Merz’ cleverer Flirt mit den Grünen

  • Friedrich Merz bringt sich als Kanzler eines schwarz-grünen Bündnisses ins Spiel.
  • Das ist überraschend, folgt aus Sicht des Politikers aber einer gewissen Logik, kommentiert Christian Burmeister.
  • Denn jeder künftige CDU-Vorsitzende muss sich “anschlussfähig” Richtung Ökopartei zeigen.
|
Anzeige
Anzeige

Berlin. So richtig gut sieht es für die drei Möchtegern-Kanzlerkandidaten in der CDU momentan nicht aus. Vor allem Markus Söder (CSU) stiehlt Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen immer mehr die Show. Das schlägt sich inzwischen auch in Umfragen nieder. Söder kann zwar nicht CDU-Vorsitzender werden, sehr wohl aber Kanzlerkandidat der Union.

Während Röttgen von vorneherein als Außenseiter ins Rennen um den CDU-Vorsitz geht, droht Laschets Ruf im Corona-Strudel zu leiden. Das scheint Merz zur Profilierung nutzen zu wollen: Er bringt sich selbst als Kanzler einer schwarz-grünen Koalition ins Spiel. Ausgerechnet der konservativste Kandidat mit den eher linken Grünen? Könnte das wirklich gut gehen? Seine politischen Gegner würden ihn eher mit der AfD in Verbindung bringen.

Schwarz-Grün als Alternative zur GroKo

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Gerade deshalb ist der Vorstoß clever. Aber nicht nur deshalb: Denn nach der nächsten Bundestagswahl könnte angesichts einer schwächelnden FDP eine schwarz-grüne Koalition die einzige stabile Alternative zu einer weiteren großen Koalition sein. Ein CDU-Vorsitzender muss sich in Richtung Grüne also “anschlussfähig” zeigen. Da hat Merz sicher noch Nachholbedarf. Dabei bleibt die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie eine der zentralen Zukunftsaufgaben von Politik.

Anzeige

Außerdem hat sich Söder im Laufe seiner Karriere von einem “Grünen-Fresser” zu einem Politiker gewandelt, der seine ökologische Seite gerne nach außen kehrt. Will Merz also gegenüber dem Bayern nicht altbacken wirken und ihn gegebenenfalls eines Tages in der “K-Frage” schlagen, muss er es ähnlich halten. Natürlich wird Merz seinen Flirt mit der Ökopartei schon bald mit konkreten Inhalten untermauern müssen, will er in diesem Punkt glaubwürdig sein.

Die Grünen schließen eine Koalition unter der Führung von Merz ausdrücklich nicht aus. Aber nur, um an Posten zu kommen, könnten und würden sie ihn im Bundestag wohl kaum zum Kanzler wählen.






“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen