Hier hausten mehr als 12.000 Geflüchtete: Über das abgebrannte griechische Flüchtlingslager Moria

  • In dem für knapp 3000 Personen konzipierten griechischen Flüchtlingslager Moria hausen mittlerweile mehr als 12.000 Geflüchtete.
  • In den vergangenen Jahren kam es dort immer wieder zu Protesten in den überfüllten Zelten.
  • In den vergangenen Monaten soll die Küstenwache immer wieder einige derer Boote in türkische Gewässer abgedrängt haben.
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Frankfurt a.M.. Moria auf der Insel Lesbos war mit mehr als 12.000 Bewohnern das größte griechische und auch europäische Flüchtlingslager. Es befindet sich im Landesinneren der ostägäischen Insel nahe dem gleichnamigen Dorf und ist eigentlich nur für knapp 3000 Personen konzipiert worden.

Das Lager bestand seit Mitte Oktober 2015 und diente ursprünglich der Registrierung von Asylsuchenden, die nach kurzer Aufenthaltsdauer auf das griechische Festland gebracht wurden. Seit Frühjahr 2016 war es zur Umsetzung des EU-Türkei-Abkommens zur Rücknahme der von der Türkei kommenden Flüchtlinge hauptsächlich Verweilzentrum, in dem Asylsuchende darauf warten in Griechenland Asyl zu beantragen, auf andere europäische Staaten, unter anderem im Rahmen von Familienzusammenführungen, verteilt oder abgeschoben zu werden.

Alle Migranten und Flüchtlinge, die nach dem 20. März 2016 auf den griechischen Inseln ankommen, dürfen gemäß dieser Übereinkunft nicht mehr aufs griechische Festland gebracht werden, sonst nimmt die Türkei sie nicht zurück.

In den vergangenen Jahren kam es bei Protesten gegen die Lebensbedingungen in den überfüllten Zelten immer wieder zu Bränden. Am 19. September 2016 zerstörte ein Brand rund 60 Prozent der Einrichtung des Flüchtlingslagers. Etwa 3000 Lagerbewohner flohen in die Umgebung. Am 15. November 2016 lieferten sich Insassen stundenlange Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften. In der Nacht starben zwei Migranten bei einer Gasexplosion. Am 29. September 2019 kamen bei einem Brand zwei Menschen ums Leben.

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Zeitweilig bis zu 20.000 Menschen

Im Oktober 2019 zählte das Lager 13.000 Menschen. Im Januar 2020 waren es bereits 19.000. Das UN-Flüchtlingshochkommissariat (UNHCR) setzte die Zusammenarbeit mit den Behörden beim Transport geretteter Flüchtlinge vom Hafen zum EU-Hotspot-Lager Moria wegen der Missachtung von Mindeststandards zweitweise aus.

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Während im April 2020 bereits hunderte Flüchtlinge wegen der Corona-Pandemie aus dem Lager evakuiert wurden, darunter auch nach Belgien und Deutschland gebrachte unbegleitete Kinder und Jugendliche, kündigte die griechische Regierung Anfang Mai die kurzfristige Evakuierung von 500 der etwa 19.300 in Moria lebenden Personen aufs griechische Festland an. Die Regierung verlegte Hunderte Flüchtlinge auf das Festland. Ende Mai 2020 lebten rund 17.000 Flüchtlinge im Lager. Anfang September 2020 waren es etwa 13.000.

Ziel von Booten auf dem Mittelmeer

Aufgrund der geografischen Lage der Insel in der nördlichen Ägäis vor der türkischen Küste ist Lesbos seit Beginn der Flüchtlingskrise 2015 das Ziel von Booten, die in den ersten Morgenstunden übersetzen. In den vergangenen Monaten soll die griechische Küstenwache einige der Boote in türkische Gewässer abgedrängt haben. Nichtregierungsorganisationen warfen den griechischen Behörden daraufhin illegale Zurückweisung von Flüchtlingen auf See vor.

In dem für knapp 3000 Personen konzipierten griechischen Flüchtlingslager Moria hausen mittlerweile mehr als 12.000 Geflüchtete. © Quelle: imago images/ANE Edition

Papst Franziskus machte im April 2016 mit einem Besuch auf Lesbos auf das Schicksal der Flüchtlinge dort aufmerksam. Gemeinsam mit dem Ehrenoberhaupt der Orthodoxen, Patriarch Bartholomäus I. und dem katholischen Erzbischof von Athen, Hieronymos II., besuchte er Moria. Als Zeichen der Solidarität nahm er auf dem Rückflug zwölf überwiegend aus Syrien stammende Flüchtlinge, darunter sechs Minderjährige, mit nach Rom.

RND/epd/mjp

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