Massenproteste gegen Militärjunta in Myanmar halten an

  • Seit dem Putsch von 1. Februar sind in Myanmar hunderte Menschen festgenommen worden.
  • Die Demonstranten widersetzen sich Versammlungsverboten und Ausgangssperren – die Einsatzkräfte gehen zunehmend aggressiv gegen sie vor.
  • Bei nächtlichen Verhaftungsversuchen helfen sich Myanmaren gegenseitig: Einsatzkräfte müssen manchmal erfolglos abziehen, weil Nachbarn zur Hilfe eilen.
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Myanmarinnen und Myanmaren sind auch am Samstag in großer Zahl gegen die Militärjunta auf die Straße gegangen. In der größten Stadt Rangun versammelten sich die Protestierenden erneut an der Kreuzung Hlen und widersetzten sich mit ihrer Demonstration einem Verbot von Ansammlungen von fünf oder mehr Personen. Auch in der zweitgrößten Stadt Mandalay wurde wieder demonstriert, viele Anwältinnen und Anwälte beteiligten sich.

In Rangun schwärmten die Demonstrierenden von der Kreuzung Hlen zu anderen Punkten aus, darunter den Botschaften der USA und Chinas. Nachdem Präsident Joe Biden Sanktionen gegen das Militärregime angekündigt hat, gelten die USA als Verbündete im Kampf gegen den Putsch vom 1. Februar. China wird hingegen als Verbündeter der herrschenden Generäle verabscheut.–

Nachbarn schützen vor nächtlichen Verhaftungen

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Myanmarische Staatsbedienstete nahmen weiterhin Politiker und Aktivisten fest und gingen außerhalb Ranguns zunehmend aggressiv vor, wenn sie versuchten, Protestversammlungen aufzulösen. Laut der unabhängigen Beistandsvereinigung für Politische Gefangene sind seit dem Putsch mindestens 326 Personen festgenommen worden, von denen 303 weiterhin festgehalten werden.

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Myanmar: Proteste gegen Putsch und Entführungen halten an
1:38 min
In verschiedenen Städten des Landes protestierten am Samstag Tausende Menschen - den achten Tag in Folge.  © Reuters

In den vergangenen drei Nächten wurde von vielen Versuchen von Einsatzkräften berichtet, Menschen aus ihren Häusern abzuführen. In mehreren Fällen stürmten Nachbarn und andere Personen in so großer Zahl zum Ort des Geschehens, dass die Einsatzkräfte die Festnahmeversuche abbrachen. Videos solcher Vorfälle wurden vielfach in sozialen Netzwerken geteilt.

Einsatzkräfte setzen Gummigeschosse ein

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Bei einem Protest in der südmyanmarischen Stadt Mawlamyine schossen Einsatzkräfte am Freitag laut der Vereinigung für Gefangene mit Gummigeschossen und verletzten fünf Studierende. Neun Personen hätten sie abgeführt, berichtete die Vereinigung.

Familienmitgliedern würden nicht über die Vorwürfe gegen ihre Geliebten, deren Aufenthaltsort und ihren Zustand informiert, kritisierte die Beistandsvereinigung für Politische Gefangene. „Dies sind nicht vereinzelte Vorfälle und nächtliche Durchsuchungen zielen auf abweichende Stimmen ab. Es passiert im ganzen Land.“ Politiker, Regierungsfunktionäre, Beamte, Aktivisten und Studentenführer sind festgenommen worden.

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Der Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen verabschiedete am Freitag bei einer Sondersitzung eine Resolution, in der das Militär aufgefordert wurde, die abgesetzte De-facto-Regierungschefin Aung San Suu Kyi frei zu lassen. Ein von der EU und Großbritannien eingebrachter Resolutionsentwurf wurde auf Betreiben Chinas und Russlands abgeschwächt.

RND/AP

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