Markus Söder, das Wattenmeer und die verflixte Kanzlerfrage

  • CSU-Chef Markus Söder nutzt den Deutschlandtag der Jungen Union, um vor einer frühen Festlegung des Unions-Kanzlerkandidaten zu warnen.
  • Wie Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer fordert er die JU zu einem progressiveren Kurs auf.
  • Und die Idee eines vierten CDU-Kandidaten kommt auch wieder ins Spiel.
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Berlin. Was man alles so bekommen kann von Markus Söder: Reisetipps zum Beispiel. „Jeder sollte einmal auf der Zugspitze gewesen sein und einmal auf Helgoland“, sagt der bayerische Ministerpräsident.

Die Junge Union, die Jugendorganisation von CDU und CSU, hat sich zur Jahresversammlung versammelt, wegen Corona diesmal im Onlineformat mit Bücherregaldeko samt gerahmtem Merkel-Foto. Und Söder spricht vom Wattenmeer. Der größte Nationalpark Deutschlands sei das ja. Es muss schon was los sein, wenn Söder den Superlativ mal nicht in Bayern platziert.

Wenn man zum Beispiel Unions-Kanzlerkandidat werden wollte, würde es sich lohnen, CDU-Landesverbände wie Schleswig-Holstein zu umwerben.

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Söder wird in der Union als möglicher Kandidat gehandelt, er ist der mit den besten Umfragewerten. Er hat sich dazu nicht festgelegt. In der CDU gehen viele davon aus, dass ein neuer CDU-Vorsitzender schnell nach seiner Wahl auf dem bislang für Mitte Januar geplanten Parteitag seinen Anspruch anmelden wird.

Kanzlerkandidat? Bloß nicht zu schnell festlegen

Söder bremst: Man dürfe den Kanzlerkandidaten nicht zu früh festlegen, sagt er bei der JU. Es sei nicht gut, gleich einen Kandidaten auszurufen, nur weil „dieser oder jener“ eine bestimmte Position erlangt habe. „Wir dürfen keinen falschen Frühstart machen“, sagt Söder. Bei der SPD habe man bei der letzten Wahl 2017 gesehen, „wo das geendet ist: im freien Fall“.

„Nummer eins wird man nicht, weil man es schon war, oder weil man es gerne wäre“, sagt er auch. Es brauche Konzepte für die Klimapolitik, eine Corona-Steuerreform und Technologieinvestitionen. Neue Türen müsse man aufstoßen. Man dürfe „nicht zurückkehren zu Konzepten, die sowieso nicht funktionieren.“

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Als Zwischen-den-Zeilen-Gruß an den CDU-Vorsitz-Kandidaten Friedrich Merz lässt sich das lesen: Dessen Gegner argumentieren, der 65-Jährige mit seinem aus dem Beginn der Zweitausenderjahre stammenden Ruf als „Bierdeckel-Steuerreformer“ sei kein Angebot für die Zukunft.

Die JU will Merz – oder zumindest ein Teil von ihr

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Die Junge Union allerdings hat Merz per Onlinemitgliederentscheid zu ihrem Parteivorsitzkandidaten gekürt. 20 Prozent der Mitglieder haben mitgestimmt. „Mich hätte interessiert, was die anderen 80 Prozent gewählt hätten“, lästert Söder. Später wird er sagen, Merz’ Konkurrent Armin Laschet habe ihn zu der Bemerkung angestiftet.

Der Jungen Union empfiehlt Söder mehr Offenheit. Als zu konservativ, zu männlich, zu rückwärtsgewandt wird die Nachwuchsorganisation in der Unionsspitze oft beschrieben. Die JU dürfe „nicht das erzählen, was man immer erzählt hat“, findet Söder und beschwert sich, dass die Jugendorganisation eine Ausweitung der Frauenquote in der CSU mit verhindert habe. Auch Noch-CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer drängt auf der Versammlung, die CDU müsse die Breite der Bevölkerung abbilden. „Das muss auch der Anspruch der Jungen Union sein.“

Die Junge Union erhöhe den Anteil der Frauen in ihrem Vorstand von rund 20 auf 40 Prozent, hebt Kuban hervor. „Ein wichtiger Schritt“, sagt Kramp-Karrenbauer. „Aber Pari-Pari hätte mich mehr gefreut.“ Sie fügt hinzu: „Es heißt ja Junge Union, nicht Jungenunion.“

Merz lehnt die für die CDU-Führungsgremien empfohlene Frauenquote, die ein Parteitag noch bestätigen muss, ab.

Am Ende schenkt die JU Markus Söder eine schwarze Tasse mit Thermoeffekt. Mit warmer Flüssigkeit erscheint darauf ein Schriftzug. „Ist das die Tasse, wo der Name des Kanzlerkandidaten auftaucht?“ fragt Söder. „Wäre mal eine originelle Idee“, sagt Söder.

Noch-Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer versichert, der Parteitag werde im Januar stattfinden. Merz, Laschet und Norbert Röttgen wollen kandidieren. Oder?

„Wer weiß, ob es bei den Dreien bleibt“, orakelt Söder. „Ist ja alles möglich.“

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