Mit Kreativität aus der Krise

Zwischen den Spaziergängern ist ein kleiner Junge mit seinem elektrischen Polizeiauto am Mainufer im Sonnenschein unterwegs.

Zwischen den Spaziergängern ist ein kleiner Junge mit seinem elektrischen Polizeiauto am Mainufer im Sonnenschein unterwegs.

Berlin. Ein Virus hält sich nicht an Anordnungen, nicht an Terminpläne, auch nicht an Mehrheitsbeschlüsse. Schluss jetzt, genug angerichtet, könnte sonst die Kanzlerin sagen – und die Rückkehr zur Normalität anordnen. Schon jetzt gibt es ja genervte Familien und erschöpfte Ärzte, Schwestern und Pfleger.

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Aber so einfach ist die Corona-Krise nicht zu beenden. Die Zahl der Infizierten steigt weiter. Gesundheitsminister Jens Spahn beschreibt die Lage als “Ruhe vor dem Sturm”. Doch während das Drama noch gar nicht richtig begonnen hat, läuft inzwischen bereits eine ganz andere Debatte: die um eine Exit-Strategie.

Natürlich kann über Lockerungen geredet werden

Kanzleramtsminister Helge Braun, der oberste Krisenmanager der Regierung, kündigt an, als Erstes würden die Bedingungen für Jüngere gelockert werden. In der Regierung kursieren Strategiepapiere. Gesundheitsminister Spahn sagt, er werde um Ostern herum einen Plan vorlegen und plädiert für Handyüberwachungen. FDP-Chef Christian Lindner findet “die Situation unerträglich” und fordert: “Die Dauer sollte nur in Tagen und nicht in Monaten gerechnet werden.” Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann will die Wirtschaft nach Ostern wieder hochfahren lassen. Mediziner wie der Virologe Alexander Kekulé präsentieren Stufenpläne mit Maskierungsgebot für alle, Schnelltests (die es noch nicht gibt) und anhaltendem Verbot von Massenveranstaltungen.

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Natürlich kann über die Lockerung der Maßnahmen gesprochen werden. Es sollte sogar darüber diskutiert werden, welche Möglichkeiten es gibt, von der zumindest weitgehenden Stilllegung des Landes in den Neuaufbruch zu starten. Nur darf damit nicht die Erwartung verbunden werden, dass sich die Lage sofort oder demnächst wieder entspannt.

Unsicherheit setzt bei manchen Kreativität frei. Für die meisten allerdings ist sie beunruhigend, vor allem, wenn gleichzeitig so viele Gewissheiten und Gewohnheiten über Bord gehen. Wenn Gesundheit, wirtschaftliche Existenz und darüber hinaus das Funktionieren des gesamten Staates infrage stehen, wenn es zu Hause eng wird und Zukunftssorgen dazukommen, ist es so eine Sache mit der Geduld.

Da ist es absolut sinnvoll, zumindest eine Art Orientierung anzubieten. Dazu gehört es, eine mögliche Zuspitzung der Krise nachzuzeichnen und Gegenmaßnahmen zu skizzieren. Aber es gehört auch dazu, Szenarien für einen Ausstieg zu formulieren und die Bedingungen zu diskutieren, unter denen sie greifen können.

Der Schutz vor Ansteckung muss darin eine Rolle spielen, die Versorgung der Kranken, die Funktionsfähigkeit der Wirtschaft, die psychologischen Auswirkungen von Kontaktsperren und vieles mehr.

Die Gefahr besteht in der Absolutheit

Es sind schwierige Abwägungsprozesse, zwischen Freiheit und dem Schutz von Leben, zwischen Eigenverantwortung und staatlichem Eingriff, zwischen Risikobereitschaft und Fahrlässigkeit, Kontrollwahn und Umsicht.

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Die Gefahr besteht dabei in der Absolutheit. Wirtschaftsleistung gegen Menschenleben? Suizide gegen Virusopfer? Solche Aufrechnungen führen zu nichts. Der Scheinwerfer darf sich nicht nur auf eine kleine furchtbare Ecke des Bildes richten, er muss die gesamte Szenerie beleuchten.

Es muss darin Ausstiegsszenarien geben, weil es gut ist, Hoffnung haben zu können. Weil es wichtig ist, vorbereitet zu sein. Weil öffentliche Debatten über den richtigen Weg, über das Nötige, Unnötige und Unmögliche, besser sind als Ad-hoc-Verfügungen der Regierung.

Sicher ist dabei eines: Mit dem Coronavirus lassen sich keine Zeitpläne vereinbaren. Das Virus orientiert sich nicht an Ostern. Es muss eine oder besser auch mehrere Exit-Strategien geben. Ein Wettlauf um den frühesten Termin wäre unangemessen.


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