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Merkel fordert “umgehende Beendigung” der türkischen Syrienoffensive

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Stopp der Militäroffensive im Nordosten Syriens aufgefordert.
  • 130.000 Menschen sind laut UN-Angaben seit dem türkischen Einmarsch bereits vertrieben worden.
  • Eine kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin wurde getötet.
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Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zum Stopp der Militäroffensive im Nordosten Syriens aufgefordert. Die Kanzlerin habe sich am Sonntag in einem Telefonat mit Erdogan für eine "umgehende Beendigung der Militäroperation" ausgesprochen, teilte eine Regierungssprecherin mit. Ungeachtet berechtigter türkischer Sicherheitsinteressen drohe diese zur Vertreibung größerer Teile der lokalen Bevölkerung, zur Destabilisierung der Region und zum Wiedererstarken der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) zu führen.

Die Türkei hatte am Mittwoch eine lang geplante Offensive in Nordsyrien begonnen und dabei mehrere syrische Orte entlang der gemeinsamen Grenze angegriffen. Ankara sieht in den Kurdenmilizen, die die Gebiete bislang kontrollierten, einen Ableger der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK und damit eine Terrororganisation. Die humanitäre Lage in dem Gebiet verschärfte sich seitdem dramatisch. Das UN-Nothilfeprogramm Ocha berichtete, 130.000 Menschen seien seit Beginn der Kämpfe schätzungsweise vertrieben worden. Im Ort Al-Hassaka, in den die Mehrzahl der Menschen geflüchtet sei, hätten sich die Möglichkeiten zur Wasserversorgung dramatisch verschlechtert. Davon seien etwa 400.000 Menschen betroffen.

Kurdenmilizen erobern laut Aktivisten syrische Grenzstadt zurück

Nach dem Einmarsch am Mittwoch haben die von den Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) laut Aktivisten-Angaben zumindest einen strategisch wichtigen Grenzort in weiten Teilen wieder unter ihre Kontrolle bringen können. Die SDF hätten die meisten Stadtteile von Ras al-Ain nach einem Gegenangriff zurückerobert, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Mindestens 17 mit türkischen Truppen verbündete Kämpfer sowie vier SDF-Kämpfer seien dabei getötet worden. Der TV-Sender CNN Türk berichtete dagegen, türkische Truppen würden in Ras al-Ain nach Verstecken kurdischer Kämpfer suchen.

Ras al-Ain liegt direkt an der türkischen Grenze entlang einer wichtigen Versorgungsroute zwischen den Städten Tall Abjad im Westen und Kamischli im Osten. Beide gehören bisher zum Herrschaftsgebiet der SDF. Allerdings ist auch Tall Abjad umkämpft. Die türkische Armee habe den südöstlich von Tall Abjad gelegenen Ort Suluk erobert und rücke weiter vor, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag.

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Kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin getötet

Wie die SDF mitteilten, ist am Samstag auch eine bekannte kurdische Politikerin und Frauenrechtlerin getötet worden. Havrin Khalaf, Generalsekretärin der Partei Zukunft Syriens (FSP), sei auf einer Landstraße in einen Hinterhalt geraten. Die SDF machte die Türkei und deren Verbündete für Khalafs Tod verantwortlich. „Dies zeigt, dass der türkische Einmarsch nicht zwischen einem Soldaten, einem Zivilisten oder einem Politiker unterscheidet“, hieß es in einer Mitteilung der SDF.

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Von türkischer Seite gab es zunächst keine offizielle Bestätigung. Die regierungsnahe Zeitung "Yeni Safak" meldete am Samstagabend unter Berufung auf Quellen vor Ort, Khalaf sei bei einer Operation "außer Gefecht gesetzt worden". Sie sei bei einem Luftschlag auf dem Weg von Rakka nach Kamischli getötet worden, der auf Basis von Geheimdienstinformationen durchgeführt worden sei. Khalaf hatte sich im kurdisch-autonomen Teil Syriens vor allem für die Rechte von Frauen stark gemacht.

Im Internet kursierten Fotos eines schwer beschädigten Autos, mit dem Khalaf in den Hinterhalt geraten sein soll. Zudem tauchte ein Video auf, das zeigen soll, wie mit der Türkei verbündete Milizen mindestens einen kurdischen Gefangenen hinrichten. Unabhängig bestätigen ließ sich die Echtheit dieses Videos nicht.

RND/dpa

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