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Seenotretter warnen: Immer mehr Minderjährige allein auf der Flucht

  • Unter den Mittelmeer-Flüchtlingen sind immer mehr Jugendliche unter 18 Jahren ohne Begleitung.
  • Derzeit sind nahezu alle Schiffe von Rettungsorganisationen nicht im Einsatz.
  • Sie fordern ein Ende der Zusammenarbeit der EU mit den Behörden in Libyen.
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Berlin. Die Seenotretter der Organisation SOS Mediterranee haben auf den hohen Anteil von unbegleiteten Migranten unter 18 Jahren aufmerksam gemacht.

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Seenotrettung: "Sea-Eye" mit weiterem Rettungsschiff fürs Mittelmeer
0:57 min
Die Seenotrettungsorganisation "Sea-Eye" will mit einem weiteren Schiff Menschen in Not helfen, die über das Mittelmeer europäisches Festland erreichen wollen.  © dpa

„Vor allem der Anteil der unbegleiteten Jugendlichen bei uns an Bord ist gestiegen, von 19 Prozent in 2016 auf 25 Prozent in 2020“, sagte die Sprecherin von SOS Mediterranee Deutschland, Petra Krischok. Die Organisation rettete nach eigenen Angaben in rund fünf Jahren fast 31 800 Menschen aus dem Mittelmeer. Davon waren etwa 7150 Minderjährige.

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Die Flucht ist dem Bericht zufolge für Jugendliche besonders gefährlich. Viele würden auf ihrem langen Weg Opfer von Gewalt oder Ausbeutung und hätten zu wenig zu Essen. Die hohe Sterblichkeit sei mit der großen Entfernung von bis zu 400 Kilometern zwischen der Küste Libyens und der Italiens zu erklären.

Rettungsschiffe derzeit nicht im Mittelmeer

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Die Behörden in Italien registrierten in diesem Jahr bislang rund 4270 unbegleitete Minderjährige unter den Bootsmigranten, wie aus einer am Montag veröffentlichten Statistik hervorging. Im gesamten Zeitraum des Vorjahres waren es demnach nur 1680.

Von 2016 bis 2018 war SOS Mediterranee mit der „Aquarius“ zur See gefahren, seit Juli 2019 mit der „Ocean Viking“. Derzeit sind jedoch beinahe alle Schiffe der verschiedenen Rettungsorganisationen im Mittelmeer nicht im Einsatz. Die „Ocean Viking“ werde seit Ende Juli auf Sizilien festgehalten, erklärte Krischok. „Es ist fast niemand vor Ort, der retten kann.“

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Die Organisation fordert deshalb eine staatliche europäische Seenotrettung und ein Ende der Zusammenarbeit mit den Behörden in Libyen. Die EU unterstützt mit Geld unter anderem die Ausbildung der Küstenwache in dem Bürgerkriegsland.

Diese brachte in diesem Jahr der Internationalen Organisation für Migration zufolge etwa 11.000 Bootsmigranten wieder nach Libyen zurück, wo ihnen Gewalt und Ausbeutung drohen.

RND/cle/dpa

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