Mord in Berlin: Marieluise Beck kritisiert Generalbundesanwalt

  • Am 23. August wurde ein Georgier im Berliner Tiergarten von einem mutmaßlichen russischen Auftragsmörder erschossen.
  • Erst am 4. Dezember übernahm der Generalbundesanwalt die Ermittlungen.
  • Die ehemalige Grünen-Bundestagsabgeordnete Marieluise Beck, Mitglied im Vorstand des „Petersburger Dialogs“, findet das irritierend.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. Die langjährige Grünen-Bundestagsabgeordnete und Direktorin Ostmitteleuropa/​Osteuropa beim Zentrum Liberale Moderne, Marieluise Beck, hat den Generalbundesanwalt kritisiert, weil dieser ihrer Ansicht nach zu spät die Ermittlungen zu dem Mord an einem Georgier im Berliner Tiergarten übernommen hat. „Es ist irritierend, wie lange der Generalbundesanwalt sich geweigert hat, den Fall an sich zu ziehen“, sagte sie dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Dass der russische Auslandsgeheimdienst den Mörder mit Papieren ausgestattet hatte, war fast lückenlos belegt.“ Beck fügte hinzu: „Offenbar hat man gehofft, ein ,Fall-Skripal‘ lasse sich in Deutschland vermeiden.“

Der ehemalige Doppelagent Sergej Skripal war am 4. März 2018 in der englischen Stadt Salisbury bewusstlos aufgefunden und mit Anzeichen einer Vergiftung in eine Klinik eingeliefert worden. Der Verdacht einer russischen Urheberschaft hatte zu einem Konflikt der Europäischen Union mit Moskau geführt.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Wichtiger als die Ausweisung von zwei Diplomaten durch die Bundesregierung sei im Übrigen die Aufklärung der Hintergründe des Verbrechens, so Beck, die auch Mitglied im Vorstand des „Petersburger Dialogs“ ist, der die Beziehungen zwischen Deutschland und Russland verbessern soll. „Wer Scheu zeigt vor unangenehmen Wahrheiten, schwächt seine Stellung gegenüber dem Kreml.“

Der Generalbundesanwalt hatte die Ermittlungen am Mittwoch übernommen mit der Begründung: „Anhaltspunkte dafür, dass die Tat im Auftrag eines nichtstaatlichen Akteurs erfolgt ist, liegen bislang nicht vor.“ Der 40 Jahre alte Tschetschene mit georgischer Staatsangehörigkeit war allerdings bereits am 23. August in einem kleinen Park in Berlin-Moabit von hinten erschossen worden. Wegen einer möglichen Verstrickung Russlands hatte es früh Forderungen nach einer Übernahme durch die Bundesanwaltschaft gegeben. Diese ist unter anderem dann zuständig, wenn der Verdacht besteht, dass der Geheimdienst einer fremden Macht involviert ist.