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Metall-Tarifrunde 2020: Ein Fenster der Gelegenheit für Vernunft

  • In der Tarifrunde für die rund vier Millionen Beschäftigten der deutschen Metall- und Elektroindustrie drücken die Verhandlungspartner aufs Tempo.
  • Allerdings verzichtet die IG Metall auf eine Lohnforderung.
  • Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen, kommentiert Rasmus Buchsteiner.
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Berlin. Normalerweise ist es ja so in der Metall- und Elektroindustrie: Das Drehbuch für die Tarifrunden liegt frühzeitig in der Schublade, alle möglichen und unmöglichen Eskalationsstufen sind bereits vorempfunden. Rote Fahnen und Trillerpfeifen sind in ausreichender Zahl vorhanden. Auch die Arbeitgeberseite ist vorbereitet, verfügt über genügend Textbausteine, die sich mit dem Brustton der Empörung vortragen lassen, sobald die Gewerkschaft ihre – wie immer – viel zu hohe Lohnforderung vorgetragen hat.

Die Lage muss schon sehr mies sein, und die Perspektive für die nächsten Monate noch mieser, damit es Tarifpartnern gelingt, ohne die üblichen Spielchen auszukommen. Was sich gerade in Deutschlands Vorzeigebranche, der Metall- und Elektroindustrie, abspielt, lässt aufmerken.

Die notwendige Atempause

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Die Gewerkschaft verzichtet nicht nur auf Muskelspielereien, sondern – zunächst – auch auf eine Tarifforderung. Am Ende wäre annähernder Inflationsausgleich für sie wohl schon ein Erfolg. Die Arbeitgeber hingegen sehen keine Chance, Beschäftigungssicherung mit Wirkung fürs ganze Land zu versprechen. Aber sie zeigen sich konstruktiv, was die notwendigen Gespräche auf betrieblicher Ebene angeht. Immerhin!

Mag es die IG Metall in der letzten Tarifrunde mit ihrem Kurs übertrieben und den Arbeitgebern womöglich ein Stück zu viel abverlangt haben, hat sie nun die Zeichen der Zeit erkannt. Sie ermöglicht die notwendige Atempause: Zeit, um innezuhalten, die regional sehr unterschiedliche Entwicklung sorgsam zu analysieren. Zeit zum Sondieren und Prüfen.

Das ist die richtige Antwort auf eine Krise, die nicht allein konjunkturelle, sondern auch jede Menge strukturelle Gründe hat. Der Wandel in der Industrie – Stichwort Digitalisierung, Stichwort Klimaschutz – erfordert nicht nur völlig andere Produkte und Produktionsweisen, sondern auch völlig andere Profile in der Arbeitnehmerschaft. In dieser Tarifrunde öffnet sich ein Fenster der Gelegenheit, die Sicherung von Jobs mit einer überfälligen Qualifizierungsoffensive zu verbinden.

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