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Merkel nach Astrazeneca-Entscheidung: „Wir müssen den Impfstoffen vertrauen können“

  • Bund und Länder haben am Dienstagabend bestimmt, dass der Astrazeneca-Impfstoff nur noch Menschen über 60 Jahren verimpft werden soll.
  • Sie folgen damit einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission.
  • „Offenheit und Transparenz sind die beste Möglichkeit, mit so einer Situation umzugehen“, sagte Bundeskanzlerin Merkel anschließend.
Tobias Dinkelborg
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Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die geänderte Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) zur Verwendung des Corona-Vakzins von Astrazeneca verteidigt. „Wir müssen den Impfstoffen vertrauen können“, sagte Merkel nach den Beratungen mit Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder am Dienstagabend in Berlin. „Vertrauen entsteht aus dem Wissen, dass jedem Verdacht, jedem Einzelfall nachgegangen wird.“

Aus ihrer Sicht sei die nun getroffene Entscheidung, das Astrazeneca-Vakzin nur noch an über 60-Jährige zu verimpfen, genau die richtige. „Womit wird das Vertrauen mehr erschüttert?“, fragte sie und ergänzte: „Alles unter den Teppich zu kehren – oder damit, dass die Stiko nicht ernst nimmt, was sie weiß?“ Die nun entstandene Verunsicherung könne sie zwar nicht wegreden. Aber: „Offenheit und Transparenz sind die beste Möglichkeit, mit so einer Situation umzugehen.“

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Gesundheitsminister Spahn ergänzte, die Entscheidung sei „ohne Frage ein Rückschlag“. Sie ändere „aber nichts an der hohen Wirksamkeit des Impfstoffes“. Jeder unter 60-Jährige könne nun selbst mit seinem Arzt abwägen, ob er sich trotzdem mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen möchte. „Impfen ist fast immer die bessere Entscheidung“, sagte Spahn.

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Die Kanzlerin lenkte den Blick noch einmal auf die Gesamtsituation. „Wir stehen nicht vor der Frage: Astrazeneca oder keinen Impfstoff“, sagte sie. „Sondern wir haben verschiedene Impfstoffe zur Verfügung.“ Das sei ein „großes Glück und eine gewaltige Leistung der Wissenschaft“.

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Astrazeneca: Forscher sieht möglichen Grund für Thrombosen
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Ein Wissenschaftler hält einen bestimmten Mechanismus für die Ursache der möglichen Thrombose-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung.  © TNN-Videoservice/dpa

Unter 60-Jährige können sich nach Absprache weiterhin mit Astrazeneca impfen lassen

Und Spahn wies darauf hin, dass die Entscheidung nun dazu führe, dass alle über 60-Jährigen schneller geimpft werden könnten. „Deshalb kann ich alle über 60-Jährigen nur ausdrücklich bitten, dieses Impfangebot wahrzunehmen.“

Einige Bundesländer – darunter Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen – hatten am Nachmittag einen teilweisen Stopp von Astrazeneca-Impfungen angeordnet. Wenig später teilte die Stiko mit, das Corona-Vakzin nur noch für Menschen ab 60 Jahren zu empfehlen.

Als Grund nannte sie das Auftreten „seltener, aber sehr schwerer thromboembolischer Nebenwirkungen“ beim Impfstoff von Astrazeneca, die vier bis 16 Tage nach der Impfung ganz überwiegende bei Geimpften in der Altersgruppe unter 60 aufgetreten seien.

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Unter 60-Jährige aus den Priorisierungsgruppen ein und zwei sollen sich „nach ärztlichem Ermessen und bei individueller Risikoanalyse nach sorgfältiger Aufklärung“ allerdings weiterhin mit dem Vakzin impfen lassen können.

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