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Bericht: Mutmaßlicher Tiergarten-Mörder verlegt – weil BND seine Tötung befürchtet

  • Die Gefahr für den in Berlin ermordeten Georgier war offenbar schon 2017 bekannt.
  • Der Verfassungsschutz hat einem Bericht zufolge schon vor fast drei Jahren davor gewarnt, dass prorussische Akteure es auf den 40-Jährigen absehen könnten.
  • Der mutmaßliche Mörder Vadim S. ist derweil offenbar in einen Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Tegel verlegt worden.
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Berlin. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat bereits 2017 vor einer Gefahr für den georgischen Informanten gewarnt, der Ende August im Berliner Tiergarten ermordet worden ist. Das berichtet „Der Spiegel“. Demnach wurden im Februar 2017 Warnhinweise an die Behörden in Berlin und Brandenburg übermittelt. Darin soll eine „Gefährdung seiner Person“ angemahnt worden sein, wenn Zelimkhan Khangoshvilis Anwesenheit in Deutschland bekannt werde. Laut „Spiegel“ ging die Gefahr den Behörden zufolge explizit von „prorussischen Akteuren“ oder Getreuen des russischen Statthalters in Tschetschenien aus.

Hintergrund ist, dass Khangoshvili im zweiten Tschetschenien-Krieg (1999–2009) nach der Jahrtausendwende gegen Russland gekämpft hatte. Zudem arbeitete er mehrere Jahre als Informant für georgische und ukrainische Antiterrorbehörden, bevor er 2017 in Deutschland ein neues Leben begann. Damals stellte er einen Asylantrag, weil er um sein Leben fürchtete.

Mutmaßlicher Mörder in Hochsicherheitstrakt verlegt

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Der 40 Jahre alte Georgier, der sich auch Tornike Khangoshvili nannte, war dann im August in Berlin-Moabit erschossen worden. Der mutmaßliche Täter, ein 49-Jähriger mit russischem Pass, wurde festgenommen und schweigt zu den Vorwürfen. Wie am Freitag bekannt wurde, ist Vadim S. aus der Untersuchungshaftanstalt Moabit in einen besonders gesicherten Bereich des Gefängnisses in Tegel verlegt worden. Das berichtete die „Berliner Morgenpost“.

Nach Angaben des Blattes ist dies ungewöhnlich, weil Häftlinge in Untersuchungshaft generell in Moabit untergebracht würden. Allerdings seien die Ermittler beim Landeskriminalamt in einer Sicherheitsanalyse zu dem Schluss gekommen, dass Vadim S., der russischer Staatsbürger ist, in Gefahr schwebe und man ihn deshalb verlegen müsse. Jetzt sitze S. in einem Bereich, der für extrem gefährliche Häftlinge wie etwa Terroristen vorgesehen sei – und zwar, weil in Moabit Einflüsse von außen nicht ausgeschlossen werden könnten.

BND hatte Sorge um Tötung des mutmaßlichen Täters

Wie „tagesschau.de“ inzwischen berichtet, ist die Verlegung wegen eines Hinweises des Bundesnachrichtendienstes (BND) vorgenommen worden. Dem Bericht zufolge sei damit zu rechnen gewesen, dass der mutmaßliche Täter in Haft getötet werden könnte. Und zwar von ebenjenen staatlichen Stellen in Russland, die ihn als Killer beauftragt haben könnten.

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Am Mittwoch hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Denn auch in Karlsruhe besteht jetzt der Verdacht, dass staatliche Stellen in Russland in den Mord verwickelt sind.

Kanzleramtschef fordert Russland auf, Ermittlungen zu unterstützen

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Am selben Tag wies die Bundesregierung zwei russische Diplomaten aus. Russland wiederum kündigte Gegenmaßnahmen an. Welche dies sein werden, ist weiterhin offen. Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) forderte die russischen Behörden auf, die Ermittlungen zu unterstützen, und kritisierte das Verhalten der russischen Regierung. „Die Ausweisungen sehen wir als sehr eindringliches Signal an die russische Seite, uns unverzüglich bei der Klärung der Identität und der Hintergründe zu der Person des mutmaßlichen Täters umfassend zu unterstützen“, sagte er dem „Spiegel“. „Vor dem Hintergrund der monatelang fehlenden Unterstützung habe ich absolut kein Verständnis dafür, dass Russland empört ist oder sogar über Gegenmaßnahmen nachdenkt.“

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Norbert Röttgen (CDU), bezeichnete die Ausweisungen als angemessen. Es gehe jetzt darum zu ermitteln, ob der Fall zum russischen Muster gehöre, übergelaufene Agenten und andere Staatsfeinde im Ausland umzubringen, sagte Röttgen dem „Spiegel“.

Der Hauptverdächtige Vadim S. soll jedenfalls im Juni 2013 schon einmal in Moskau gemordet haben. Die russischen Sicherheitsbehörden hatten einen „Vadim K.“ nach der damaligen Tat international zur Fahndung ausgeschrieben – doch 2015 aus den Fahndungslisten wieder gelöscht.

RND/mdc/cz/dpa

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