Merkel bei Macron: ein glanzvolles Adieu

  • Am Mittwoch empfängt der französische Präsident Emmanuel Macron ein letztes Mal Angela Merkel.
  • Er will sie mit dem höchsten Verdienstorden des Landes auszeichnen.
  • Die beiden Politiker blicken auf Jahre der engen Zusammenarbeit in der EU zurück.
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Paris/Beaune. Für den Abschiedsbesuch dieser besonderen Kollegin hat der französische Präsident Emmanuel Macron keinen banalen Ort ausgewählt. Zelebriert werden sollte das Adieu von Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht einfach in seinem Amts- und Wohnsitz in Paris, in dem sie schon zigmal vorbeigekommen ist. Nein, in die Burgunder-Stadt Beaune lud Macron Merkel und ihren Ehemann Joachim Sauer ein. Denn, so ließ der Élysée-Palast wissen, deren „historische Monumente und Kultur des Weins illustrieren den Reichtum des französischen Kulturgutes“.

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Merkel in Frankreich mit Großem Kreuz der Ehrenlegion geehrt
1:53 min
„Danke, dass Du mir so viel beigebracht hast“: Der französische Präsident Macron hat die scheidende Bundeskanzlerin mit dem Großen Kreuz der Ehrenlegion geehrt.  © AFP

Mit seinen idyllischen Straßen aus Kopfsteinpflaster, den Fachwerkhäusern und dem einstigen Krankenhaus Hôtel-Dieu, in dem jedes Jahr eine prestigeträchtige Weinauktion abgehalten wird, dient Beaune als ideale Kulisse für eine feierliche Zeremonie.

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Am Mittwoch empfangen Macron und seine Frau Brigitte die Kanzlerin und ihren Mann im Schloss Clos de Vougeot, einem im zwölften Jahrhundert erbauten Kloster mit Weinkeller, Weinpressen und Fasshaus. Auf ein Klavierkonzert des französischen Pianisten Alexandre Kantorow folgt ein privates Abendessen. Auch den Verdienstorden der Ehrenlegion, Frankreichs höchste Auszeichnung, wird Macron Merkel überreichen.

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In der Weinstadt Beaune fand 1993 ein deutsch-französischer Gipfel mit Helmut Kohl und François Mitterrand statt, die heute als Vorbilder für die enge und persönliche deutsch-französische Kooperation gelten.

Es dürfte einer der glamourösesten Termine auf der derzeitigen Abschiedstour der aus dem Amt scheidenden Kanzlerin werden. Und das ist gewollt von Macron, der damit die Bedeutung unterstreicht, die für ihn die deutsch-französischen Beziehungen stets hatten, – und das gute persönliche Verhältnis zur deutschen Kanzlerin, die er im vergangenen Jahr auch in seine Sommerresidenz an der Côte d‘Azur einlud.

Unterschiedlicher Charakter, gleiche Ziele

Die Persönlichkeiten des bisweilen ungestüm wirkenden Franzosen und der besonnen auftretenden und erfahrenen Deutschen mögen äußerst verschieden sein; beide ließen stets den Willen erkennen, Unterschiede auch in der Sache zu überbrücken und nach außen Geschlossenheit zu demonstrieren.

Anders als seine Vorgänger Nicolas Sarkozy, der sich zunächst stärker gen Mittelmeerraum orientierte, und François Hollande, der nach Amtsantritt demonstrativ die Nähe der damaligen SPD-Troika suchte, setzte Macron kontinuierlich auf die Achse Paris-Berlin.

In seinem Wahlkampf 2017 hielt er eine Veranstaltung in der deutschen Hauptstadt ab, in die ihn auch sein erster Auslandsbesuch führte. Noch im selben Jahr wartete er die deutsche Bundestagswahl ab, bevor er am Folgetag seine Grundsatzrede zu Europa in der Pariser Universität Sorbonne mit weitreichenden Reformvorschlägen hielt. Begeisterung oder zumindest eine konkrete Antwort von Merkel blieben aber aus, was in Paris mit Enttäuschung als Zeichen einer gewissen Behäbigkeit und mangelnder Ambition gedeutet wurde.

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Als großer persönlicher Triumph Macrons galt wiederum, dass die Kanzlerin im vergangenen Jahr in einen schuldenfinanzierten europäischen Aufbaufonds als Weg aus der pandemiebedingten Krise einwilligte.

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Merkel: „Große Baustellen“ in der EU für möglichen Nachfolger Scholz
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„Wir haben auch eine Reihe von ungelösten Problemen. Und die Baustellen für meinen Nachfolger sind groß.“ sagte Merkel beim Europäischen Rat.  © AFP

Durch ihr Verhältnis zu Deutschland und zu Merkel als dessen Personifizierung haben sich die vier französischen Präsidenten, mit denen sie zusammenarbeitete, stets auch politisch positioniert.

Macron wählte die Nähe zu Merkel, die nach 16 Jahren Amtszeit in seinem Land hohes Ansehen genießt – eine große Mehrheit hat laut aktuellen Umfragen ein positives Bild von „Mutti“, wie französische Medien sie gerne nennen. Er dürfte hoffen, dass ein wenig Glanz der so unprätentiös auftretenden Deutschen auf ihn abfällt. Denn während sie abtritt, beginnt für ihn der Wahlkampf.

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