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Katastrophe von Moria wurde von Europas Politikern billigend in Kauf genommen

  • Die unerträglichen Zustände im griechischen Flüchtlingslager Moria sind seit Langem bekannt.
  • Die Katastrophe war vorauszusehen.
  • Europas sogenannte Asylpolitik liegt wie Moria selbst in Trümmern, kommentiert Marina Kormbaki.
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Berlin. Es gibt Ereignisse, die schockieren – und doch keineswegs überraschend eintreten. Der Großbrand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ist solch ein Ereignis. Die Katastrophe war voraussehbar. Mehr noch: Europa hat sie billigend in Kauf genommen.

Das Elendslager ist seit Jahren überfüllt. Zuletzt lebten dort fast fünfmal mehr Menschen als vorgesehen. Männer, Frauen und vor allem: Kinder, die stundenlang anstehen mussten für Wasser, Nahrung und den Gang zur Toilette. Die Enge, der Mangel und die hygienischen Bedingungen machten die Menschen krank, noch ehe das Coronavirus das Lager erreichte. Ärzte berichteten von Krankheiten, die sonst nur in bitterarmen Entwicklungsländern auftreten. Psychologen schilderten Selbstverstümmelungen und Suizidalität, auch unter Kindern. Die unerträgliche Situation auf Lesbos eskalierte, nachdem jetzt erste Fälle von Covid-19 in dem Lager festgestellt wurden. Aus Ausgangsbeschränkungen wurde ein kompletter Lockdown, Frust schlug um in Angst und Wut. Kurzum: Es trat genau die brandgefährliche Zuspitzung ein, vor der Helfer schon seit Langem warnen.

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Überfülltes Flüchtlingslager Moria auf Lesbos niedergebrannt
2:28 min
Auf der Insel wurde laut Medienberichten der Notstand ausgerufen. Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte die Bundesregierung zum sofortigen Handeln auf.  © Reuters
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Maß an Empathie reicht nur noch für die Aufnahme schwer kranker Kinder

Niemand kann behaupten, er habe von den Zuständen in Moria nichts gewusst. Die griechische Regierung, die EU-Kommission und auch die Bundesregierung sind bestens informiert über die Not vor Ort. Doch das Maß an Empathie reicht hierzulande nur noch für die Aufnahme schwer kranker Kinder aus. Ansonsten gibt man sich mit Betroffenheitsbekundungen zufrieden. Noch am Montag stellten Flüchtlingshilfsorganisationen mit Politikern von Grünen, SPD und Linkspartei 13.000 Stühle vor dem Reichstag auf, als “Symbol der Aufnahmebereitschaft für schutzsuchende Menschen aus Moria und allen überfüllten Lagern an den EU-Außengrenzen”. Symbole ersetzen aber keine Politik. Der Druck auf Innenminister Horst Seehofer, hilfsbereiten Ländern und Kommunen die Aufnahme Geflüchteter aus Moria zu erlauben, hielt sich in engen Grenzen. Wie übrigens auch der Druck der Bürger auf die Politik.

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Habeck: “Wir können Griechenland nicht alleinlassen”
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Der Co-Vorsitzende der Grünen fordert, Menschen aus Moria “in größeren Kontingenten” in Deutschland aufzunehmen.

Moria liegt in Trümmern – und damit auch Europas sogenannte Asylpolitik. Dabei hätte bereits vor Ort wenig Hilfe viel bewirken können: Zelte, mobile Toiletten, Trinkwasseraufbereitungsanlagen und Essenspakete hätten mühelos bereitgestellt werden können. Die EU-Staaten hätten auch mehr Sachbearbeiter für Asylanträge entsenden können, wie es der EU-Türkei-Deal ja vorsieht, auf den die Lager in der Ägäis zurückgehen. Angesichts des minimalen Aufwands, der erforderlich gewesen wäre, um halbwegs erträgliche Bedingungen für die Geflüchteten zu schaffen, liegt der Schluss nahe, dass Europas Regierungen schlicht nicht helfen wollten. Dass Bilder und Berichte vom Elend politisch gewollt sind, um Geflüchtete von Europa fernzuhalten.

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Moria ist zur Chiffre geworden für eine Europäische Union, die ihre Werte verrät. Ihre Vertreterinnen und Vertreter müssen damit rechnen, der Doppelmoral bezichtigt oder verlacht zu werden, wenn sie gegenüber Dritten auf die Einhaltung von Menschenrechtsstandards pochen. Ein Makel, dessen Tragweite noch gar nicht zu ermessen ist.

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Fürs Erste geht es jetzt um Schadensbegrenzung. Deutschland und die EU müssen umgehend Helfer und Material nach Lesbos schicken. Zwar ist der Brand in Moria gelöscht, die Katastrophe aber setzt sich fort.

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