Sind Sie bereits Abonnent? Hier anmelden

Comeback der Klimakanzlerin: Merkel wirbt bei Klimadialog für weltweite CO₂-Bepreisung

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt am digitalen Petersberger Klimadialog teil.

Bundeskanzlerin Angela Merkel nimmt am digitalen Petersberger Klimadialog teil.

Berlin. Nein, Angela Merkel hat es nicht getan. Weder nutzte sie ihren Auftritt beim weltweit beachteten Petersberger Klimadialog, um eine Schippe auf die eigenen Klimaschutzversprechen draufzulegen – obwohl ihr Kabinett nach dem entsprechenden Verfassungsgerichtsurteil daran ja gerade arbeitet.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Noch kündigte Merkel einen höheren deutschen Zuschuss für Klimaprojekte in ärmeren Ländern an, obwohl darüber die Klimaschutzminister aus aller Welt seit diesem Dienstag beim Petersberger Klimadialog beraten – neben den konkreten Vorbereitungen für den anstehenden Klimagipfel der Vereinten Nationen im Herbst im schottischen Glasgow.

Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Spotify Ltd., der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Umwelt- und Klimaschützer hatten im Vorfeld auf eine solche Geste von Merkel gehofft, die ja immerhin Gastgeberin und Gründerin dieser Allianz der „willigen“ Klimaschutznationen ist. Damals, 2010, war gerade die Weltklimakonferenz in Kopenhagen krachend gescheitert – und Merkel wollte mit dem Klimadialog die internationale Klimadiplomatie retten, die nach ihrem ersten Austragungsort, dem Petersberg bei Bonn, benannt wurde.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Welt erlebt Comeback der Klimakanzlerin

Und doch erlebte die Welt bei Merkels kurzer Liveansprache an diesem Donnerstag ein Comeback der Klimakanzlerin jener Ära, die zwischenzeitlich fast in Vergessenheit geraten war. Zuvor hatten bereits mehrere der 40 zugeschalteten Fachminister aus aller Welt und auch der britische Premier Boris Johnson als Gastgeber des Glasgower UN-Gipfels im November Merkels Führungsrolle gelobt.

Dann erinnerte auch die scheidende Kanzlerin bei ihrem letzten Auftritt in dem Format daran, wie damit die Scherben von Kopenhagen aufgelesen wurden – und in Paris 2015 ein wirksameres Klimaschutzabkommen daraus erschaffen werden konnte.

Merkel fordert weltweite CO₂-Bepreisung

Damit sei schon viel erreicht worden, sagte Merkel, aber nicht genug. Nötig sei nun, als zentrales Werkzeug im Kampf gegen den Klimawandel eine weltweite CO₂-Bepreisung zu erreichen.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige
Schulze spricht von Rückenwind bei weltweitem Klimaschutz

Bundesumweltministerin Svenja Schulze sieht angesichts weiterer Zusagen der Staatengemeinschaft neue Chancen für den weltweiten Klimaschutz.

Der bisherige europäische Emissionshandel im Energiebereich habe bewiesen, dass die staatliche Verpflichtung zum Handel mit Verschmutzungszertifikaten „ein besonders geeignetes Instrument der Lenkung“ sei, so Merkel. Er solle Schritt für Schritt auf weitere Sektoren ausgeweitet werden, zum Beispiel auf die Bereiche Wärme und Verkehr. Deutschland habe dies bereits getan, reklamierte sie ihren Vorreiterstatus.

Zwar seien die nationalen Voraussetzungen für wirksamen Klimaschutz sehr unterschiedlich, zeigte sich Merkel verständig gegenüber den Langsameren. Schwellen- und Entwicklungsländer monieren bei solchen Runden – zuletzt etwa bei dem von US-Präsident Joe Biden einberufenen „Klimagipfel der Staatschefs“ –, dass sie für ihr Wirtschaftswachstum mehr Freiheit oder zumindest mehr Finanzhilfen für einen ökologischen Umbau von Industrie und Verkehr bräuchten.

Merkel appellierte deshalb an die reicheren Länder: „Wir brauchen internationale Solidarität!“ Deutschlands bisheriger Beitrag dazu, tatsächlich einer der höchsten, sei jedoch „fair“, so die Kanzlerin.

Kanzlerin verweist auf kürzlich angekündigte Klimaschutzziele

Wie es der Zufall und das Verfassungsgericht wollten, konnte die Kanzlerin prompt auf die erst am Vortag von der Bundesregierung angekündigten neuen Klimaschutzziele verweisen: Bis 2030 soll Deutschland nun seinen CO₂-Ausstoß gegenüber 1990 um 65 Prozent senken – statt wie vor dem Karlsruher Urteil um 55 Prozent.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Die bislang für 2050 angepeilte Klimaneutralität soll schon 2045 kommen. Dass die scheidende Bundesregierung es noch schafft, auch Maßnahmen zu beschließen, mit denen diese neuen Ziele erreicht werden, wird nicht erwartet. Aber Merkels Nachfolger im Amt werden dann daran gebunden sein.

Mehr aus Politik

 
 
 
 
 
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen