Merkel über Harris: „Ich freue mich, sie kennenzulernen“

  • Kanzlerin Angela Merkel gratuliert der künftigen US-Vizepräsidentin Kamala Harris zum Wahlsieg.
  • Die US-Senatorin aus Kalifornien ist auf der internationalen Bühne bisher weitgehend unbekannt.
  • Ihr erster Auftritt nach der Wahl gibt einen Vorgeschmack auf Harris’ Amtsführung.
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Berlin. Die Kanzlerin klang neugierig, als sie am Montagvormittag Kamala Harris zu ihrer Wahl als künftige US-Vizepräsidentin gratuliert hat. „Als erste Frau in diesem Amt und als Kind zweier Einwanderer ist sie für viele Menschen eine Inspiration, ein Beispiel für die Möglichkeiten Amerikas“, sagte Angela Merkel über die US-Demokratin Harris. „Ich freue mich darauf, sie kennenzulernen.“

So gespannt wie Merkel dürften viele Politikerinnen und Politiker weltweit sein. In den USA genießt die Juristin aus Kalifornien aufgrund ihrer messerscharf formulierten Fragen im Justizausschuss des US-Senats seit einigen Jahren schon Berühmtheit. Auf der internationalen Bühne aber ist Harris bislang eher unbekannt. Außenpolitik zählt nicht zu ihren thematischen Schwerpunkten.

Harris ist, darauf verwies sie selbst am Samstag in ihrer leidenschaftlichen Siegesrede, in gleich mehrfacher Hinsicht die Erste im zweitwichtigsten Amt, das die USA zu vergeben haben. Mit ihr ist erstmals eine Frau, erstmals eine Schwarze, erstmals eine Südostasiatin, erstmals Tochter zweier Einwanderer Vizepräsidentin Amerikas. Damit verkörpert die Tochter einer Inderin und eines Jamaikaners wie nur wenige andere Politikerinnen das amerikanische Aufstiegsversprechen. Ein Image, das die 56-jährige Harris selbstbewusst aufgreift und weiter ausfeilen dürfte.

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„Ich bin zwar die erste Frau in diesem Amt, aber gewiss nicht die letzte“, sagte sie in ihrer Rede am Samstagabend in Delaware, wo sie vor dem designierten US-Präsidenten Joe Biden das Wort ergriff. Jedes Mädchen, das heute Abend zuschaue, sehe, dass die USA ein Land der Möglichkeiten seien. Zur optischen Unterstreichung ihrer Botschaft vom Vorrücken der Frauen in die Politik wählte Harris einen weißen Hosenanzug. Es war eine Reminiszenz an die stets in Weiß gekleidete Frauenrechtsbewegung der Suffragetten, die vor 100 Jahren in den USA das Wahlrecht für Frauen erstritten.

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Auch ihrer Einwanderergeschichte und ihrem ausländischen Aussehen schreibt Harris Vorbildcharakter zu. An alle Kinder in den USA ergehe die Botschaft: „Träumt mit Ehrgeiz, führt mit Überzeugung und seht euch selbst auf eine Weise, in der euch andere vielleicht nicht sehen – schlicht deshalb, weil sie so etwas noch nie gesehen haben.“ Damit sprach Harris ein Bekenntnis zur ethnisch diversen, pluralen Einwanderungsgesellschaft der USA aus, wie es in der Trump-Ära selten zu hören war.

Video
Harris’ Siegesrede – „Werde nicht die letzte (Frau) sein“
3:12 min
Joe Bidens Vizepräsidentin Kamala Harris sprach in ihrer Siegesrede nach der US-Präsidentenwahl zu den jungen Mädchen im Land.  © Reuters
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Opfer rassistischer Schmähungen

Die bis heute mit dieser gesellschaftlichen Vielfalt einhergehenden Schmähungen und Diskriminierungen hat Harris selbst erlitten. Um der ethnischen Trennung zu entkommen, nahm die Grundschülerin Harris in den frühen Siebzigern am „Busing“ teil: Per Bus wurde sie morgens aus einem sozial benachteiligten Schwarzenviertel Berkeleys in eine wohlhabende, weiße Nachbarschaft zur Schule gefahren. Harris betrachtet das Programm zur Förderung der sozialen und ethnischen Durchmischung als wesentlich für ihren Bildungserfolg – und geriet darüber ausgerechnet mit Joe Biden in Konflikt.

Dieser hatte in den Sechzigern und Siebzigern gegen verordnete „Busing“-Maßnahmen plädiert – was Harris ihm während einer Debatte unter den Präsidentschaftskandidaten der US-Demokraten im vergangenen Jahr vor laufender Kamera vorwarf. Doch Biden ist offenbar nicht nachtragend und entschied sich dennoch für Harris als Vizepräsidentschaftskandidatin.

Selbst im US-Wahlkampf blieb Harris von Rassismus nicht verschont. So gehört es zum Standardrepertoire von Präsident Donald Trump und rechter TV-Kommentatoren, sich über ihren Vornamen lustig zu machen und vorzugeben, diesen nicht aussprechen zu können. Auch wird ihr vorgeworfen, keine „richtige“ Schwarze zu sein. Harris deutet dies als Versuch, die schwarze Wählerschaft zu spalten.

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Doch auch sie will nicht nachtragend erscheinen. Ganz gleich, für wen das amerikanische Volk gestimmt habe – sie werde jeden Tag beim Aufwachen an „euch und eure Familien“ denken, sicherte Harris in ihrer ersten Ansprache als designierte Vizepräsidentin allen Amerikanern zu.

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