Merkels Abschied und Spahns letztes Mal

  • Angela Merkels letzte MPK hat deutlich Verschärfungen für Ungeimpfte gebracht.
  • Ohne Überraschungen verlief auch der Zapfenstreich für die Kanzlerin.
  • Heute heißt es zudem Abschiednehmen von einer echten Corona-Tradition.
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Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,

wenn normale Leute den Job wechseln, sind die letzten Tage im alten Büro eher unspektakulär: Zum letzten Mal den Schreibtisch aufräumen, Abschiedsmail formulieren, dann überpünktlich in den Feierabend gehen. Der Abgang von Angela ist schon von Amts wegen anders, die Umstände haben gestern zudem dazu geführt, dass sie noch vor ihrem ehrenhaften Abschied als Kanzlerin weitreichende Entscheidungen in einem der wichtigsten Pandemiemomente organisieren musste.

Weitgehende 2G-Regeln im öffentlichen Leben, starke Kontaktbeschränkungen für Ungeimpfte und ein Böllerverbot an Silvester, das sind drei Beschlüsse, die auf Merkels nun wirklich letzter Ministerpräsidentenkonferenz gefallen sind. Als „Akt nationaler Solidarität“ verkündeten Kanzlerin, Länderchefinnen und Länderchefs die neuen Mindestregeln – wo nötig, können sie noch strenger ausfallen. So oder so werden Weihnachten und Silvester für Ungeimpfte ungemütliche Feste.

Und danach: Zapfenstreich. Die Playlist der Kanzlerin dürfte dem Bundeswehr­orchester gleichermaßen Freude und Kopfzerbrechen bereitet haben. Dass die Militärmusiker auch Nina Hagens „Du hast den Farbfilm vergessen“ spielen durften, erklärte Merkel so: Der Song sei ein Highlight ihrer Jugend gewesen. Ergriffen wirkte die Kanzlerin bei ihrem Abschied allemal, die Tränen aber kommen ihr nicht. In ihrer Rede ruft Merkel zur Verteidigung der Demokratie gegen Hass, Gewalt und Falschinformation auf. Und ganz zum Schluss nimmt sie sich eine Rose – und geht mit einem Lächeln.

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Großer Zapfenstreich: Abschied für Angela Merkel
3:03 min
Beim Großen Zapfenstreich handelt es sich um die formelle Verabschiedung der Bundeswehr von der Kanzlerin.  © Reuters

Wenn sich in 30 oder 40 Jahren Merkels Nachnachnachfolger oder ‑folgerin an die Highlights der Jugend erinnert, dürften die vergangenen zwei Jahre vermutlich nicht dazu gehören. Zu viel läuft immer noch schief an den Schulen – verwirrende Regeln, fehlende Luftfilter und uneinsichtige Eltern: Schön ist das nicht.

Ein Lehrer gibt uns heute einen tiefen Einblick in seinen Alltag. Sein Protokoll beginnt mit einem positiven Corona-Test und endet mit einer bitteren Bilanz: „Ich denke an die Eltern der Kinder, die in der Schule immer noch nicht richtig ihre Maske tragen und ständig ermahnt werden müssen. (…) Ich denke an die Landesregierung, die mich im Stich gelassen hat.“

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Mit dem Ende der Regierung Merkel müssen wir uns auch von anderen Gewohnheiten trennen. Zu einem normalen Nachrichtenfreitag gehörten für uns seit einiger Zeit die Auftritte von Jens Spahn und Lothar Wieler vor der Bundespresse­konferenz. Seit Beginn der Pandemie bildeten sie das Traumduo des Mahnens und Warnens.

Zum vermutlich letzten Mal werden sie heute um 10 Uhr gemeinsam vor die Hauptstadtpresse treten. Wir werden live berichten und fragen uns immer noch: Wer wird eigentlich an Spahns Stelle das Gesundheits­ministerium führen und uns künftig an Wielers Seite ins Wochenende begleiten? „Der omnipräsente Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach gilt zwar fachlich als kompetent“, schreibt Tim Szent-Ivanyi. Allerdings dürfte aus Sicht von Olaf Scholz vieles dagegensprechen, ihn zu nominieren.

Zur Sicherheit sollte er sich aber vielleicht schon mal den Freitagvormittag frei halten. Man weiß ja nie.

Zitat des Tages

Ich will nicht behaupten, dass ich nie etwas falsch gemacht habe. Ich bin weder ein Heiliger noch ein Verbrecher.

Sebastian Kurz, ehemaliger Bundeskanzler Österreichs, verabschiedet sich aus der Politik.

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Lavabomben, Lavaströme, Erdbeben und Aschewolken: All das bekommt Vulkanologe Harri Geiger (34) von der Universität Freiburg gerade hautnah mit. Er ist für eine Forschungsreise auf La Palma. Die Hoffnung: Mittels Lavaproben ein besseres Verständnis der unterirdischen Magmakammern erlangen. Denn nur damit kann der Verlauf von Vulkanausbrüchen in Zukunft besser vorhergesagt werden, berichtet er im Interview.

Mit Pfeil und Fakten: In der Comedyserie „Die Wespe“ spielt Ulrich Noethen einen ehemaligen Dartsprofi und hat das richtige Händchen. Im Interview mit dem RND verrät er, dass ihm der Dartssport anfangs etwas befremdlich war und kritisiert Dummheit und Hass in sozialen Medien. „Was früher ein No-Go war, scheint inzwischen Normalität geworden zu sein“, sagt Noethen.

Aus unserem Netzwerk: Viele Verstöße in Leipzig

Ordnungsamt und Polizei kontrollieren in Leipzig die Einhaltung der Corona-Regeln. Bisher haben sie schon 20 Lokale in Leipzig wegen Verstößen geschlossen, berichtet die „Leipziger Volkszeitung“.

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11 Uhr: Die Gesellschaft für deutsche Sprache veröffentlicht das Wort des Jahres 2021.

Am Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung stehen die Belange und Leistungen von Menschen mit Handicaps im Fokus.

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Ischgl will heute in die Wintersaison starten. Vor knapp zwei Jahren war der Ort in den Alpen einer der ersten Corona-Hotspots in Europa. © Quelle: Felix Hörhager/dpa

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