Masken im Unterricht: Soll die Schulkonferenz entscheiden?

  • Tut die Politik in Zeiten von Corona genug für die Sicherheit von Lehrern und Schülern?
  • Die Chefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe hat da eine Idee.
  • Sie schlägt vor, die Schulkonferenz solle die Möglichkeiten bekommen, beim Thema Maskenpflicht schärfere Regeln zu beschließen, als sie vom Ministerium vorgegeben sind.
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Frau Tepe, was überwiegt bei den Lehrern: die Freude, dass sie wieder im Klassenzimmer unterrichten können, oder die Angst vor Ansteckung in der Corona-Pandemie?

Es gibt – das ist auch für uns als Gewerkschaft gar nicht so einfach – unter den Lehrerinnen und Lehrern alle Gefühlslagen, und das teils auch in sehr stark ausgeprägten Formen. Bei uns haben sich diejenigen vielfach gemeldet, die unbedingt wieder normalen Unterricht machen wollen – weil sie sich Sorgen um Schüler machen, zu denen sie im Fernunterricht keinen Kontakt bekommen konnten, und sie ihrer pädagogischen Verantwortung gerecht werden wollen. Alle Lehrer wissen, dass sie mit Präsenzunterricht mehr bei den Schülern erreichen können. Aber natürlich haben auch viele Angst, sich in der beengten Situation im Klassenraum mit Corona anzustecken.

Tut die Politik nicht genug, um die Lehrer zu schützen?

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Ich wünsche mir ein klares Signal, dass wirklich alle Lehrkräfte, die zu Risikogruppen gehören, von zu Hause aus oder in Kleinstgruppen arbeiten dürfen. Den Ausschlag muss eine sachliche Beurteilung der Gefährdung für den Einzelnen geben – und nicht die Frage des Lehrkräftemangels. Die Landesregierungen betrachten die Frage zu sehr unter dem Gesichtspunkt, was ihnen selbst in den Kram passt. Es geht uns dabei nicht nur um den Schutz der Lehrkräfte, sondern auch der Schüler und ihrer Angehörigen.

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Hat die Politik in dieser Hinsicht das neue Schuljahr ausreichend vorbereitet?

Leider haben die Kultusminister vieles versäumt. Das lässt sich schon daran erkennen, dass nicht ausreichend nach schnellen Lösungen für die Lüftungsprobleme in vielen Klassenräumen gesucht wurde. Generell gilt: Es ist aus unserer Sicht nicht akzeptabel, wenn in Schulen nicht die in der Gesellschaft üblichen Abstandsregeln eingehalten werden.

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Die Politik verweist darauf, dass die Klassenräume sich nun mal nicht vergrößern lassen. Dafür setzt sie darauf, Lerngruppen strikt voneinander zu trennen.

Fraglos ist es vernünftig, in der Pandemie auf feste Gruppen in den Schulen zu achten. Dennoch ist das, was jetzt umgesetzt wird, nur eine Scheinlösung. Im Schulbus sind dann ja doch alle eng zusammen. Und die Lehrer müssen nun einmal von Klasse zu Klasse gehen.

Das lässt sich kaum ändern, wenn man – zum Wohl der Kinder – regulären Unterricht möchte.

Auch wenn es alles andere als einfach ist, kann man natürlich noch mehr für die Sicherheit von Lehrkräften und Schüler in Zeiten von Corona tun. Die Zahl der Kontakte in den Schulen ließe sich zum Beispiel weiter reduzieren, indem man den Unterricht anders als sonst organisiert. Dann müsste eben die eine Klasse eine Zeit lang von einer Teilgruppe von Lehrkräften in einem Teil des Fächerkanons unterrichtet werden, danach wird gewechselt.

Wie stehen Sie zu Masken auch im Unterricht?

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Masken im Unterricht sind pädagogisch natürlich nicht sinnvoll. Aber die Pandemie richtet sich leider nicht danach, was pädagogisch sinnvoll ist. Dort, wo Abstände nicht eingehalten werden, können Masken die Infektionsgefahr zumindest mindern – auch im Unterricht. Alle Schulkonferenzen müssten die Möglichkeit bekommen, eine Maskenpflicht an ihrer Schule zu beschließen, die über die Vorgaben aus dem Ministerium hinausgeht. Es geht in jeder einzelnen Schule darum, dass alle Beteiligten sich so gut wie möglich geschützt fühlen können.

Gibt es diesmal weniger Chaos, falls es wieder zu generellen Schulschließungen kommt?

Davon gehe ich fest aus. Alle haben während der Schulschließungen Erfahrungen gesammelt. Es ist unsere erste Pandemie – und wir haben vieles dazugelernt. Leider gibt es aber auch Probleme, die sich nicht ohne weiteres beheben lassen. Die Eltern sind aus Datenschutzgründen nicht verpflichtet, Lehrkräften ihre Telefonnummern zu geben. Ohne Kontaktmöglichkeit sind die Lehrkräfte aber aufgeschmissen, wenn die Schüler nicht am Fernunterricht teilnehmen.

Wären wir jetzt nicht weiter, wenn alle Lehrer sich in den Ferien im digitalen Unterrichten fortgebildet hätten?

Die Wahrheit ist doch: Eine Fortbildungspflicht in den Ferien hätte schon deshalb nicht weitergeholfen, weil es zu wenige Angebote gab. Diesen Mangel gibt es weiterhin. Die meisten Lehrkräfte wollen sich unbedingt fortbilden – auch und gerade im digitalen Unterrichten. Die Kultusminister müssen ihren vielen Ankündigungen endlich mit ausreichend vielen guten und vor allem passgenauen Fortbildungsangeboten Taten folgen lässt. Der Ball liegt im Spielfeld der Politik, nicht bei den Lehrkräften.

Das sehen Eltern anders, die erlebt haben, wie einige Lehrer in der Zeit der Schulschließungen geradezu abgetaucht sind.

Die meisten Lehrkräfte haben während der Schulschließungen mehr gearbeitet als sonst – um möglich zu machen, was auch immer ging. In jedem Beruf gibt es auch einzelne, die sich nicht optimal einbringen. Es ist aber ungerecht, von solchen Fällen auf alle Lehrkräfte zu schließen.

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