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Die neuen Wege der Schleuser – per Flug und gefälschten Pässen nach Deutschland

Echt oder gefälscht? Zahlreiche Flüchtlinge kamen offenbar ohne Probleme mit gefälschten Pässen durch die Kontrollen.

Berlin. Die drei Jugendlichen glaubten, es schon geschafft zu haben, als ihr Flieger aus Griechenland am Samstagabend auf dem Flughafen Leipzig/Halle landete. Doch beim Aussteigen liefen sie einer Streife der Bundespolizei in die Arme. Die japanischen Reisepässe des Trios stellten sich schnell als Fälschungen heraus. Bei den drei Minderjährigen handelte es sich um Afghanen.

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Kein Einzelfall: Immer häufiger versuchen Migranten, mit gefälschten Reisedokumenten aus Griechenland in andere EU-Länder zu fliegen, vor allem nach Deutschland. Die Schleuser, die diese Reisen organisieren, wählen oft kleinere Airports als Ausgangs- und Zielflughäfen, in der Hoffnung auf laxere Kontrollen. Allein auf dem griechischen Provinzflughafen Kalamata wurden in den vergangenen vier Wochen etwa 60 Migranten bei dem Versuch erwischt, mit gestohlenen oder gefälschten Ausweisen auszureisen. In Heraklion auf Kreta griff die griechische Polizei zwischen dem 10. und 16. August ebenfalls 60 Migranten mit gefälschten Pässen auf. Die 44 Männer und 16 Frauen hatten Tickets für Ferienflieger nach Deutschland, Österreich und in andere EU-Staaten.

Schleuser versuchen es immer häufiger über den Luftweg

Nach Angaben der UNO-Flüchtlingsagentur UNHCR sitzen rund 122.000 Kriegsflüchtlinge und Wirtschaftsmigranten in Griechenland fest, viele schon seit der Schließung der Balkanroute im Frühjahr 2016. Die meisten wollen weiter in andere EU-Staaten, vor allem nach Deutschland. Schleuser organisieren die Reise. Erfolg können allerdings auch sie nicht garantieren. Vergangenen Mittwoch stoppte die nordmazedonische Polizei bei der Stadt Demir Kapija einen verdächtigen Lastwagen. Im Laderaum waren 103 Migranten eingepfercht, darunter 29 Kinder. Die meisten waren Pakistaner. Sie kamen aus Griechenland und waren unterwegs nach Österreich. Am gleichen Tag entdeckte eine Polizeistreife nahe dem Dorf Vaksince nahe der Grenze zu Serbien in einem Lastwagen weitere 45 Migranten aus Syrien, Bangladesch, Somalia, Pakistan und den palästinensischen Autonomiegebieten. Im Juli meldete die nordmazedonische Polizei die Festnahme von 567 Migranten, die aus Griechenland kamen und illegal durch das Land reisen wollten.

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Seit Griechenland nach einer dreimonatigen Corona-Zwangspause seine Flughäfen wieder geöffnet hat, versuchen die Schleuser immer häufiger, Migranten auf dem Luftweg außer Landes zu bringen. Allein in der ersten Augustwoche fasste die Polizei auf den Flughäfen von Heraklion und Chania auf Kreta 63 Passagiere mit gefälschten Ausweisen. Die Schleuser, die am Athener Viktoria-Platz und in der Nähe des Omonia-Platzes ihre Dienste anbieten, besorgen nicht nur die Flugtickets, sondern auch die Reisedokumente. Je nach Qualität der Fälschung kosten sie zwischen 500 und 3000 Euro.

Bundespolizisten in Zivil in Athen im Einsatz

In jüngster Zeit benutzen die Menschenschmuggler zunehmend Provinzflughäfen wie Kalamata, Aktio oder Araxos. Billigflieger verbinden diese Airports mit Zielen in Deutschland, Italien, den Niederlanden, Skandinavien und Großbritannien. Die Schleuser setzen darauf, dass die Kontrollen auf diesen kleinen Airports weniger scharf sind als etwa in Athen. Die zahlreichen Aufgriffe scheinen das aber nicht unbedingt zu bestätigen. Seit Mitte Juli fasste die Polizei allein auf den Flughäfen Kefalonia, Zakynthos, Kalamata, Aktio, Korfu und Araxos 260 Passagiere mit gefälschten Reisedokumenten. Trotz der Kontrollen schaffen es aber immer wieder Migranten, mit gefälschten Papieren an Bord der Flugzeuge – wie der jüngste Fall aus Halle/Leipzig vom vergangenen Samstag zeigt.

Auf dem Hauptstadtflughafen Athen sind im Terminalbereich B, wo die Flüge nach Deutschland abgehen, neben der griechischen Polizei auch Beamte der Bundespolizei in Zivil im Einsatz. Die auf gefälschte Reisedokumente spezialisierten Beamten dürfen zwar selbst nicht kontrollieren, mustern aber am Gate die Reisenden und machen ihre griechischen Kollegen auf Verdachtsfälle aufmerksam. Wer erwischt wird, verliert die teuer bezahlten Papiere, kommt aber schnell wieder auf freien Fuß – und kann es erneut versuchen.

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Manche Migranten beweisen Einfallsreichtum: Kürzlich nahm die Polizei am Athener Flughafen zwölf Reisende fest, die sich als Handballmannschaft verkleidet hatten. Die aus Afghanistan stammenden jungen Männer, die zur Tarnung sogar mehrere Bälle dabei hatten, wollten mit gefälschten bulgarischen Pässen nach Wien fliegen. Eine Überprüfung ergab, dass der Sportverein, für den sie angeblich spielten, gar nicht existierte.

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