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  • Me Too erreicht Politik in Griechenland: Rücktrittsforderungen an Kulturministerin Mendoni

Vorwürfe über sexuellen Missbrauch: #MeToo erreicht griechische Politik

  • Der frühere Intendant des griechischen Nationaltheaters, Dimitris Lignadis, ist mit Vergewaltigungsvorwürfen konfrontiert.
  • Die Opposition wirft Kulturministerin Lina Mendoni vor, den Fall vertuscht zu haben, und fordert ihren Rücktritt.
  • Damit bekommt die aktuelle griechische #MeToo-Debatte eine brisante politische Dimension.
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Athen. Ein Großaufgebot an Fotoreportern und Fernsehteams wartete am Donnerstag vor dem Athener Gerichtsgebäude, als der frühere künstlerische Direktor des griechischen Nationaltheaters in Handschellen zum Verhör vor dem Untersuchungsrichter gebracht wurde. Dem 56-jährigen Schauspieler und Regisseur Dimitris Lignadis wird von mindestens zwei Männern vorgeworfen, er habe sie vergewaltigt, als sie noch minderjährig waren. Seit dem vergangenen Sonntag sitzt der prominente Künstler in Untersuchungshaft. Sein Anwalt spricht von „primitiv fabrizierten Vorwürfen”. Auch der Beschuldigte selbst, der Anfang Februar das Amt des Intendanten niederlegte, bestreitet die Anschuldigungen.

Die Vorwürfe gegen den früheren Theaterchef sind der vorläufige Höhepunkt in einer Welle von Enthüllungen, die seit Jahresbeginn in Griechenland fast täglich neue Schlagzeilen macht. Ausgelöst wurde sie im Januar von der bekannten Segelolympiasiegerin Sofia Bekatorou. Sie beschuldigte einen hohen Funktionär des Segelverbandes, er habe sie 1998 in einem Hotelzimmer sexuell belästigt. Nach Bekatorou meldeten sich Dutzende Frauen und Männer mit Missbrauchsvorwürfen zu Wort, vor allem aus dem griechischen Sport, dem Kulturbetrieb und der Unterhaltungsbranche. Damit hat die 2017 in den USA gestartete Me-Too-Bewegung jetzt auch Griechenland erreicht.

Kulturministerin Mendoni nahm Intendanten in Schutz

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Mit dem Fall des früheren Intendanten bekommen die Missbrauchsvorwürfe eine politische Dimension. Die konservative Kulturministerin Lina Mendoni hatte den bekannten Regisseur 2019 an die Spitze des Nationaltheaters berufen, ohne die Stelle auszuschreiben. Als die Vorwürfe publik wurden, nahm Mendoni Lignadis in Schutz: Es gebe „keine offizielle Beschwerde” gegen ihn. Die linke Oppositionspartei Syriza und oppositionsnahe Medien werfen der Regierung vor, sie habe die Affäre zu vertuschen versucht. Inzwischen erklärt die Kulturministerin, sie sei „von dem hervorragenden Schauspieler getäuscht” worden, der frühere Intendant sei „ein sehr gefährlicher Mensch”.

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Am Donnerstag beschäftige sich das Parlament mit dem Fall. Oppositionsführer Alexis Tsipras forderte in der scharf geführten Debatte die Entlassung der Kulturministerin. Premier Kyriakos Mitsotakis verteidigte die Ministerin und warf der Opposition vor, sie missbrauche die Me-Too-Bewegung für „vulgären Populismus” und „politische Instrumentalisierung”. Der Ministerpräsident kündigte eine striktere Strafverfolgung von sexuellem Missbrauch an. So sollen die Verjährungsfristen verlängert und solche Fälle von den Gerichten mit Vorrang behandelt werden. Die Regierung will außerdem ein Internetportal einrichten, in dem sich Missbrauchsopfer melden können.

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