Merkel vs. Merz: Mehr kalte Schulter geht kaum

  • Die Kanzlerin hat sich erstmals zu den Attacken von Friedrich Merz geäußert.
  • Sie erwähnte ihn dabei noch nicht einmal namentlich.
  • Die größere Gefahr für Angela Merkel stellen sowieso andere dar, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin/Neu Delhi. So viel Gegensatz gibt es selten. Zu Hause in Deutschland wird Angela Merkel aus der eigenen Partei zum Rücktritt aufgefordert – zwar nur von einem ehemaligen Funktionsträger, allerdings eben von einem namens Friedrich Merz, der vor Kurzem fast Parteivorsitzender geworden wäre. Und bei ihrem Staatsbesuch in Indien wird Merkel quasi als unabkömmlich gepriesen. Premierminister Narendra Modi bezeichnete sie als herausragende Führungspersönlichkeit, wichtig für Europa und die Welt. Das war mehr als nur diplomatische Höflichkeit.

Die Merz-Attacken hat Merkel einfach abtropfen lassen: Ein paar Tage sagte sie gar nichts und dann nur zwei dürre Sätze. Und das auch nur, weil eben nach dem Thema gefragt wurde. Sie finde auch viel Zuspruch in Deutschland, erklärte sie. Und Kritik müsse es geben in der Demokratie. Mehr kalte Schulter geht kaum.

An einer Fähigkeit mangelt es ganz besonders

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Es war eine verständliche Reaktion. Merz‘ Angriff war ein grobes Foul von einem, der kaum als unvoreingenommen gelten kann, weil er sich Merkel seit Langem zum Feindbild erkoren hat. Die Kanzlerin verfährt also nach dem Motto: Wer ist noch mal dieser Friedrich Merz?

Es steckt vermutlich auch Gelassenheit dahinter: Als Kanzlerin und zuvor auch als Parteivorsitzende hat Merkel schon viele Attacken aus der eigenen Partei überstanden. Und nicht selten kommen die Angriffe aus derselben Richtung.

Den Vorwurf der Untätigkeit mag die Kanzlerin als ungerecht empfinden – doch er zeigt, an was es der Regierung tatsächlich mangelt: an der Fähigkeit zur Vermittlung ihrer Arbeit. Zumindest in der Selbstdarstellung wäre Merz Merkel vermutlich tatsächlich überlegen. Ganz ohne Wirkung wird Merz‘ Attacke nicht bleiben. Umso genauer wird Merkel darauf achten, ob es nun auch Absetzbewegungen gibt von anderen potenziellen Nachfolgekandidaten – allen voran Annegret Kramp-Karrenbauer. Dann nämlich droht tatsächlich eine Revolte.