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Marx will kein Bischof mehr sein – wann lässt der Papst ihn gehen?

  • Mit dem Erzbistum München und Freising erlebt eins der größten, bedeutendsten und reichsten katholischen Bistümer in Deutschland stürmische Zeiten.
  • Kardinal Marx will sein Bischofsamt niederlegen.
  • Was den Rücktritt so besonders macht, wie es im Bistum weiter geht und wann Papst Franziskus Marx Bitte annimmt – die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.
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München. Der 4. Juni 2021 war ein denkwürdiger Tag für die katholische Kirche in Deutschland: Kardinal Reinhard Marx, ein Nachfolger von niemand geringerem als Joseph Ratzinger im Amt des Erzbischofs von München und Freising, will dieses Bischofsamt niederlegen. Zu schwer wiegt seiner Ansicht nach die Schuld, die die Kirche insgesamt sich auferlegt hat mit dem massenhaften sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Priester und Ordensleute.

Wie geht es jetzt weiter im Münchner Bistum?

Die Antwort weiß ganz allein der Papst. Nach Angaben der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) kann es Wochen dauern oder sogar Monate, bis er über das Rücktrittsgesuch von Marx entschieden hat. „Papst Franziskus ist kein Papst, der Dinge schnell übers Knie bricht“, sagt der Kirchenrechtler Thomas Schüller, Direktor des Institutes für Kanonisches Recht an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster. Daniel Bogner, Professor für theologische Ethik an der Universität Freiburg in der Schweiz, glaubt dagegen, dass Franziskus sich nicht allzu lange Zeit lassen wird: Der Schritt sei mit dem Papst abgesprochen. „Ich gehe deshalb davon aus, dass die Reaktion des Papstes nicht lange auf sich warten lassen wird.“

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Wie wahrscheinlich ist es, dass der Papst das Rücktrittsgesuch annehmen wird?

„Rücktrittsangebote werden in der Regel angenommen“, sagt Schüller. Allerdings gibt er zu bedenken, dass die Annahme des Rücktritts für den Papst auch schwierige Konsequenzen haben kann: „Da neben München auch Hamburg und Köln möglicherweise zu besetzen sein werden, stellt sich für Rom grundsätzlich die Frage, wo die neuen Erzbischöfe überhaupt herkommen sollen. Denn die katholische Kirche in Deutschland leidet unter einem eklatanten Mangel an Klerikern, die für das Bischofsamt überhaupt in Frage kommen.“

Wenige Wochen vor Marx hat auch der Hamburger Erzbischof Stefan Heße dem Papst seinen Rücktritt angeboten - im Gegensatz zu Marx nicht ganz freiwillig, sondern wegen von Gutachtern nachgewiesener Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchsfällen. Der Kölner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, steht seit Monaten im Feuer der Kritik und wird nun von zwei Apostolischen Visitatoren begutachtet.

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Kardinal Woelki wird überprüft: Apostolische Visitatoren in Köln
0:56 min
Die Bischöfe Anders Arborelius und Hans van den Hende, sollen im Auftrag von Papst Franziskus die Arbeit von Kardinal Rainer Maria überprüfen.

Wie häufig sind Rücktritte von Bischöfen vor dem 75. Lebensjahr in Deutschland?

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„Das kommt sehr selten vor, weil es dem Amtsverständnis widerspricht“, sagt Bogner. „Fehler in der Amtsführung werden wegen dieses Amtsverständnisses viel weniger schwer gewichtet, als es eigentlich nötig wäre. Beim Thema Missbrauch zeigt sich diese Problematik in besonders skandalöser Weise.“

Gerade erst hat der Hamburger Erzbischof Heße seinen Rücktritt angeboten. Schüller nennt noch weitere Beispiele aus jüngerer Vergangenheit: Franz-Peter Tebartz-van Elst aus Limburg oder Bischof Walter Mixa aus Augsburg, der nach Vorwürfen, er habe Kinder geschlagen, zurücktrat.

Was macht den Rücktritt von Marx so besonders?

„Das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx ist auch wegen des Zeitpunkts außergewöhnlich: Es kommt relativ spontan, aus freien Stücken, nicht erst am Ende einer zermürbenden öffentlichen Diskussion“, sagt Bogner. „Kein großer Schritt für die Menschheit, aber ein großer Schritt für die Katholische Kirche.“

Was geschieht, wenn der Papst Marx‘ Rücktrittsangebot annimmt?

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Das Domkapitel wählt dann einen Administrator, der das Bistum führt. Nach Angaben Bogners übernimmt für die Zeit der sogenannten Sedisvakanz, also den Zeitraum, in dem ein Bischofsstuhl nicht besetzt ist, in der Regel jemand aus dem engeren Kreis der bisherigen Bistumsleitung die Aufgabe, etwa einer der Weihbischöfe. Ein neuer Erzbischof wird dann vom Papst ernannt.

Wann würde ein Nachfolger für Marx feststehen?

Nach Angaben der DBK würde das „mehrere Monate dauern“. Schüller spricht sogar von einem Zeitraum bis zu einem Jahr. „Das Domkapitel von München, aber auch die anderen bayerischen Bischöfe dürfen dem Papst Vorschläge unterbreiten“, sagt er. Die Entscheidung liegt aber in Rom. „Es ist ein typisches Element der monarchischen Kirchenverfassung, die in der Regel eben keine verbindlichen Beteiligungsrechte der Ortskirchen kennt“, sagt Bogner.

Wer käme denn als Nachfolger von Marx überhaupt infrage?

Laut DBK kann „jeder geweihte Priester aus dem gesamten Bundesgebiet Erzbischof von München und Freising werden“. Allerdings sei es bei Erzbistümern „üblich, dass deren Oberhirten bereits einige Jahre Erfahrung auf anderen Bischofssitzen sammeln konnten“, sagt Bogner.

Nach Angaben von Rafael Rieger, Professor für Kirchenrecht und Kirchliche Rechtsgeschichte an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, muss ein Bischofskandidat laut Kodex des kanonischen Rechtes mindestens 35 Jahre alt und seit wenigstens fünf Jahren Priester sein, einen „guten Ruf“ haben und in der Regel einen Doktortitel in Theologie haben. Theoretisch könnte auch jemand aus dem Ausland berufen werden. „Allerdings ist dies meines Wissens in Deutschland noch nie geschehen“, sagt Rieger.

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Welches Zeichen könnte Franziskus mit einem Nachfolger für Marx setzen?

„Der Papst könnte eine Person bestimmen, die den von ihm angedachten Reformkurs auch explizit thematisiert und darin noch einige Schritte weiter geht, als Marx es von seiner Herkunft und Generation her konnte“, sagt Bogner.

RND/dpa

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