Michael Bloomberg - ein Milliardär als Panikmelder

  • Der ehemalige New-Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg deutet überraschend eine mögliche Präsidentschaftskandidatur an.
  • Eigentlich hatte der milliardenschwere Geschäftsmann im März bereits verzichtet.
  • Seine Kandidatur wäre ein Misstrauensvotum gegen Joe Biden, kommentiert Karl Doemens
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Washington. Eigentlich mangelt es nicht an Bewerbern: Rekordverdächtige 26 Frauen und Männer haben sich um die demokratische Präsidentschaftskandidatur bemüht. 17 von ihnen sind drei Monate vor den wichtigen Vorwahlen in Iowa immer noch im Rennen. Insofern mag es überraschen, wenn nun der Auftritt eines weiteren potentiellen Trump-Herausforderers für gewaltigen politischen Wirbel sorgt.

Doch der ehemalige New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg ist nicht irgendein Spinner, der vom Weißen Haus träumt. Der erfolgreiche Unternehmer verfügt über beste Kontakte ins politische Establishment, genießt Ansehen weit über die Parteigrenzen hinaus und verfügt als einer der reichsten Männer der Welt über beinahe unbegrenzte finanzielle Mittel für eine mögliche Kampagne.

Kandidatur erklärt: Kamala Harris, 54 Jahre alt. Senatorin in Kalifornien und ehemalige Top-Juristin. Ist als Kritikerin von Trumps harter Einwanderungspolitik bekannt – ihre Chancen stehen nicht schlecht.
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Immer mehr Demokraten zweifeln, dass ihre Spitzenbewerber Trump schlagen können

Vor allem aber ist Bloombergs Auftritt ein Alarmsignal. Zwar hat sich mit dem moderaten Ex-Vizepräsident Joe Biden, der linken Senatorin Elizabeth Warren und dem noch linkeren Senator Bernie Sanders ein solides Spitzentrio im Bewerberfeld herausgebildet. Doch immer größer werden die Zweifel vieler Demokraten, ob einer dieser Politiker den Amtsinhaber Trump tatsächlich schlagen kann. Biden genießt große Sympathien, wirkt aber zunehmend alt und kraftlos. Warren und Sanders punkten bei den Linksintellektuellen an den Küsten, würden aber viele strukturkonservative Wähler in den wichtigen Swing-States verschrecken.

Offenbar hält Bloomberg die Defizite der Demokraten inzwischen für dramatisch. Noch im März hatte er eine Kandidatur abgelehnt. Tritt er an, wäre das ein offenes Misstrauensvotum gegen Biden, mit dem er um die Wähler der Mitte streitet. Der späte Wettbewerber würde das demokratische Kandidatenfeld gewaltig aufmischen. Er kann auf seinen langjährigen Einsatz für den Umweltschutz und seinen Kampf für strengere Waffengesetze verweisen. Ob jedoch ein 77-jähriger Multi-Milliardär die Parteibasis tatsächlich für sich begeistern könnte, steht auf einem anderen Blatt.