Merkel besucht Laschet: Die Kanzlerin mischt sich ein

  • Eigentlich ist es Angela Merkels Prinzip, zur Frage des CDU-Vorsitzes und der Kanzlerkandidatur zu schweigen.
  • Bei ihrem Besuch in Nordrhein-Westfalen ändert sie die Strategie und empfiehlt – indirekt, aber doch deutlich – Ministerpräsident Armin Laschet.
  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, der Merkel auf Schloss Herrenchiemsee die opulentere Kulisse geliefert hatte, kämpft mit Corona-Test-Problemen.
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Zu Beginn fährt Armin Laschet seinen Ellbogen aus. Kann man so machen, zur Begrüßung in Corona-Zeiten, ohne dass es weiter auffällt. Angela Merkel ist nach Düsseldorf gekommen, zu einem Besuch beim nordrhein-westfälischen Kabinett. Das ist eine Premiere, auch vor ihr ist kein Kanzler bei der Düsseldorfer Regierung zu Besuch gewesen. Laschet hat extra noch mal nachschauen lassen.

Und dann gibt es noch eine Premiere, möglicherweise eine weitreichendere: Merkel empfiehlt Laschet für Höheres, nicht direkt, aber für ihre Verhältnisse doch recht deutlich. Ist Laschet kanzlerfähig, wird Merkel in der Pressekonferenz gefragt.

Die Kanzlerin sagt erst das, was sie immer sagt auf solche Fragen. “Ich mische mich in die Nachfolge nicht ein.” Aber dann fügt sie noch etwas hinzu: Als CDU-Vorsitzender müsse man “bereit sein und auch fähig, Kanzler zu sein”. Und Laschet, der sich um den CDU-Vorsitz bewirbt, “bringt sehr viele Qualifikationen mit”.

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Merkel in NRW: Zeche statt Schloss
2:23 min
Kanzlerin Angela Merkel besucht Ministerpräsident Armin Laschet in Nordrhein-Westfalen.  © Reuters

“Das war’s dann auch”

Sie werde sich nicht einmischen, sagt Merkel noch mal. Und sagt sogar noch etwas mehr. Wenn man das größte Bundesland regiere, und zwar ziemlich effizient und ruhig, sei das “zumindest ein Rüstzeug, das durchaus Gewicht hat”, verkündet sie.

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“Das war’s dann auch”, sagt Merkel.

Vielleicht war es das wirklich – die Entscheidung. Im Rennen um den CDU-Vorsitz, über den auf einem Parteitag im Dezember entschieden werden soll, weil Amtsinhaberin Annegret Kramp-Karrenbauer ihn nicht mehr haben will, hat die Kanzlerin Partei ergriffen.

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Laschets Konkurrenten werden ähnliche Worte nicht zu hören bekommen. Den Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Norbert Röttgen, hat Merkel einst als Umweltminister rausgeschmissen. Mit dem Vizepräsidenten des CDU-nahen Wirtschaftsrats, Friedrich Merz, verbindet sie gegenseitige Abneigung.

Dem Drängen aus Teilen der Partei, Merz ins Kabinett zu holen, hat Merkel nie nachgegeben.

Einzelkämpfer oder Team?

Ministerpräsidenten wie Daniel Günther aus Schleswig-Holstein und Tobias Hans aus dem Saarland drängen, dass die drei Konkurrenten sich noch vor dem Parteitag einigen. Laschet sagt: “Dass ein Team geschlossener in den Wahlkampf gehen kann, ist offenkundig.”

Bisher habe sich aber nur Gesundheitsminister Jens Spahn dafür bereit erklärt. “Im Moment gibt es keinen Anlass zu glauben, dass sich das Team noch vergrößern könnte.”

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Er wirkt ganz fröhlich in diesem Moment. Er hat ja gerade eine wichtige Unterstützerin gewonnen.

Die lobt ausdrücklich Laschets Besuch in einem Flüchtlingslager in Griechenland, über den manche in der CDU den Kopf geschüttelt haben. Es sei nicht klug, ein so umstrittenes Thema, wieder in den Fokus zu rücken, hieß es.

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Merkel mahnt: Corona-Regeln müssen eingehalten werden
1:40 min
Die Bundeskanzlerin hat erneut vor einem Anstieg der Coronafälle gewarnt und sich gegen weitere Lockerungen ausgesprochen.  © Reuters

Merkel sagt: “Ich will ausdrücklich danken für die Reise nach Griechenland.” Man sehe dort “nicht nur Vergnügliches und Sehenswertes”, aber es gehe dort “um den Kern europäischer Werte”.

Es läuft also gut an diesem Tag für Laschet, nach all den Monaten, in denen er ins Hintertreffen zu geraten schien, mit dem Corona-Skandal beim Fleischfabrikanten Tönnies, mit aufgeregten Fernsehauftritten, und einer Corona-Strategie, die anders als Merkel auf schnelle Öffnung setzte. An der Seite Merkels positionierte sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Schloss versus Kohlebergwerk

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Der hat Merkel auch eingeladen in sein Kabinett. Vor einem Monat ist sie da gewesen. Söder zelebrierte den Anlass mit Schifffahrt über den Chiemsee, Kutsche, Schloss und Spiegelsaal – nur die Ellbogen zur Begrüßung hat er weggelassen. Es wirkte wie die Bewerbung um die Kanzlerkandidatur.

Laschet setzt Nüchternheit gegen den Prunk: Das Kabinett tagt im Foyer des Ständehauses, einst Landtagssitz, heute Kunstmuseum, vor weißen Wänden. Hinterm Haus liegt ein Teich, der immerhin Kaiserteich heißt. Im ehemaligen Kohlebergwerk Zeche Zollverein in Essen geht es anschließend um den Strukturwandel der einstigen Kohle-Stahl-Region.

Merkel sagt: “Glücklicherweise bin ich ein Mensch, der sich an ganz verschiedenen Dingen freuen kann.” Söder hat sie lediglich als guten Ministerpräsidenten gelobt, kein Wort mehr.

Am nächsten Montag fährt Laschet nach Schleswig-Holstein. Söder hat seinen Besuch dort wegen Problemen mit den bayerischen Corona-Tests absagen müssen.

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