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Experte: EU-Agrarreform kein Systemwechsel für mehr Klimaschutz

  • Der Experte der westfälischen Kirche, Dirk Hillerkus, hat die EU-Agrarreform kritisiert.
  • Die Bedingungen für Umwelt und Klima würden zum Teil hinter bestehende Regelungen zurückfallen.
  • Die EU zahle Milliarden „nach dem Gießkannenprinzip“.
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Schwerte. Der Agrarexperte der westfälischen Kirche, Dirk Hillerkus, bewertet das Reformkonzept der EU-Landwirtschaftsminister für die europäische Agrarpolitik skeptisch. Es handele sich, anders als von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) dargestellt, „keineswegs um einen Systemwechsel“ für verbesserten Umwelt- und Klimaschutz, sagte der Agraringenieur Dirk Hillerkus in Schwerte dem Evangelischen Pressedienst (epd). Weiterhin zahle die Europäische Union 390 Milliarden Euro „unabhängig von der Bewirtschaftungsweise nach dem Gießkannenprinzip“ aus, kritisierte Hillerkus.

Der Referent für nachhaltige Landwirtschaft des Instituts für Kirche und Gesellschaft unterstützte die Forderung der Nationalen Wissenschaftsakademie Leopoldina, die Direktzahlungen der EU an landwirtschaftliche Produzenten direkt an messbare Umweltleistungen zu koppeln und rein flächengebundene Subventionen abzuschaffen. 20 Prozent der Agrarbetriebe, große Holdings, kassierten 80 Prozent der Direktzahlungen, monierte Hillerkus.

Mindeststandards nicht genau definiert

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Bei einem zentralen Punkt der Agrarreform, den Bedingungen für höhere Umwelt- und Klimaleistungen der Landwirtschaft, fielen die EU-Minister hinter die bestehende Regelung zurück, erklärte der Agarexperte. Bereits mit der jetzigen Agrarpolitik würden auf neun Prozent der Ackerfläche in der EU Zwischenfrüchte angebaut oder Brachen angelegt, um Überproduktion zu verhindern. Die Konditionen für die laut dem Konzept künftig an Umweltprogramme gebundenen 20 Prozent der Direktzahlungen sähen jedoch nur einen Mindestanteil von fünf Prozent an nicht-produktiven Flächen oder für Zwischenfrüchte vor, beklagte Hillerkus.

Nach dem Kompromiss der Agrarminister hänge es stark von den nationalen Regierungen ab, ob die Öko-Programme wirklich klima- und umweltdienlich seien, sagte Hillerkus weiter. Diese sollten zwar über „relevante Mindeststandards“ hinausgehen, was aber nicht genau definiert werde. Zudem dürften die Programme neben Umwelt und Klima auch dem „Wachstum der Wirtschaft“ dienen. So könnten in den ersten beiden Jahren nach Inkrafttreten der neuen Regeln Gelder beispielsweise für den Bau neuer Ställe ausgegeben werden, sofern das nationale Budget für die Öko-Programme von den Landwirten nicht ausgeschöpft wird, befürchtet der Fachmann.

Verantwortung auch beim Bürger

Hillerkus sprach sich für ein kontinuierlich steigendes Budget der EU für die klima- und umweltrelevanten Maßnahmen bis 2027 aus: Dies würde „einen wirklichen Push bedeuten.“ Die Förderung der Landwirtschaft mit öffentlichen Mitteln solle „konsequent an gesellschaftlich erwünschten Leistungen“ wie Versorgungssicherheit, Klimaschutz, Erhalt von Artenvielfalt oder Pflege von Kulturlandschaften ausgerichtet sein. „Das können familiengeführte Betriebe am besten leisten“, sagte der Referent.

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Auch Verbraucher sollten sich vergegenwärtigen, dass sie einen wichtigen Einfluss auf die Landwirtschaft ausüben, wenn sie regionale, saisonale und Bio-Produkte, Fleisch aus artgerechter Tierhaltung sowie fair gehandelte Waren kaufen, betonte Hillerkus. Den Bürgern komme durch ihren Lebensstil „eine erhebliche Verantwortung“ für das Erreichen von Nachhaltigkeitszielen zu.

RND/epd

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