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Mafiaaffäre an Klinik in Hannover: Behandelnder Arzt macht Politik Vorwürfe

  • Die Behandlung eines mutmaßlichen Mafiamitglieds hatte in Hannover für einen Skandal gesorgt.
  • Der Vizechef der Medizinischen Hochschule Hannover verlor seinen Job.
  • Nun macht der behandelnde Arzt Polizei und Ministerien Vorwürfe.
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Hannover. Die Behandlung eines mutmaßlichen Mafiamitglieds aus Montenegro hat in Hannover zu Verwerfungen zwischen der Politik und der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) geführt. Igor K. war nach Deutschland geflogen, um Schussverletzungen von einem ausgewiesenen Spezialisten behandeln zu lassen. Bewaffnete SEK-Einheiten mussten das Krankenhaus aus Sorge vor einem Anschlagsversuch auf den Patienten absichern. Die Politik machte der Klinikleitung deshalb schwere Vorwürfe. Steuerverschwendung und Geldwäsche standen im Raum. Nun sprach der behandelnde Arzt mit der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” (HAZ) und erhob seinerseits Vorwürfe gegen die Politik.

Professor Christian Krettek hatte als Direktor der MHH-Unfallchirurgie die Entscheidung getroffen, den Patienten zu behandeln. Was diese Entscheidung nach sich ziehen würde, ahnte er jedoch nicht. “Niemand konnte die späteren Begleitprobleme vorhersehen, nur weil der Patient sich mit Schussverletzungen angemeldet hatte”, sagte er der HAZ. Schließlich sei das nicht einmal für die Behörden ersichtlich gewesen – Igor K. habe am Flughafen Hannover ohne Probleme einreisen können.

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Er habe den Behörden angeboten, den Patienten in das Justizkrankenhaus in Lingen zu verlegen und dort zu operieren, wo er einfacher zu schützen sei. Das Justizministerium lehnte eine Verlegung jedoch offiziell mit der Begründung ab, dort könne man die schweren Verletzungen des Angeschossenen nicht behandeln. Er habe Igor K. aufgenommen, weil der Verletzungen gehabt habe, “die besondere Fähigkeiten und Techniken erfordern und deshalb nur in einem spezialisierten Zentrum behandelt werden können”. Insgesamt sei der Mann 30 Stunden lang operiert worden, einmal ganze 14 Stunden am Stück. Die Behandlung ausländischer Patienten stelle eine wichtige Einnahmequelle für renommierte Kliniken wie die MHH dar. Die Erlöse liefen außerhalb des gedeckelten Budgets. Sie fließen nach Kretteks Angaben teils in notwendige Neuanschaffungen und Reparaturen medizinischer Geräte.

Vizechef der Medizinischen Hochschule Hannover wird entlassen

Die Behandlung hatte für einen Skandal gesorgt, der Vizepräsident der Medizinischen Hochschule, Andreas Tecklenburg, war entlassen worden. Von Mitarbeitern der Klinik wurde das heftig kritisiert. Krettek bedauert das, ebenso wie die negativen Folgen für Mitarbeiter, Patienten und Polizeibeamten durch die Sicherheitsprobleme. „Ich hätte diesen Patienten nicht in die MHH kommen lassen, wenn ich auch nur ansatzweise hätte ahnen können, welche Schwierigkeiten sich daraus ergeben", sagte er der HAZ.

Die Entlassung des MHH-Vizes hält Krettek für unangemessen. “Es ist im Wissenschaftsministerium bekannt, dass und zu welchen Konditionen in der MHH ausländische Patienten behandelt werden.” Die MHH habe keine Möglichkeit gehabt, den Patienten einfach wieder abzuweisen.

RND/HAZ/fh

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