Kurz bei Söder: „Wunder-Wuzzi“ trifft den „Kandidaten der Herzen“

  • Verantwortungslosigkeit in der Corona-Politik hat Bayerns Ministerpräsident Markus Söder der österreichischen Regierung noch vor Kurzem vorgeworfen.
  • Jetzt traf er sich mit Kanzler Sebastian Kurz zum Versöhnungsversuch – und kündigte selbst weitere Öffnungen an.
  • Zum „Kanzlerkandidaten der Herzen“ erklärte ihn Kurz deswegen dennoch nicht.
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München. Markus Söder hat Sebastian Kurz mit nach draußen genommen, in den Park hinter die Münchner Staatskanzlei. Sonne, blühende Wiesen, zwei mächtige Baumstümpfe zum Anlehnen statt der üblichen Stehpulte. Söder hat die Krawatte weggelassen, ganz locker, im freistaatlichen Natur-Romantik-Setting.

Der österreichische Kanzler ist zu Besuch.

Einer, der den Aufstieg an die Spitze des Staates geschafft hat und den sie zu Hause „Wunder-Wuzzi“ nennen, und ein anderer, der im Anlauf zum Aufstieg stecken geblieben ist, erst mal bayerischer Ministerpräsident bleibt und sich selber mit dem Titel „Kanzlerkandidat der Herzen“ hinwegtröstet.

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Gemeinsam gegen Merkel

Söder, der so grimmig schauen kann, wenn es um Corona geht, bekommt das Lächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht. Es ist schwierig gewesen mit den beiden in den letzten Monaten. Söder sagt es so: Man habe oft telefoniert in der Corona-Krise. „Aber nicht jedes Telefonat war ein Honeymoon-Telefonat.“

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) während des Treffens mit Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz. © Quelle: imago images/Sammy Minkoff

Das ist auch deswegen besonders, weil Söder und Kurz vor einigen Jahren so eng miteinander gewesen sind, gemeinsam gegen Angela Merkels Flüchtlingspolitik war die Devise. Dann kam ein Streit über die Brenner-Autobahn und dann Corona. Söders Antwort auf die Ursache der Krise und die in Bayern besonders hohen Infektionszahlen war über Monate: Österreich. Genauer gesagt Ischgl, der Wintersportort, in dem sich tatsächlich viele angesteckt hatten. Kurz fand das unnötig, es gab Zusatzärger um geschlossene Grenzen.

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Noch im Februar kritisierte Söder, dass die österreichische Regierung ein bisschen zu flott vorangehe mit ihren Öffnungen. Unverantwortlich sei das, so ließ er es seinen CSU-Generalsekretär Markus Blume vortragen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz während der Pressekonferenz mit Markus Söder in der Staatskanzlei in München. © Quelle: imago images/Sammy Minkoff
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„Es gibt immer ein Auf und Ab“, sagt Söder jetzt. Und lächelt. Man habe viel voneinander gelernt. Er freue sich, dass auch in Österreich jetzt die Infektionszahlen sänken. „Die Bayern mögen die Österreicher – und ich hoffe, die Österreicher auch die Bayern.“ Lächeln, ein werbender Blick zu Kurz. Lass uns wieder Freunde sein, sagt er aber dann doch nicht.

Tourismus ab Pfingsten

Es gibt ja auch noch etwas zu verkünden: Die Grenzen werden ab Mittwoch wieder geöffnet für Einkäufe und Besuche. Und an Pfingsten soll der Tourismus wieder richtig losgehen, in Bayern wie in Österreich, nicht dass alle nur noch an die Nord- und Ostsee fahren. Söder schwärmt vom Ökotourismus, da werde man jetzt richtig investieren. „Ab dem 19. Mai werden wir breitflächig öffnen“, sagt Kurz nüchtern.

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Ausflüge nach Österreich möglich: Bayern öffnet Grenzen ab Mittwoch
1:04 min
Grenzübergreifende Treffen wieder möglich: Das sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder nach einem Gespräch mit Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz.  © Reuters

Er hat, weniger romantisch oder vielleicht aus Statusbewusstsein, seine Krawatte anbehalten. „Das Jahr der Pandemie war ein forderndes Jahr“, sagt Kurz. Die Retourkutsche für den Ärger der vergangenen Monate flicht er ins Eigenlob: Österreich sei mit Masken und vielen Tests ja „gut durch die dritte Welle“ gekommen, sagt Kurz. Wie war das mit der Verantwortungslosigkeit?

Und so ganz ausgestanden ist der Streit dann offenbar doch noch nicht. Geöffnet werde nach dem 3G-Prinzip, sagt Kurz, also für Getestete, Geimpfte und Genesene. Söder sagt, in Bayern sei man da vorsichtiger und setzte auf 2G, also Öffnungen für Geimpfte und Genesene. Aber natürlich, auch den österreichischen Ansatz könne man vertreten, „völlig klar“.

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Hätte sich Kurz eigentlich Söder als Kanzlerkandidat der Union gewünscht statt CDU-Chef Armin Laschet, fragt eine Journalistin. Seine Volkspartei, die ehemalige ÖVP, habe ein gutes Verhältnis zu CDU und CSU, antwortet der österreichische Kanzler. Und in die Kanzlerkandidatenfrage werde er sich nicht einmischen.

„Hätte schon ein bisschen euphorischer sein können“, bemerkt Söder. Und lacht wieder.

Die Staatskanzlei versichert, die Deko-Baumstümpfe gehörten zu einer Tanne, die vor der Fällung bereits abgestorben gewesen sei.

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