Mord an iranischem Atomphysiker: UN fordert Zurückhaltung

  • Der iranische Atomphysiker Mohsen Fachrisadeh wurde am Freitag auf der Straße erschossen.
  • Der Iran reagierte prompt mit Schuldzuweisungen an Erzfeind Israel.
  • UN-Chef António Guterres mahnte Vorsicht an, um die Spannungen in der Region nicht auszureizen.
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Teheran/New York. Nach der Ermordung eines hochrangigen iranischen Atomphysikers und Schuldzuweisungen Teherans an die Adresse Israels hat UN-Generalsekretär António Guterres Zurückhaltung angemahnt. Man habe Berichte über den Vorfall zur Kenntnis genommen, teilte UN-Sprecher Farhan Haq der Deutschen Presse-Agentur am Freitag (Ortszeit) in New York mit.

„Wir fordern Zurückhaltung und sehen es als notwendig an, dass Maßnahmen vermieden werden, die zu einer Eskalation der Spannungen in der Region führen könnten.“

Iran: “Märtyrertod”

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Mohsen Fachrisadeh war am Freitag nach Angaben der Regierung in seinem Auto angeschossen und schwer verletzt worden. Kurz darauf sei er in einem Krankenhaus gestorben.

Das iranische Verteidigungsministerium sprach bei Bekanntgabe der Nachricht von einem „Märtyrertod“. Außenminister Dschawad Sarif berichtete von „ernstzunehmenden Hinweisen“ auf eine Beteiligung Israels. Zunächst gab es jedoch keine Klarheit, wer hinter dem Anschlag steckt.

Nach Medienberichten wurde Fachrisadeh in Ab-Sard erschossen, einem Vorort östlich der Hauptstadt Teheran. Örtlichen Behörden zufolge wurden auch mehrere Angreifer getötet.

Das Verteidigungsministerium erklärte später in einer offiziellen Mitteilung über das Staatsfernsehen:„Wir geben hiermit den Märtyrertod von Dr. Mohsen Fachrisadeh bekannt.“

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Irans Präsident Ruhani wirft Israel Mord an Atomwissenschaftler vor
1:11 min
Fachrisadeh stand bei westlichen Staaten und in Israel im Verdacht, der Architekt eines verdeckten Atomwaffenprogramms gewesen zu sein.  © Reuters

Laut Botschafter mehrere Wissenschaftler getötet

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Irans UN-Botschafter Madschid Tacht verwies in einem Schreiben an Guterres, dass in den vergangenen zehn Jahren mehrere hochrangige iranische Wissenschaftler „in terroristischen Anschlägen“ getötet worden seien. Verantwortlich dafür zeichneten „bestimmte ausländische Kreise“.

Die „feige“ Hinrichtung Fachrisadehs - bei der es errnsthafte Hinweise auf Israels Verantwortung gebe - sei ein weiterer Versuch, die Region ins Chaos zu stürzen und die wissenschaftliche Entwicklung Irans zu stören.

Mitglied der Revolutionsgarden

Der Kernphysiker war Mitglied der iranischen Revolutionsgarden und ein Experte für die Herstellung von Raketen. Nach Informationen der iranischen Nachrichtenagentur Fars sollen israelische Geheimdienste seit Jahren bemüht gewesen sein, ihn auszuschalten.

Zuletzt leitete Fachrisadeh die Abteilung für Forschung und technologische Erneuerung im Verteidigungsministerium.

Ermittlungen aufgenommen

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Nach Worten des iranischen Atomchefs wird der Tod von Fachrisadeh den Fortschritt des Atomprogramms im Land weder aufhalten noch beeinträchtigen. “Der Weg Fachrisadehs wird jetzt erst recht noch intensiver fortgesetzt”, sagte Atomchef Ali-Akbar Salehi am Samstag.

