Mannomann, Merz

  • Der CDU-Politiker Friedrich Merz wird im Hochsauerlandkreis nach einer kämpferischen Rede zum Direktkandidaten gewählt.
  • Sein Verhohnepipeln von „Gender-Leuten“ mit Sprüchen wie „Frauofrau“ und „Hähnch*Innen-Filet“ findet allerdings das erwartbare geteilte Echo.
  • RND-Autorin Kristina Dunz findet: Womöglich hat Merz nun so manch einen auf eine Idee gebracht.
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Berlin. Der 65 Jahre alte Friedrich Merz ist für die CDU der neue Bundestags­direktkandidat im Hochsauerlandkreis, und sein Sieg über den 49-jährigen Patrick Sensburg hat viel mit seiner Rede zu tun.

Ein glänzender Redner sei er, legendär seien seine Attacken als Unions­fraktionschef im Bundestag zu rot-grünen Bundes­regierungs­zeiten gewesen, hieß es oft – bis er seine beiden Kandidaturen um den CDU-Vorsitz an den Tagen der Wahl auch deshalb verlor, weil er bei seinen Bewerbungsreden patzte.

Aber am Samstag im Stadion Große Wiese in Arnsberg lief es super für ihn. Da war er wieder, der gute Rhetoriker. Er gewann die Nominierung deutlich.

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Merz: CDU hat den Kompass verloren

Die CDU habe den Kompass verloren, sagte er. Er wolle noch einmal einen Anlauf, einen neuen Aufbruch vielleicht doch noch zum Besseren zu wagen – von der Basis aus. Denn die ganze Kraft der CDU komme nicht von oben. Seit vielen Jahren komme sie von dort nicht mehr.

Klar, das war gegen Angela Merkel gerichtet, seine Lieblings­parteifeindin. Aber sie ist ja seit 2018 „nur“ noch Kanzlerin. Parteichef ist seit Januar Armin Laschet. Ob er ihn auch meinte, obwohl er ihm doch gerade im Machtkampf mit CSU-Chef Markus Söder um die Kanzler­kandidatur den Rücken gestärkt hatte?

Mehr erregt die Gemüter in den sozialen Medien aber etwas anderes: Sein Angriff auf eine gendergerechte Sprache, sein Verhohnepipeln von Bemühungen, Frauen und Männer gleichberechtigt zu nennen.

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„Kinder und Kinderinnen?“

„Grüne und Grüninnen?“, „Spielplätze für Kinder und Kinderinnen?“, „Hähnch*Innen-Filet?“ – das „Team Merz“ verbreitet die Sprüche schnell via Twitter. Sie werden tausendfach geteilt, geherzt oder gegeißelt.

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Merz kennt das schon. Es ist nicht das erste Mal, dass er das aufs Korn nimmt, und es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Schon im vergangenen November fand er bei „Anne Will“, dass es Wichtigeres gebe.

Eine Twitter-Userin schrieb ihm am Samstag: „Kanzlerin … tut immer noch weh, was?“ Eine Anspielung wohl darauf, dass es Merkel war, die ihn 2002 als Fraktionschef abservierte und seit 16 Jahren Kanzlerin ist.

„Wer gibt diesen #Gender-Leuten eigentlich das Recht, einseitig unsere Sprache zu verändern?“, will Merz jetzt wissen. Und er hat noch zwei Beispiele: „Frauofrau statt Mannomann“ und „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Mutterland“? Tja, da könnte man ins Nachdenken kommen.

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Mannomann kann ja wirklich einseitig negativ für Männer verstanden werden. Frauofrau wäre da ausgleichende Gerechtigkeit. Und Mutterland statt Vaterland? Vielleicht so: „Einigkeit und Recht und Freiheit für das deutsche Vater- und Mutterland.“ Wer weiß, womöglich hat Merz da nun so manch einen auf eine Idee gebracht.

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