CSU-Chef

Wenn Markus Söder NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst empfängt

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (rechts) empfängt seinen nordrhein-westfälischen Amtskollegen Hendrik Wüst (CDU) in der Staatskanzlei.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (rechts) empfängt seinen nordrhein-westfälischen Amtskollegen Hendrik Wüst (CDU) in der Staatskanzlei.

Berlin. Markus Söder fasst sich kurz, und das ist schon etwas Besonderes, erst recht wenn ein Ministerpräsident aus Nordrhein-Westfalen den Weg nach München findet. Dreieinhalb Minuten dauert das Statement des bayerischen Regierungs- und CSU-Chefs, Hendrik Wüst als Gast spricht fast doppelt so lange. In einer Söder-Welt, in der es meist um größer, länger, weiter geht – um den Wettbewerb also – ist das ein beachtenswerter Vorgang. Söder, zwischenzeitlich gerne mal leger unterwegs, hat sogar mal wieder eine Krawatte angezogen, mittelblau, Ton in Ton mit Wüst.

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„Wir sind sehr, sehr lange Bekannte“, sagt Söder. „Und, ich hoffe, ich sage nichts Falsches: auch langjährige Freunde aus der Jungen Union.“ Es ist ein sehr ausdrückliches Bemühen um Gemeinsamkeit.

Der letzte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat es nicht leicht gehabt mit Söder. Zuerst war da der Wettbewerb um die beste Corona-Politik: Söder gab den Strengen, Laschet den Um-Ausgleich-Bemühten. Dann sprach Söder Laschet partout die Eignung zum Kanzlerkandidaten ab, das Bratwurst-Versöhnungsessen auf Herzchentellern kurz vor der Bundestagswahl nützte dann auch nichts mehr.

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In der NRW-CDU waren sie über Söder alles andere als begeistert, Wüst war als Verkehrsminister im Team Laschet. Mittlerweile ist Söder bei Corona von streng zu locker gewechselt, und Laschet ist nicht mehr Ministerpräsident, nicht mehr CDU-Chef und auch nicht mehr Kanzlerkandidat.

Sein Nachfolger Wüst ist gerade Vorsitzender der Ministerpräsidentenkonferenz. Er hat außerdem eine Landtagswahl vor sich: Im Mai muss er versuchen, sich in dem Amt zu behaupten, das er erst vor ein paar Monaten übernommen hat. Der Besuch in München kann als Teil des Landtagswahlkampfs gesehen werden: Wüst und Söder fordern die Bundesregierung auf, etwas gegen die steigenden Energiepreise zu unternehmen, mit einer höheren Pendlerpauschale und einer Senkung der Stromsteuer zum Beispiel. Das hat die Unions-Bundestagsfraktion vergangene Woche bereits getan. „Wir sind nahezu gleichlautend unterwegs“, räumt Wüst ein.

Ein Besuchstermin ist noch mal eine Gelegenheit, um ein paar griffige Sätze zu sagen: „Eine warme Wohnung darf nicht zur neuen sozialen Frage werden“, sagt Wüst. Söder bleibt ungewöhnlich technisch, die Bundesregierung sei in dieser Frage „kalt und hartherzig“.

Und den langen Ausführungen von Wüst, der ausführlich erläutert, dass die Bürgerinnen und Bürger im ländlichen Raum einen besonderen Ausgleich für steigende Energie- und Benzinpreise bräuchten, fügt der bayerische Ministerpräsident dann doch auch noch einen plakativen Satz hinzu: „Wir werden es nicht schaffen, in relativ nahem Zeitraum eine U-Bahn nach Schneitzelreuth zu bauen.“

In relativ nahem Zeitraum wird allerdings klar sein, ob Wüst sein Ministerpräsidentenamt behalten wird. In der CDU heißt es, der 46-jährige Wüst sei dann der Zukunftsmann der Partei, mehr als der neue Parteichef Friedrich Merz – und in der Union möglicherweise mehr als Söder.

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Dessen Landtagswahl steht 2023 an. Er werde nicht verraten, ob Söder ihm Tipps für den Wahlkampf gegeben habe, sagt Wüst. Er verzichte mittlerweile darauf, Tipps zu geben, entgegnet Söder. „Das gibt nur Ärger“, sagt Söder und lacht.

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