„Lustig war er auch nicht“

Dachverband der DDR-Opfer kritisiert Söders Honecker-Vergleich

Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Chef, hält eine Rede beim politischen Aschermittwoch der CSU.

Berlin. Der Vorsitzende der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft (UOKG), Dieter Dombrowski, hat kritisiert, dass der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) mit der DDR-Volksbildungsministerin Margot Honecker verglichen hat.

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„Das ist ein dem Politischen Aschermittwoch geschuldeter, unpassender Vergleich“, sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Margot Honecker war eine richtige Kriminelle und eine kommunistische Verbrecherin. Frau Lemke ist das definitiv nicht. Dieser Vergleich ist deshalb nicht angemessen. Und lustig ist er auch nicht.“ Die UOKG ist der Dachverband der DDR-Opfer.

Auch Kritik von SED-Opferbeauftragter

Die SED-Opferbeauftragte des Bundestages, Evelyn Zupke, sagte dem RND: „Als Ministerin für Volksbildung trägt Margot Honecker die Verantwortung für den geschlossenen Jugendwerkhof Torgau - einen Ort, an dem junge Menschen aus politischen Gründen inhaftiert und teils schweren Misshandlungen ausgesetzt waren. DDR-Vergleiche wie der von Markus Söder zeigen mir, wie wenig in unserer Gesellschaft über die Repression in der DDR bekannt ist. Für die Opfer der SED-Diktatur ist dies immer wieder verletzend.“

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Söder hatte Lemke in seiner Rede beim Politischen Aschermittwoch in Passau als „grüne Margot Honecker“ bezeichnet. Sie sei ein „Musterbeispiel“ für immer neue Auflagen gegen Bauern, sagte er in dem Zusammenhang und forderte „Freiheit für die Fleißigen“.

Lemke: „Entgleisung“

Margot Honecker war 26 Jahre lang Ministerin für Volksbildung im SED-Regime und gilt als Verantwortliche für schwere Menschenrechtsverletzungen in Spezialheimen und Jugendwerkhöfen. Dort wurden Kinder und Jugendliche auch aus politischen Gründen festgehalten und schwer misshandelt. Ein Sprecher Lemkes, die in Dessau (Sachsen-Anhalt) geboren wurde, reagierte mit den Worten: „Diese Entgleisung von Markus Söder ist ebenso geschichtsvergessen wie grenzüberschreitend.“