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  • Markus Söder: Warnung vor Corona-Drama in Bayern und Kollaps des Gesundheitssystems

Söder warnt vor Kollaps des bayerischen Gesundheitssystems: „Stehen vor einem Corona-Drama“

  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat sich am Dienstag zur Corona-Lage im Freistaat geäußert.
  • In seiner Regierungserklärung warnte er vor dem Kollaps des gesamten Gesundheitssystems.
  • Die Zahl der Patienten habe zu einer bislang ungekannten Konkurrenzsituation in den Kliniken geführt.
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München/Söder. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder hat vor dem Kollaps des Gesundheitssystems im Land gewarnt. „Obwohl Bayern mit das beste Gesundheitssystem Deutschlands und der Welt hat, droht die komplette Überlastung“, sagte Söder am Dienstag in seiner Regierungserklärung im Bayerischen Landtag in München.

Es gebe inzwischen nicht mehr nur eine Konkurrenzsituation unter Corona-Patienten in den Kliniken, sondern auch unter jenen, die wegen anderer Beschwerden behandelt werden müssten, sagte Söder. „Es geht nicht mehr nur um Corona, sondern um die gesamte Gesundheitssituation.“ Die medizinische Versorgung könne sich unter diesem Aspekt für alle rasant verschlechtern.

Söder machte dabei die niedrige Impfbereitschaft für die brisante Situation in Bayern verantwortlich. „Wo die Impfquote am niedrigsten ist, ist die Infektionsrate am höchsten.“ 90 Prozent der Patienten in den Krankenhäusern seien ungeimpft. Dies gelte nicht nur im bundesweiten Nord-Süd-Vergleich. Selbst in Bayern sei der Trend zu beobachten, so Söder. „Die Altbayern sind alle hinter den Franken, was das Impfen betrifft.“ Die Impfskepsis, auch bei anderen Vakzinationen, sei aber generell ein Problem in ganz Süddeutschland und im Alpenraum.

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Daneben sei aber auch die vierte Welle heimtückischer als alle vorangegangenen. Die aggressive Delta-Variante habe für eine viermal höhere Infektionslage als in der dritten Welle gesorgt. Auch deshalb merkte der CSU-Chef an: „Wir stehen schon wieder vor einem Corona-Drama.“ Der Freistaat habe bereits den Katastrophenfall ausgerufen, um Patienten auf Kliniken verteilen zu können. Doch das allein reiche nicht mehr. „Wir müssen das Kleeblattsystem aktivieren“, forderte er. Dieses sieht die Verteilung auf Kliniken in anderen Bundesländern vor.

Söder: habe Dynamik und Tempo der vierten Welle nicht gesehen

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Söder hat in der Regierungserklärung auch eingeräumt, die vierte Corona-Welle in ihrer Wucht nicht kommen gesehen zu haben. Dass es eine vierte Welle geben werde, hätten viele erkannt. „Die Dynamik und Geschwindigkeit, die haben viele nicht gesehen, ich auch nicht“, sagte Söder. Auch renommierte Wissenschaftler hätten eine Entwicklung, wie sie sich aktuell präsentiert, nicht vorausgesehen, sagte Söder. Eine ähnliche Aussage tätigte Söder schon vor wenigen Tagen.

Der bayerische Regierungschef betonte, es gebe aus seiner Sicht noch keine gesetzliche, wohl aber eine moralische Impfpflicht. „Wir brauchen mehr Idealisten im Land statt Ichlinge“, sagte Söder. Nicht in jeder Gaststätte werde etwa – wie vorgeschrieben – nach dem Impfausweis gefragt. Es gebe Menschen, die Impfausweise oder Testergebnisse fälschten. Söder bezeichnete dies als unsolidarisch. Wer so etwas tue, zeige, dass er keine Solidarität mit anderen habe. Er kündigte massive Kontrollen und erhebliche Strafen an. „Wer sich nicht solidarisch verhält, muss auch damit rechnen, dass man einen Betrieb schließt“, betonte der Ministerpräsident.

Bayern will Schulen offen halten

Auch die Schließung von Schulen im Kampf gegen die vierte Corona-Welle will Söder weiterhin möglichst vermeiden. „Wir wollen aus anderen Pandemiewellen lernen und nicht wieder bei Kindern und Jugendlichen anfangen“, so der CSU-Chef. Es werde viel getestet, das Tragen der Maske im Unterricht sei zentral. Trotz aller Kritik an der Maskenpflicht für Schulkinder sagte Söder: „Es war, glaube ich, eine richtige Entscheidung.“

RND/jst/dpa

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