Newsletter „Der Tag“

Mut made in Grünheide

Tesla-Chef Elon Musk bei der Eröffnung der Gigafactory in Grünheide.

Tesla-Chef Elon Musk bei der Eröffnung der Gigafactory in Grünheide.

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

es muss schon eine kuriose Veranstaltung gewesen sein, zu der gestern in der Gemeinde Grünheide im Landkreis Oder-Spree in Brandenburg geladen wurde: Zu den wummernden Bässen elektronischer Musik feierten die Spitzen deutscher Politik im Jahr 2022 die Eröffnung einer Autofabrik. Wenige Hundert Meter weiter standen Pkw und Lkw im Stau, weil Umweltschutz­organisationen eine Brücke blockiert hatten, um darauf hinzuweisen, dass das Werk im Wasserschutzgebiet dem Land 3,8 Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr abtrotzt und sich die nächste Dürre durch den ungewöhnlich trockenen März bereits ankündige. Knapp tausend Kilometer weiter tobt ein Krieg, der alle bisherigen Gewissheiten infrage stellt.

In Grünheide aber tobte gestern eine Party, wie sie das Autoland Deutschland schon lange nicht mehr gefeiert hat, schreibt RND-Berlin-Korrespondent Jan Sternberg. 500.000 Elektroautos sollen hier eines Tages pro Jahr vom Band rollen, zusammengeschraubt und zusammengeschweißt von 12.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zum sogenannten Delivery-Day waren Bundeskanzler Scholz und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck gekommen. Die Käufer der ersten 30 pechschwarzen Tesla Model Y nahmen ihre Fahrzeuge in Empfang und durften sich dazu beim DJ ihre Lieblingsmusik wünschen. Es ist nicht ganz klar, ob die übrigen Gäste wegen der Autos da waren oder aber wegen Musk.

Tesla-Chef Elon Musk eröffnet neue Fabrik in Grünheide bei Berlin
GRUENHEIDE, GERMANY - MARCH 22: Tesla CEO Elon Musk speaks during the official opening of the new Tesla electric car manufacturing plant on March 22, 2022 near Gruenheide, Germany. The new plant, officially called the Gigafactory Berlin-Brandenburg, is producing the Model Y as well as electric car batteries. (Photo by Christian Marquardt - Pool/Getty Images)

Das Werk sei ein „Zeichen für den Fortschritt und die Zukunft der Industrie“ in Deutschland als starkem Standort.

Der unnahbare US-Techmilliardär hat immerhin bewiesen, dass in Brandenburg, wo der Flughafen BER ein gutes Jahrzehnt der Fertigstellung harrte, Fabriken in Rekordzeit entstehen können. Der Visionär brauchte für seine Gigafactory gerade einmal zwei Jahre. Das ist hierzulande ein Rekord. Für viele deutsche Unternehmen wäre der Bau eine Mammutaufgabe gewesen, für Musk schien es kaum der Rede wert.

„Es ist ein schmaler Grat zwischen Selbstbewusstsein und Größenwahn. Und niemand tanzt auf diesem Grat so virtuos wie Elon Musk, Techmilliardär, Autobauer, Raumfahrtpionier und Ein-Mann-Dampfkapelle der digitalen Revolution. Musk, der Marketingfuchs mit dem Heiligenschein und der Gelassenheit des Siegers, ist an rote Teppiche und unterwürfige Standortpolitiker gewöhnt. Er kam, sah – und überlistete den deutschen Regulierungsstaat“, schreibt dann auch mein Kollege Imre Grimm in seinem Porträt (RND+) über den Visionär, der erst vor wenigen Tagen den russischen Präsidenten per Twitter zum Kampf aufforderte: „Mann gegen Mann“. Der Einsatz? Die Ukraine. Kleiner hat es Musk nicht.

Bidens Gipfelmarathon in Europa

Kurz vor den Gipfeltreffen von EU, G7 und Nato in Brüssel bleibt Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei seinem klaren Nein zu einem sofortigen Stopp der Energieimporte aus Russland wegen des Ukraine-Kriegs. Die Position der Bundesregierung sei unverändert, sagte Scholz am Dienstag nach einem Treffen mit EU-Parlamentspräsidentin Roberta Metsola in Berlin. Das gelte auch für viele andere EU-Mitgliedsstaaten, deren Abhängigkeit von russischer Energie noch größer sei. „Niemanden darf man in dieser Hinsicht im Regen stehen lassen.“

Russland setzt seinen Krieg gegen die Ukraine trotz laufender Verhandlungen fort. Putins Truppen nehmen zunehmend zivile Ziele ins Visier. Täglich gibt es neue Berichte über Gefechte und Zerstörungen in ukrainischen Städten. Über humanitäre Korridore wird versucht, Menschen aus umkämpften Gebieten zu retten. Doch viele der Evakuierungsversuche sind zuletzt gescheitert oder es konnten nur wenige Menschen in Sicherheit gebracht werden.

