Nach antisemitischem Angriff: Rabbiner in München versteckt seine Kippa

  • Anfang Juli wurde der Rabbiner Shmuel Aharon Brodman in München von vier Männern verfolgt und antisemitisch beleidigt.
  • Seitdem zeigt er sich nicht mehr mit Kippa in der Öffentlichkeit und vermeidet es, laut Hebräisch zu sprechen.
  • Er beklagt auch, dass niemand bei dem Vorfall eingegriffen habe.
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München. Nach einer antisemitischen Attacke auf den Rabbiner Shmuel Aharon Brodman in München fühlt sich dieser weniger sicher und versteckt seine Kippa. “Ich bin vorsichtiger geworden. Ich gehe nicht mehr offen mit meiner Kippa auf die Straße, sondern verstecke sie unter einem Hut oder einer Baseballmütze”, sagte der 1959 geborene Brodman der “Süddeutschen Zeitung” am Donnerstag.

Wenn er mit seinem Sohn in der Stadt unterwegs sei, dann sprächen sie nicht mehr laut Hebräisch, wenn Leute sie hören könnten. “Das ist der Unterschied. Ich fühle mich sicher, aber nicht mehr so wie zuvor.”

Keine Hilfe durch Passanten

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Nach Angaben der Polizei hatten vier Männer den Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde in München und Oberbayern am 9. Juli verfolgt, nachdem er mit einer Kippa bekleidet am Isartor aus einer Straßenbahn gestiegen war.

Die Männer hätten dabei wiederholt abfällig über Israel gesprochen, nach Wahrnehmung des Verfolgten hätten sie miteinander Arabisch gesprochen. Die Orthodoxe Rabbinerkonferenz in Deutschland forderte als Reaktion auf den Vorfall, den Dialog zwischen Juden und Muslimen weiter zu verstärken.

Kritisch äußerte sich Brodman über die möglichen Zeugen des Vorfalls: "Haben sich Leute eingemischt? Die haben weggeguckt. Das war alles okay für sie. "Fuck Israel", wurde mir ins Gesicht geschrien. Das hat niemanden interessiert", sagte er der Zeitung.

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Der “Bild”-Zeitung sagte er, er habe vor vielen Jahren Karate gelernt. “Aber vier gegen eins, das ist ein bisschen schwer.”

Optimismus überwiegt

Er bleibe aber optimistisch, kündigte Brodmann in den Interviews an. "Die wenigen, die wirklich Angst haben, gehen fort. Die anderen bleiben hier und halten an ihrem Optimismus fest. Das sind die meisten. Dazu zähle auch ich mich", sagte er der "SZ" und meinte: "Wir hoffen, dass wieder bessere Zeiten kommen. Aber wir müssen wachsam sein."

Der “Bild” sagte er: “Wenn die Deutschen es schaffen würden, dass wir ungestört Juden sein können, das wäre das Beste. Das wäre ein Traum.”

RND/dpa

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