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Merkel in Davos: „Pariser Abkommen ist eine Frage des Überlebens“

  • Mit Spannung ist die Rede von Angela Merkel beim Weltwirtschaftsforum in Davos erwartet worden.
  • Die Bundeskanzlerin spricht beim Klimawandel von „dramatischen Veränderungen“ und einer „Transformation von historischem Ausmaß”.
  • Und sie appelliert mit deutlichen Worten an ihre eigene Generation.
Luca Cordes
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Davos. Am dritten Tag des Weltwirtschaftsforums ist Kanzlerin Angela Merkel nach Davos gereist. Erwartet wurde bereits vor ihrem Eintreffen, dass die deutsche Kanzlerin den Kampf gegen den Klimawandel in den Mittelpunkt ihrer Rede stellen würde. Und so kam es auch.

„Es ist etwas ganz Einzigartiges, was hier geschaffen wurde“, sagte Merkel über das Weltwirtschaftsforum in Davos und eröffnet damit ihre Rede. Schnell griff sie den Klimawandel auf und betonte: „Wir müssen handeln!“

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Merkel stellte klar: „Die Frage der Erreichung der Ziele des Pariser Abkommens könnte eine Frage des Überlebens des ganzen Kontinentes sein.“ Mit den jetzigen Verpflichtungen könne das Ziel jedoch nicht erreicht werden. Die Kanzlerin sprach von „erheblichen gesellschaftlichen Konflikten“ in Deutschland. Ein Teil der Bevölkerung sehe den Klimawandel noch immer nicht als dringlich an. Dies und auch die Sprachlosigkeit zwischen den Parteien mache ihr Sorgen. Die einzige Lösung sei, miteinander zu sprechen.

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Merkel in Davos: „Wir müssen handeln“
1:15 min
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für ein gemeinsames Vorgehen gegen den Klimawandel geworben.  © Luca Cordes/AFP

„Wir müssen die Emotionen mit den Fakten versöhnen. Das ist vielleicht die größte gesellschaftliche Herausforderung“, so Merkel, die auch an ihre eigene Generation appellierte: „Wir Älteren müssen aufpassen, dass wir die Motivation der Jugend positiv aufgreifen. Wir sind zum Handeln aufgefordert.“

Dramatische Veränderungen

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Wenn Angela Merkel vom Klimawandel sprach, sprach sie von „dramatischen Veränderungen“ und einer „Transformation von historischem Ausmaß“. Jedes Land müsse seinen Beitrag leisten.

Das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu wirtschaften, sei ein riesiger Kraftakt. Produktionsprozesse etwa in der Stahlindustrie müssten völlig umgestellt werden. Dabei werde „grüner“ Wasserstoff eine große Rolle spielen. Dieser könne außerhalb Europas besser erzeugt werden.

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Die Kanzlerin verwies zugleich darauf, dass Deutschland aus der Kernenergie aussteigt und bis spätestens 2038 aus der Kohleverstromung - und „wenn möglich“ bis 2035.

Große Chancen in Sachen Klimawandel sieht sie auch in einer Zusammenarbeit mit China. Dies sei eines der großen Themen auch beim geplanten EU-China-Gipfel im September in Deutschland, sagte die CDU-Politikerin weiter. China führe ein Emissionshandelssystem ein, dies könne mit dem europäischen System verknüpft werden. Neben Klimaschutz gehe es mit China auch um ein Abkommen zum Investitionsschutz. Ob ein solches gelinge, sei aber nicht sicher.

Gemeinsame Maßstäbe finden

China sei auch in Afrika sehr aktiv, sagte Merkel. Die EU und China könnten gemeinsame Maßstäbe finden, damit sich afrikanische Länder selbst entwickeln könnten. Neben der Zusammenarbeit mit China solle zudem auch eine engere Kooperation mit Afrika einer der Schwerpunkte der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 sein.

Gespannt waren die Spitzenpolitiker und Wirtschaftsbosse aber auch, ob sich Merkel zu den Drohungen von US-Präsident Donald Trump äußern würde, Strafzölle auf EU-Autoimporte in die USA zu erheben. „Ich bin ein Fan von Handelsabkommen mit den USA“, so Merkel. Unsicherheit und Abschottung seien keine wachstumsfördernden Dinge.

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Europa müsse eine Balance finden zwischen der Nähe zu den USA und wirtschaftlichen Verbindungen mit China. „Ich möchte keine neue Bipolarität der Welt, sage ich ganz offen“, so die Kanzlerin. Die gesellschaftliche Ordnung der USA stünde Europa näher, zugleich sei nun aber ein Land, in dem eine kommunistische Partei die „Herrschaft“ habe, wirtschaftlich erfolgreich.

Deshalb solle Europa einen „klugen Weg“ finden zwischen der Partnerschaft mit den USA bei Grundwerten und einem ökonomischem Wettbewerb, in dem Entscheidungen „anders fallen“ könnten.

Die Europäer müssten „sehr klug entscheiden, wie wir gerade im Zeitalter der Digitalisierung auch mit chinesischen Angeboten umgehen“, sagte Merkel. Es gelte abzuwägen zwischen Sicherheit und der Frage, sich von chinesischer Wertschöpfung zu entkoppeln.

RND/dpa