, dass unser Grundwert Solidarität wieder vorgelebt wird."

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Auch die Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli stellte sich hinter ihre Genossin. "Liebe Klara Geywitz, dass ich dich und deinen Humor toll finde, weißt du. Ich habe dich als unglaublich empathische und herzensgute Kollegin kennengelernt. Hoffe, das Zeugs vom Kollegen lässt dich kalt", schrieb Chebli auf Twitter.

Die Jusos Brandenburg forderten den Rücktritt Sempfs. Auf Twitter schrieben sie: "Das Fass war schon lange voll, jetzt hat es nicht nur ein Tropfen, sondern ein ganzer Kanister zum Überlaufen gebracht." In einem weiteren Tweet hieß es: "Es reicht, Harald!"

Erik Stohn, Brandenburger SPD-Generalsekretär, forderte Respekt: "Bisher habe ich den Prozess zur Auswahl des SPD-Bundesvorsitzes als offen, beteiligend, motivierend und fair erlebt", erklärte er am Freitagabend. "Ich hoffe, dass der Prozess respektvoll bleibt." Scholz und Geywitz brächten sich dabei hervorragend ein. "Die SPD Brandenburg ist froh und stolz, dass sich dieses Team und damit auch jemand aus ihren eigenen Reihen zur Wahl stellt."

Vorstandsmitglied Sempf verteidigte seine kritischen Worte. "Hier geht's um die Führung der Partei. Da legt man eben Maßstäbe an", sagte Sempf der Deutschen Presse-Agentur. Sempf war während der Sondierungsgespräche für die künftige Regierungskoalition in Brandenburg innerhalb der SPD kritisiert worden, weil er sich als erstes Mitglied des Vorstands öffentlich für eine Variante - Rot-Schwarz-Grün - ausgesprochen hatte.

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RND/dpa

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