US-Präsident Joe Biden bricht angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine an diesem Mittwoch zu seiner Reise nach Europa auf. Dort stehen unter anderem ein Nato-Krisengipfel in Brüssel und ein Besuch in Warschau auf dem Programm. Es wird erwartet, dass der US-Präsident unter anderem kräftige Finanzhilfen für Polen verkündet, berichtet RND-Korrespondent Karl Doemens (RND+). Biden wird zunächst am Donnerstag an den Gipfeln der Nato, der EU und der führenden demokratischen Wirtschaftsmächte (G7) in Brüssel teilnehmen. Der G7-Gipfel ist eingebettet in die beiden anderen Gipfel am selben Tag.

Sublinie lässt Infektionszahl steigen: Corona ist noch nicht vorbei

Die offensichtlich noch schneller übertragbare BA.2-Sublinie der Omikron-Variante führt derweil zu steigenden Corona-Zahlen in Deutschland. Der deutsche Laborverband ALM meldete gestern, dass die Zahl positiver PCR-Tests in der vergangenen Woche wieder auf einen neuen Höchstwert gestiegen ist. Insgesamt waren demnach mehr als 1,3 Millionen Tests positiv. Auch die Zahl der PCR-Tests ist erneut deutlich gestiegen. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass der Schutz vor einer Infektion auch nach dem Booster bereits wenige Wochen später sinkt – aber vor dem Schlimmsten bewahrt, wie meine Kollegin Saskia Heinze berichtet.

 

Zitat des Tages

Wir brauchen in einer Zeit, die so sorgenschwer ist, die so viel Angst macht, mehr Mut.

Robert Habeck,

Bundeswirtschafts­minister, bei der Eröffnung der Tesla-Fabrik in Brandenburg

 

Leseempfehlungen

Windkraft auf Kosten des Artenschutzes? Deutschland braucht mehr Windräder für die Energieversorgung. Doch Tier- und Artenschützerinnen und ‑schützer befürchten, dass massenweise Vögel und Fledermäuse zwischen den Rotoren zugrunde gehen. Im RND-Interview erklärt die Ökologin Katrin Böhning-Gaese, worauf es wirklich ankommt, wenn man Windräder und Artenschutz vereinen möchte.

„Von einer gleichberechtigten Gesellschaft sind wir meilenweit entfernt“: Vor zehn Jahren wurde Collien Ulmen-Fernandes Mutter einer Tochter. Nun hat sie eine zweiteilige Doku über Rabenväter und Superväter gedreht. Im RND-Interview spricht sie nicht nur über die Vaterqualitäten ihres Mannes Christian Ulmen, sondern auch über das schlechte Gewissen von arbeitenden Müttern.

 

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Immer wieder behauptet Russland, dass die Ukraine mithilfe westlicher Unterstützung Biowaffen baue, und rechtfertigt auch damit seinen Angriffskrieg. Nun ist das Friedrich-Loeffler-Institut in Mecklenburg-Vorpommern Opfer dieser Propaganda geworden. Warum ausgerechnet diese Einrichtung ins Visier geraten ist, kann man sich dort nicht erklären, berichtet die „Ostsee-Zeitung“.

 

Termine des Tages

13 Uhr: Fortsetzung der Haushaltswoche im Bundestag

14 Uhr: Pressekonferenz mit Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zum Sondergipfel am Donnerstag in Brüssel. Erwartet wird unter anderem US-Präsident Joe Biden.

15 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht live per Video von Kiew aus vor dem französischen Abgeordnetenhaus.

 

Wer heute wichtig wird

Wikileaks-Gründer Julian Assange heiratet heute seine Partnerin Stella Moris – hier mit dem gemeinsamen Sohn Max – im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh.

Wikileaks-Gründer Julian Assange heiratet heute seine Partnerin Stella Moris – hier mit dem gemeinsamen Sohn Max – im Londoner Hochsicherheitsgefängnis Belmarsh.

 

Der Podcast des Tages: „Klima und wir“

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Wir wünschen Ihnen einen guten Start in den Tag,

Ihre Dany Schrader

 

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