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Mediziner zu Lockerungen in Urlaubsregionen: „Mit guten Konzepten kann es klappen“

  • Schleswig-Holstein und weitere Bundesländer wollen zu Pfingsten wieder Touristen beherbergen.
  • Von Medizinern kommt Kritik, aber auch Verständnis.
  • Einige Ärzte meinen, dass die Tourismusbranche nicht ewig dichtbleiben kann.
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Berlin. Einige Bundesländer möchten den Pfingsturlaub wieder ermöglichen. Unter Hygieneauflagen sollen Urlauber wieder in Hotels übernachten, am Strand spazieren gehen und in Restaurants essen gehen dürfen.

Zum Beispiel will Schleswig-Holstein vollständig geimpfte, genesene und getestete Touristen ab dem 17. Mai wieder beherbergen. Auch Bayern plant bei einer stabilen Inzidenz unter 100 wieder Öffnungen des Tourismus.

Mediziner gehen von guten Konzepten aus

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Kritiker sorgen sich wegen möglicherweise zu früher Lockerungen, erklären aber auch, dass funktionierende Hygiene­konzepte entscheidend seien. So sagte der Präsident der Deutschen Vereinigung für Intensivmedizin, Gernot Marx, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Als Intensivmediziner können wir zu der Auswirkung einzelner Maßnahmen keine Äußerungen treffen – das müssen die Epidemiologen und Virologen beantworten.“

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Marx meint: „Alles, was die Infektionszahlen wieder steigen und nicht sinken lässt, bedeutet wieder mehr Covid-19-Patienten auf unseren Intensivstationen, also viele schwer erkrankte Menschen.“ Das müsse unbedingt vermieden werden.

Der Intensivmediziner erklärt allerdings auch, dass funktionierende Hygienekonzepte Tourismus ermöglichen könnten. „Wenn Urlaubsregionen gute Konzepte haben, kann es klappen, bei bereits niedrigen Inzidenzen mehr Menschen aufeinandertreffen zu lassen, ohne steigende Infektionszahlen befürchten zu müssen.“

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Auch der Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Gerald Gaß, pochte gegenüber dem RND auf Sicherheitskonzepte. „Wir gehen davon aus, dass sich die Touristikbranche mit guten Infektionsschutzkonzepten auf die Öffnung vorbereitet hat.“

Ein erneuter Anstieg der Infektionszahlen in den kommenden Wochen sei nicht ganz auszuschließen, so Gaß. Derzeit würde er jedoch die Lage zuversichtlich beurteilen. Urlaub in Deutschland ist demnach besser als im Ausland: „Es kann auch aus Gründen des Infektionsschutzes nicht unser Interesse sein, dass sich diese Aktivitäten komplett auf das Ausland konzentrieren.“

Auch der Virologe Timo Ulrichs schätzt das Risiko für Reisen zu Pfingsten weniger hoch ein: „Bei Reisen innerhalb Deutschlands (und bei Meidung von Hochinzidenzgebieten innerhalb des Landes) sollte das Risiko kalkulierbar sein“, sagte er dem RND. „Auch, weil wir nun die Sicherheitslinie der Testungen mit den vollständig Geimpften ergänzen können.“ So sei es eher anzunehmen, dass es keine Trendumkehr mehr geben wird, weil in den nächsten Wochen die Zahl der Geimpften stark ansteigen werde.

Lauterbach warnt vor verfrühten Lockerungen

Karl Lauterbach (SPD) hingegen warnte am Mittwoch im Interview mit dem „Handelsblatt“ vor verfrühten Öffnungsschritten. „Ich verstehe, dass das Bedürfnis nach Lockerungen da ist. Ich warne aber vor überstürzten Entscheidungen.“ Der Mediziner sprach sich gegen Lockerungen bei einer Inzidenz knapp unter 100 aus. „Für Öffnungen braucht es eine deutlich niedrigere Inzidenz, etwa bei 50 oder noch niedriger.“

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Auch die Präsidentin des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe, Christel Bienstein, sorgt sich gegenüber dem RND. „Zu öffnen, bis die Intensivstationen wieder voll belegt sind, ist keine Strategie. Eine Zunahme von schweren Fällen zeigt sich auf den Intensivstationen erst Wochen nach der Infektion.“

Die Kolleginnen und Kollegen in der Pflege würden seit über einem Jahr am Limit arbeiten. „Es zeichnet sich gerade erst eine leichte Entspannung auf den Intensivstationen ab, die auch dringend nötig ist und nicht riskiert werden darf.“

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