Markus Söder und der wackelige Sockel des Kanzlerkandidaten

  • Nach der Entscheidung über den CDU-Vorsitz steht bei der Union noch die Klärung der Kanzlerkandidatur aus.
  • CSU-Chef Markus Söder hat die besten Umfragewerte, bezeichnet diese allerdings als nicht entscheidend.
  • Es könnte sein, dass Söder Armin Laschet den Vortritt lässt, weil ihm eine Kanzlerkandidatur zu riskant ist, kommentiert Daniela Vates.
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Berlin. Markus Söder könnte triumphieren. Die CDU hat einen neuen Parteivorsitzenden – und in Umfragen gilt weiter der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef als aussichtsreichster Kanzlerkandidat der Unionsparteien. Es ist davon auszugehen, dass Söder nun einige zusätzliche Herzen aus der CDU zufliegen – aus dem enttäuschten Friedrich-Merz-Lager, zu dessen Versöhnung der unterlegene Kandidat bisher nichts beigetragen hat.

Söders Reaktion allerdings ist zurückhaltend. Der sonst der Eigeninszenierung nicht abgeneigte Bayer stellt sich nicht aufs Podest, er stellt sich daneben, Hand in Hand mit Laschet. Zwar hält sich Söder eine Kandidatur weiter offen. Aber das muss er schon formal tun, wenn die Entscheidung tatsächlich erst im März fallen soll, wie er und Armin Laschet es planen.

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Fraktionschefs reagieren auf Armin Laschets Wahl
2:17 min
Am Samstag wurde der NRW-Ministerpräsident Armin Laschet auf einem digitalen Parteitag zum neuen CDU-Chef gewählt.  © Reuters
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Interessant an Söders Einlassungen sind andere Hinweise: Umfragewerte seien volatil und daher nicht das wesentliche Kriterium für die Kanzlerkandidatur, sagt er.

Und auch von einer anderen Last befreit er den neuen CDU-Vorsitzenden: Die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März, die für die CDU nicht unbedingt positiv ausgehen dürften, werden für die K-Frage nicht ausschlaggebend sein. Bei einem neuen Trainer könne schließlich nicht das erste Spiel der Maßstab sein.

Es sieht also so aus, als würde Söder Laschet den Weg ebnen. Er hat – bei allem Kokettieren mit dem Einzug ins Kanzleramt – immer betont, sein Platz sei in Bayern.

Vielleicht hat er das ernst gemeint, vielleicht ist er einfach ein kühler Rechner: Die Union muss damit rechnen, dass ohne Angela Merkel an der Spitze die Wählerzustimmung einbricht. Da sind die nächsten Landtagswahlen in Bayern eine deutlich erfolgversprechendere Sache.

Das Kanzlerkandidatenpodest ist ein wackeliges. Es könnte für Söder ein Grund sein, Laschet den Vortritt zu lassen.

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