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Migration: Die Menschenschmuggler suchen neue Routen nach Europa

Flucht über das Mittelmeer: In diesem Jahr ist die Zahl der in Italien ankommenden Migrantinnen und Migranten deutlich gestiegen (Symbolfoto).

Athen. Am Dienstagabend erhielt die griechische Küstenwache einen Notruf von einem Flüchtlingsschiff, das nach einem Motorschaden manövrierunfähig in der See trieb. Als Patrouillenboote der Küstenwache an der Unglücksstelle eintrafen, war das Schiff bereits gesunken. Zwölf Menschen, die sich an Bord eines Beiboots gerettet hatten, konnten geborgen werden. Es soll sich um Iraker und Syrer handeln. Sie wurden zur Insel Santorin gebracht.

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Einige Gerettete berichteten, an Bord des Schiffes hätten sich 32 Menschen befunden. Ein Überlebender sprach sogar von 50 Passagieren. Die Leiche eines Mannes wurde aus dem Meer geborgen. Am Mittwoch setzte die Küstenwache die Suche mit vier Schiffen fort. An der Suchaktion waren auch zwei Hubschrauber, eine Hercules-Transportmaschine der griechischen Luftstreitkräfte sowie mehrere vorbeifahrende Frachtschiffe beteiligt. Die Hoffnung, weitere Überlebende zu bergen, war aber gering.

Keine typische Route der Schleuser

Der Untergang zeigt einmal mehr: Die kriminellen Schleuserorganisationen, die mit dem Menschenschmuggel Unsummen verdienen, suchen neue Routen und setzen die Migranten immer größeren Risiken aus. Der Unglücksort bei der Kykladeninsel Folegandros liegt weitab der traditionellen Schleuserrouten. Sie führen von der türkischen Küste zu nahegelegenen griechischen Inseln wie Lesbos, Samos, Chios oder Kos. Für die Überfahrten werden meist Schlauchboote eingesetzt.

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Seit einiger Zeit ist aber zu beobachten, dass die Schleuser Migrantinnen und Migranten von der Türkei direkt nach Italien bringen. Die Menschenschmuggler reagieren damit offenbar auf die verschärften Maßnahmen Griechenlands zur Sicherung seiner Seegrenze. Auch versuchen sie damit die Aufnahmelager auf den griechischen Inseln zu umgehen, in denen neu ankommende Migranten lange festsitzen.

Zahl der Migranten hat sich verdreifacht

Während die Zahl der in Griechenland registrierten irregulären Migranten in den ersten elf Monaten dieses Jahres gegenüber 2020 um 44 Prozent zurückging, meldet Italien immer mehr Ankünfte auf dem Seeweg. Hauptziele sind Sizilien, wo in diesem Jahr bereits über 60.000 Migranten eintrafen, und Kalabrien an der Spitze des italienischen Stiefels. Dort hat sich die Zahl der ankommenden Migranten von Januar bis Mitte November gegenüber dem Vorjahr verdreifacht.

Für die Überfahrten setzen die Schleuser alte Frachter, aber auch Segeljachten ein. Ende Oktober rettete die griechische Küstenwache östlich von Kreta fast 400 Migranten von einem in Seenot geratenen Frachtschiff. Anfang September entdeckte die Küstenwache vor der Insel Milos 122 Migranten zusammengepfercht an Bord einer großen Segeljacht.

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Experten schätzen, dass in manchen Wochen Dutzende Jachten mit Migrantinnen und Migranten zwischen der Türkei und Italien unterwegs sind. Die Boote landen in Italien auf Schiffsfriedhöfen. Für die Schleuser lohnt sich das Geschäft trotzdem. Sie kassieren pro Passagier etwa 8000 bis 10.000 Euro für die Reise. Kinder zahlen die Hälfte. Pro Überfahrt kann so bis zu eine Million Euro zusammenkommen.

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