Munition und Ausrüstung aus Bundeswehr-Kasernen gestohlen

  • Aus drei Standorten der Truppe, die für rechte Netzwerke bekannt sind, ist seit 2011 sensible Ausrüstung verschwunden.
  • Vor allem Funk- und Nachtsichtgeräte, Munition und Laserlichtmodule wurden gestohlen.
  • Die Linken-Bundestagsfraktion will nicht mehr an Zufall glauben.
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Berlin. Aus drei Kasernen der Bundeswehr sind seit 2011 weitere Munition und Ausrüstungsgegenstände verschwunden. Das geht aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion hervor, die dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vorliegt.

Demnach gingen in der Staufer-Kaserne im baden-württembergischen Pfullendorf zwischen 2011 und 2013 zwei Laserlichtmodule, ein Funkgerät, ein Notfunkgerät, eine Signalpistole sowie ein Magazin mit fünf Schuss Munition verloren. Aus der bayerischen Franz-Josef-Strauß-Kaserne in Altenstadt wurden im August 2013 insgesamt 60 Schuss Munition gestohlen. Auch bei einem Nachtsichtgerät aus der Graf-Zeppelin-Kaserne im baden-württembergischen Calw, dem Standort der militärischen Spezialeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK), geht das Bundesinnenministerium von Diebstahl aus.

Linke befürchtet Diebstahl durch Neonazis in der Bundeswehr

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Das KSK-Nachtsichtgerät wurde laut Bundesinnenstaatssekretär Hans-Georg Engelke am 27. April 2017 entwendet, dem Tag, an dem der unter Terrorverdacht stehende Bundeswehroffizier Franco A. verhaftet wurde. Der Bundesgerichtshof ließ in der vergangenen Woche Anklage gegen den Oberleutnant wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat zu. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass Franco A. geplant hat, einen Terroranschlag zu verüben und diesen Flüchtlingen in die Schuhe zu schieben.

Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion, befürchtet, die verschwundene Munition und die anderen Ausrüstungsgegenstände könnten von Neonazis in der Bundeswehr gestohlen worden sein. Gerade nach Munition, Nachtsichtgeräten und Funkgeräten bestehe in rechten Netzwerken eine hohe Nachfrage. Sie könnten bei einem möglichen Zusammenbruch des öffentlichen Lebens eine wichtige Rolle spielen.

„Hannibal“-Netzwerk plante Einrichtung von Waffendepots

In den durch den KSK-Soldaten André S. alias „Hannibal“ geführten Chatgruppen ist von der Planung und Errichtung von Waffendepots und sogenannten Safehouses die Rede. Mitglieder der zum „Hannibal“-Netzwerk gehörenden Gruppe „Nordkreuz“ bereiteten sich auf den sogenannten Tag X vor, an dem nach Ausbruch einer nationalen Krise politische Gegner inhaftiert und umgebracht werden sollten.

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„Franco A. plante, den Polizeifunk abzuhören. Die Verantwortlichen für die Diebstähle müssen schnellstmöglich ausfindig gemacht werden. Wir brauchen dringend eine lückenlose Aufklärung rechter Netzwerke in den Sicherheitsbehörden“, sagte Pflüger dem RND.

Calw, Altenstadt und Pfullendorf sorgen für negative Schlagzeilen

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„Hannibal“ war in Calw stationiert. Altenstadt geriet Mitte der 90er-Jahre nach rechten Exzessen in die Schlagzeilen. In Altenstadt war auch der spätere Brandenburger AfD-Chef Andreas Kalbitz stationiert.

Im Ausbildungszentrum Pfullendorf wurden Lehrgangsteilnehmer angeblich regelmäßig verbal erniedrigt und zu Strafmaßnahmen wie langen Dauerläufen gezwungen. Einer der Unteroffiziere soll die Anwärter unter anderem als „genetischen Abfall“ bezeichnet und gefordert haben, sie „endlich auszusortieren“.