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  • Mecklenburg-Vorpommern: Michael Sack ist neuer CDU-Vorsitzender - und will gegen Schwesig antreten

Der Sack ist zu für Amthor: Neuer CDU-Landeschef will gegen Schwesig antreten

  • Neuer CDU-Vorsitzender in Mecklenburg-Vorpommern ist Michael Sack.
  • Zuvor hatte der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor (CDU) seine Kandidatur zurückgezogen, als Vorwürfe der Bestechlichkeit gegen ihn laut wurden.
  • Amthor gratulierte am Abend und ließ offen, ob er zur Landtagswahl gegen Manuela Schwesig antritt.
Juliane Schultz
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Schwerin/Güstrow. Das war es mit dem erhofften Karriereschritt für Philipp Amthor in Mecklenburg-Vorpommern. Kurz nach 20 Uhr steht fest: Nicht der 27-Jährige Jungstar, sondern der fast 20 Jahre ältere Michael Sack aus der vorpommerschen Kleinstadt Loitz wurde am Freitag von fast 95 Prozent der Delegierten des Landesparteitages zum Landeschef der CDU gewählt.

Und der Neue hat den Sack gleich doppelt zugemacht: Der Landrat von Vorpommern-Greifswald ließ keinen Zweifel daran, dass er als CDU-Spitzenkandidat gegen die amtierende Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in den Landtagswahlkampf 2021 ziehen will. “Ich möchte euer Spitzenkandidat sein. Ich möchte Ministerpräsident dieses Bundeslandes werden”, sagte der 46-Jährige ungewöhnlich selbstbewusst, denn im Nordosten ist er weitgehend unbekannt und gilt vielen als Kandidat zweiter Wahl.

Und Amthor? Der lacht herzhaft hinter seinem Mundschutz – bedruckt mit roten Füchsen – und plaudert munter mit Sack. Das mag zunächst überraschen. Denn wäre alles nach Plan gelaufen, stünde nun der Nachwuchsstar an Sacks Stelle: Er hatte sich als Kandidat für die Nachfolge des zurückgetretenen Vincent Kokert nominieren lassen und sich damit gegen die amtierende Justizministerin Katy Hoffmeister durchgesetzt. Nur einen Tag nach ihrem Rücktritt von der Kandidatur kam heraus, dass die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Amthor wegen des Verdachts der Bestechlichkeit prüft.

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Nicht alle waren mit Sacks Nominierung einverstanden

Als die Vorwürfe wegen Amthors Lobbyarbeit für das dubiose deutsch-amerikanische Unternehmen Augustus Intelligence und wegen Besitzes von Aktienoptionen der IT-Bunde immer lauter wurden, war Amthor als Kandidat nicht mehr haltbar. Handstreichartig präsentierte der kommissarische Landesvorsitzende Eckhardt Rehberg dem überrumpelten geschäftsführenden Landesvorstand den Kandidaten Sack. Das blieb nicht ohne Folgen. Vizechefin Martina Liedtke trat umgehend aus dem Landesvorstand zurück und wiederholte am Freitag noch einmal ihre Kritik an der Art, wie Michael Sack zu seiner Nominierung kam: “Das ist mir zu viel Hinterzimmerpolitik.” Auch ihr Amt wurde deshalb am Freitag neu besetzt.

Inzwischen hat Amthor seine Aktienoptionen zurückgegeben und damit nicht nur die Chance auf bis zu 250.000 Euro verloren. Spätestens seit Freitagabend ist klar, dass auch kein Spitzenamt im Land für Amthor übrig bleibt. Eine Schlappe für den ehrgeizigen Konservativen aus Ueckermünde?

Wer ihn am Freitagabend in der Sport- und Kongresshalle Güstrow beobachtet, sieht einen gelöst wirkenden jungen Mann, der seinen Sitznachbarn laut kichernd auf die Schultern klopft. Erleichterung? Gründe dafür gäbe es viele: Erst am Donnerstag wurde bekannt, dass die Bundestagsverwaltung nicht mehr gegen ihn ermittelt. Zuvor hatte bereits die Staatsanwaltschaft mitgeteilt, dass keine Erkenntnisse darüber vorlägen, dass Amthor verbotene Zuwendungen erhalten habe und sie das Verfahren gegen Amthor eingestellt habe.

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Nun kann Amthor immerhin nicht gegen Schwesig verlieren

Und noch ein weiterer Kelch geht an ihm vorüber: Der Landtagswahlkampf gegen die beliebte Schwesig. Bei dem hätte der 27-Jährige, mit seinem Auftreten durchaus polarisierende Amthor, wohl mehr verlieren als gewinnen können. Ob er das überhaupt je angestrebt hat, ist ungewiss. Ex-Vizechefin Liedtke vermutet: “Ich glaube, Philipp hat das nie geplant. Er hatte immer nur betont, dass der Vorsitzende das Vorschlagsrecht habe.” Für sie war das ein Problem: “Der CDU-Vorsitz ist doch kein Amt, das man mal eben mitnimmt.” Der Landeschef müsse auch bereit sein, die Ministerpräsidentin herauszufordern.

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Amthors Herausforderungen liegen nun wieder auf Bundesebene. Kräftigen Rückenwind dafür wird ihm die Heimat gewähren – in Form eines guten Listenplatzes bei der kommenden Bundestagswahl. Darin herrscht außerhalb des Protokolls Einvernehmen.

In des Landes-CDU wird Amthors Arbeit nach wie vor geschätzt. Er sei unverzichtbar, eben ein schlauer Fuchs. Das betont auch Wirtschaftsminister Harry Glawe: “Philipp Amthor ist ein politisches Talent und juristisch sehr begabt.” Aber Glawe lässt noch eine Warnung folgen: “Er muss noch lernen, demütiger zu sein. Gerade vor den Wählern. Das wäre mein Rat an ihn.”

Bemüht um die Wähler scheint der so Gescholtene zu sein. Mehrmals drückte er sein Bedauern über die Vorgänge der vergangenen Monate aus. Zuletzt hatte Amthor eingeräumt: “Nicht alles, was rechtlich möglich ist, ist auch politisch klug. Dass mir das nicht früher bewusster war, bedauere ich sehr.” Bleibt die Frage, ob es das ist, was Glawe mit Demut meint und ob alles, was politisch klug ist, auch getan werden muss.

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