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Merkel warnt vor mutiertem Virus - Kretschmer stellt baldige Lockerungen infrage

  • Angesichts der mutierten Coronavirus-Variante und der anhaltend hohen Infektionszahlen wächst die Sorge in der Spitzenpolitik.
  • Kanzlerin Angela Merkel ruft nun eindringlich dazu auf, das veränderte Virus unbedingt einzudämmen.
  • Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt bereits infrage, dass es Lockerungen im Februar und März geben kann.
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Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat eindringlich dazu aufgerufen, alles zur Eindämmung der in Großbritannien aufgetauchten veränderten Variante des Coronavirus zu tun. Das Virus könne in sehr kurzer Zeit „die Führerschaft gegenüber dem alten Virus“ übernehmen, sagte Merkel am Dienstag nach Angaben mehrerer Sitzungsteilnehmer in der ersten Online-Sitzung der Unionsfraktion nach der Winterpause. Man müsse mit einer ganz anderen Aggressivität dieses Virustyps rechnen. Das Auftreten der Mutation sei sehr beunruhigend.

Die gute Nachricht sei zwar, dass die Corona-Impfung dennoch wirksam bleibe, aber die Ausbreitungsgeschwindigkeit sei sehr viel stärker, warnte Merkel demnach. Würde diese Virusvariante in Deutschland die Oberhand bekommen, wäre man wieder mitten im exponentiellen Wachstum der Infektionszahlen. Zwar hätten die Krankenhäuser über die Jahreswende Herausragendes geleistet, sie seien aber in einigen Bereichen sehr stark an der Belastungsgrenze. „Deshalb ist hier wirklich große Sorgfalt geboten“, wurde Merkel zitiert. Es müsse versucht werden, die Ausbreitung „zu verhindern, zumindest zu strecken“. Zur Eindämmung sei notwendig, dass die Fallzahlen sänken und so Kontaktnachverfolgung möglich werde.

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Das Virus sei bereits auf dem europäischen Festland, sagte Merkel demnach. So seien dadurch in der letzten Woche 2020 in den Niederlanden 5 Prozent der Infektionen ausgelöst worden. „Deshalb ist also aller-, allerhöchste Vorsicht geboten“, sagte die Kanzlerin.

Merkel: “Das kann uns überhaupt nicht zufriedenstellen”

Vor Anfang nächster Woche werde es keinen klaren Überblick über die Infektionszahlen nach dem Jahreswechsel geben, sagte Merkel. Gegenwärtig sei man immer noch bei einer Inzidenz von 130 bis 140. „Das kann uns überhaupt nicht zufriedenstellen“, wurde die Kanzlerin zitiert. Die zusätzlichen Kontaktbeschränkungen und deren Fortführung seien leider notwendig.

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Deutschland müsse unter eine Inzidenz von 50 - also 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche - kommen, um die Verbreitung des mutierten Virus nachweisen zu können, sagte Merkel. Ansonsten könne man sehr schnell in eine sehr unkontrollierbare Entwicklung kommen. Deshalb seien Kontaktbeschränkungen wie über Homeoffice, die Vermeidung von privaten Kontakten oder im Schulbereich von großer Bedeutung. So würden die Schulen nach britischen Studien durchaus eine signifikante Rolle spielen. Hier könne noch keinen Entwarnung gegeben werden.

Kretschmer stellt baldige Lockerungen infrage

Bleiben daher die Lockdown-Maßnahmen wesentlich länger bestehen? Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellt jedenfalls infrage, dass es baldige Lockerungen geben wird. “Wir sind in den schwersten Wochen der Pandemie”, twitterte der CDU-Politiker am Dienstag. Niemand könne verlässlich einschätzen, was die Mutation des Virus in Deutschland anrichten wird. Deshalb sei derzeit noch nicht klar, welche Lockerungen es im Februar oder März geben wird. Ein Auftreten der Mutation würde ohne Lockdown in die Katastrophe führen. In Sachsen gilt der Lockdown mit geschlossenen Schulen bis zum 7. Februar. Das Land ist seit Wochen bundesweiter Negativ-Spitzenreiter bei den Infektionszahlen.

Ähnlich äußerte sich Bundeswirtschaftsminister Olaf Scholz (SPD) gegenüber der “Neuen Osnabrücker Zeitung”: “Es ist nicht gesagt, dass der verschärfte Lockdown bis Ende Januar Covid-19 so weit zurückgedrängt hat, dass wir wieder lockern können”, sagte er. “Wer das jetzt verspricht, handelt leichtfertig und zerstört Vertrauen.”

RND/dpa

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