Migranten fürchten sich vor der „Route des Todes“

Tausende Menschen ziehen durch Mexiko in Richtung Norden. Migranten berichten, ihnen soll eine Route durch den Staat Veracruz nahe gelegt worden sein. Dort hatten die Behörden jedoch jüngst die Überreste von mindestens 174 Menschen in Massengräbern entdeckt.

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Isla. Aus den Reihen eines Flüchtlingsmarschs durch Mexiko in Richtung USA ist Kritik an den Behörden laut geworden. Mexikanische Beamte hätten ihnen geraten, in nördlicher Richtung durch den Staat Veracruz zu ziehen, erklärte eine Gruppe am Samstag in einer Stellungnahme. Dies sei jedoch „die Route des Todes“.

Einige Migranten hätten auf eigene Faust die Gruppe von rund 4.000 Menschen verlassen, in dem Glauben, sie seien in der Nähe von Puebla und Mexiko-Stadt, hieß es weiter. Dort wollten sie nach drei Wochen auf der Straße ausruhen und medizinische Hilfe suchen. In Veracruz verschwanden in den vergangenen Jahren Hunderte Migranten. Sie wurden Opfer von Entführern, die Lösegeld erpressen wollen.

Die Behörden in Veracruz erklärten im September, sie hätten die Überreste von mindestens 174 Menschen in Massengräbern entdeckt. Sicherheitsexperten äußerten jedoch Zweifel, ob es sich bei den Toten um Migranten handelte.

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Der Gouverneur des Staates, Miguel Angel Yunes, zog am Freitag ein Angebot zurück, die Migranten mit Bussen in die Hauptstadt zu bringen. Weil die Wasserversorgung in der Hauptstadt repariert werde, sollten die Migranten am Wochenende nicht dorthin gebracht werden, sagte er zur Begründung.

Wegen der Reparatur in Mexiko-Stadt sind dort Yunes zufolge etwa sieben Millionen Einwohner ohne Wasser. Die Aktion war allerdings seit Wochen bekannt. Die Migranten reagierten enttäuscht. „Die spielen mit unserer Würde“, sagte der 20-jährige Gerardo Perez. „Wenn Sie nur die Glückseligkeit der Leute gestern Abend gesehen hätten, als sie uns gesagt haben, dass wir mit dem Bus fahren würden. - Und heute fahren wir nicht.“ Die 36 Jahre alte Saira Cabrera sagte: „Die Menschen sind durchgeknallt und verwirrt.“ Sie selbst war mit dem Ehemann und zwei Kindern im Alter von sieben und 13 Jahren auf dem Weg nach Norden.

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Viele rasteten in den Städten Juan Rodríguez Clara, Veracruz und Isla. Anderen gelang es, per Anhalter bis Tierra Blanca noch weiter nördlich durchzukommen.

Drei Migrantenzüge mit mehr als 6000 Menschen

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Die Migranten stammen größtenteils aus El Salvador, Honduras und Guatemala und wollen in die USA. Deren Präsident Donald Trump hat Migranten als Gefahr dargestellt und Tausende Soldaten an die US-Südgrenze beordert.

Mexiko hat es mittlerweile mit drei Migrantenzügen zu tun. Sie bestehen aus insgesamt mehr als 6000 Personen und sind in den Staaten Chiapas, Oaxaca und Veracruz unterwegs. Die erste Gruppe kam vor gut zwei Wochen nach Mexiko und umfasst noch etwa 4000 Menschen. Die zweite Karawane besteht aus 1000 bis 1500 Menschen und marschierte durch Chiapas. Weitere 300 Personen waren in einer dritten Gruppe an der Golfküste des Staates Veracruz angelangt.

Nach Angaben des mexikanischen Innenministeriums haben aus der ersten Gruppe etwa 3000 Menschen Asyl in Mexiko beantragt. Hunderte ziehen wieder zurück in die Heimat.

Von RND/AP/dpa/ngo