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Merkel räumt Fehler im Herbst ein: „Ich habe damals kein gutes Gefühl gehabt“

  • Die Bundeskanzlerin stellt sich im ZDF Fragen zum Lockdown und der Impfstoffbeschaffung.
  • Sie mahnt zur Vorsicht, grenzt sich von den Ländern ab und räumt Fehler ein.
  • Auf die Fragen zum Impfstoffmangel hat sie keine überzeugenden Antworten.
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Wie schlimm die Bundeskanzlerin die aktuelle Pandemielage tatsächlich einschätzt, kann man an der Taktung ihrer großen Interviews ablesen. Normalerweise macht sich Angela Merkel in den Medien rar. Seit Monatsbeginn hat sie bereits drei TV-Interviews gegeben, ausschließlich um die Corona-Politik von Bund und Ländern zu erklären und auch ihre persönliche Position zu verdeutlichen.

Merkel klingt nach Klassenlehrerin

Ihre Botschaft ist überall die gleiche: Leute, bleibt vorsichtig. Im ZDF-Heute-Journal formulierte sie im Rückblick auf den Beschluss zur Lockdownverlängerung von Bund und Ländern: „Es hängt jetzt von uns und klugen Öffnungsschritten ab, ob wir ohne eine groß ausgeprägte dritte Welle durch die Pandemie kommen – oder ob wir zu unvorsichtig sind und dann doch vielleicht wieder steigende Fallzahlen haben.“ Das klingt bei ihr immer ein wenig nach Klassenlehrerin, die ihren müden Schülerinnen und Schülern klarmacht, dass sie es selbst in der Hand haben, ob sie Nachsitzen müssen.

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Dass die Sätze der Kanzlerin gebetsmühlenartig klingen, wird an ihrer seit einem Jahr zermürbenden Debatte mit den Ländern liegen, in der sie stets die Rolle der Mahnerin einnahm. Nun sind es die neuen Virusvarianten, die bei der Physikerin Merkel, die alle Zahlenkurven zu Ende denkt, neue Sorgen auslösen. Die von den Ländern geplanten Öffnungen von Schulen und Kitas seien „ein gewagter Schritt“, sagt Merkel. Sie sehe die große Bedeutung dieser Bereiche aber auch ein.

Die Kanzlerin grenzt sich von Ländern ab

Gleich nach der Ministerpräsidentenkonferenz am Mittwoch hatte sich die Kanzlerin von den Ländern in der Bildungspolitik distanziert, von denen jedes einzelne nun seinen eigenen Weg bei der Öffnung von Schulen und Kitas geht. Manch ein Ministerpräsident war hinterher irritiert, dass sich Merkel so klar von den Ländern abgrenzt. Nun wird niemand mehr behaupten können, sie seien nicht gewarnt gewesen.

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Merkel sieht den halbherzigen Lockdown von November als Fehler und will diesen nicht wiederholen. Unter den guten Fragen von Moderatorin Marietta Slomka räumt sie das klar ein: „Ich habe damals kein gutes Gefühl gehabt, aber ich habe die Entscheidung mitgetragen.“ Damit ist auch klar, die in einigen Ländern nun geplanten Schulöffnungen zum 22. Februar trägt sie eindeutig nicht mit. Deshalb steht zu den Schulen auch kein gemeinsamer Beschluss mehr in dem Papier der Ministerpräsidenten von Mittwoch. Als weiteren Fehler räumt sie ein, dass Deutschland in der Pandemie zu spät auf den Einsatz von Alltagsmasken gesetzt hat.

Die 35 als „Vorsichtszahl“

Die Öffnung der Friseure am 1. März gehen sogar für die zur Vorsicht mahnenden Merkel in Ordnung. „Ich glaube, dass wir 50 zum 1. März erreichen können“, sagt sie. Gemeint sind höchstens 50 Neuinfektionen in sieben Tagen pro 100.000 Einwohner. Ansonsten will Merkel erst bei 35 anfangen über Öffnungen nachzudenken. Eben aus diesem Grund haben Bund und Länder am Mittwoch noch nicht die eigentlich in Aussicht gestellt Öffnungsstrategie vorgelegt. „Vorsichtszahl“ nennt sie die 35. Geplant ist, dass in Deutschland der Einzelhandel, Museen und Galerien wieder in den Ländern öffnen, in denen der Wert die 35 unterschritten hat.

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Wenig überzeugend sind Merkels Antworten auf Slomkas bohrenden Fragen nach dem Impfstoffmangel und der fehlenden Möglichkeit, sich selbst mit einem Schnelltest auf Corona zu überprüfen. In diesem Teil des Interviews leitet sie ihre Antworten mehrfach mit „Ich glaube“ ein. So „glaubt“ sie nicht, dass der Vorsprung der USA und Großbritannien beim Impfen eine Frage des Geldes gewesen ist. Sie verspricht, im März und April werde man Mühe haben, alles zu verimpfen.

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