Ähnlich äußerte sich auch Kommunikationsminister Mohamed Dschawad Asari Dschahromi. “Für die eine herausgerissene Blume werden Tausende nachwachsen”, twitterte der Minister.

Der Geheimdienst und die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) haben bereits die Ermittlungen nach den Attentätern aufgenommen. Die iranische Führung hat sich jedoch bereits festgelegt, dass “Agenten des zionistischen Regimes hinter dem Terroranschlag stecken”.

Außenminister kritisiert “Doppelstandards” der EU

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte ihn im Frühjahr 2018 im Zusammenhang mit einer Präsentation über das iranische Atomprogramm hervorgehoben. „Merken Sie sich diesen Namen: Fachrisadeh“, sagte Netanjahu damals.

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US-Militär tötet hochrangigen iranischen General Soleimani bei Raketenangriff
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Durch einen Raketenangriff vonseiten der USA ist ein hochrangiger iranischer General getötet worden. Nun droht der Iran mit Vergeltung.  © AFP
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Irans Außenminister Sarid appellierte nun auf Twitter insbesondere an die Europäische Union, „ihre beschämenden Doppelstandards aufzugeben und diesen Akt des Staatsterrors zu verurteilen“.

Erzfeind Israel

Israel und der Iran sind Erzfeinde. Der Zerfall Israels und die „Befreiung Palästinas“ gehören zur außenpolitischen Doktrin der Islamischen Republik. Der jüdische Staat sieht sich durch den schiitischen Iran und sein Atomprogramm in seiner Existenz bedroht.

Jüngst hatte Irans oberster Führer Ajatollah Ali Chamenei Israel als „Geschwulst“ bezeichnet, das mit einem Dschihad (Heiliger Krieg) der Palästinenser entwurzelt und entfernt werden müsse.

Trump kündigte Iran-Abkommen auf

Unter Präsident Donald Trump hatten die USA ein internationales Abkommen, das den Iran am Bau einer Atombombe hindern soll, 2018 einseitig aufgekündigt und neue Sanktionen gegen die Regierung in Teheran verhängt.

Nach einer Frist von einem Jahr, in der Teheran die anderen Vertragspartner vergeblich zur Vertragseinhaltung drängte, hatte der Iran schrittweise ebenfalls fast alle Bestimmungen des Abkommens ignoriert. Ungewiss ist, ob die USA unter dem neugewählten Präsidenten Joe Biden zum Atomdeal zurückkehren könnten.

Im Sommer hatte es eine mysteriöse Brand- und Explosionsserie im Iran gegeben. Sie betraf unter anderem eine Atomanlage. Die Ursachen blieben meist unklar. Dies bot Raum für Spekulationen - auch über Israel als möglichen Urheber.

Viele Beobachter sahen in dem Anschlag auch einen Versuch Israels und der Regierung von US-Präsident Donald Trump, einen Neuanfang der Beziehungen zwischen Teheran und Washington zu torpedieren.

“Das war nicht nur ein Anschlag auf den Professor, sondern auf die bevorstehenden diplomatischen Bemühungen beider Länder nach der Amtsübernahme von Joe Biden”, twitterte der Politologe Mohsen Milani. Ähnlich sieht es auch die prominente iranische Journalistin Sahra Asghari. “Der Anschlag war der Preis, den der Iran für Trumps Wahlniederlage bezahlen musste.”

Die USA äußerten sich zunächst nicht zu der Ermordung. Präsident Trump leitete aber über seinen Twitter-Account unkommentiert einen Tweet des israelischen Journalisten Yossi Melman zum Tod Fachrisadehs weiter.

Darin schrieb Melman, Fachrisadeh sei der Leiter des geheimen iranischen Militärprogramms gewesen und seit Jahren vom israelischen Geheimdienst Mossad gesucht worden. Sein Tod sei ein schwerer Schlag für den Iran. Melman äußerte sich in einem weiteren Tweet „verwirrt“ über Trumps Retweet.

RND/dpa

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