• Startseite
  • Politik
  • Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe ist tot

Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe ist tot

  • Er war viele Jahre Ministerpräsident von Brandenburg: Manfred Stolpe.
  • Nun ist der SPD-Politiker im Alter von 83 Jahren gestorben.
  • Darüber informiert die Staatskanzlei auf ihrer Webseite.
Anzeige
Anzeige

Potsdam. Brandenburgs früherer Ministerpräsident Manfred Stolpe ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Das teilte die Staatskanzlei in Potsdam auf ihrer Webseite mit. Stolpe sei in der Nacht zum Sonntag nach langer, schwerer Krankheit im Kreise seiner Familie gestorben, heißt es dort. Der SPD-Politiker ging offen mit seiner Krebserkrankung um.

„Dies ist ein Tag tiefer Trauer“, erklärte Ministerpräsident Dietmar Woidke demnach. „Wir nehmen Abschied von einem großen Mann, der unser junges Land geprägt hat wie niemand sonst.“ Und weiter: „Er gab dem Land Stimme und Gesicht. Im besten Sinne des Wortes war Manfred Stolpe Landesvater und Mutmacher in einem.“

In der Staatskanzlei soll ab Samstag, 11 Uhr, ein Kondolenzbuch ausgelegt werden.

Weiterlesen nach der Anzeige
Anzeige

Der SPD-Politiker Stolpe war von 1990 bis 2002 der erste Ministerpräsident Brandenburgs nach der Wende. Von 2002 bis 2005 bekleidete er das Amt des Bundesministers für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen.

1 von 13
1 von 13
Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte Manfred Stolpe 2002 ins Bundeskabinett geholt - als Verkehrsminister. Damit wurde der SPD-Politiker auch bundesweit bekannt. Doch die Rolle seines Lebens war eine andere.  @ Quelle: imago images/Koall

Stolpe wurde 1936 bei Stettin geboren und studierte nach dem Abitur in Greifswald ab 1955 an der Uni Jena Rechtswissenschaften. Danach zog es ihn in den Kirchendienst. In der DDR galt er als Vordenker einer Kirchenpolitik, die sich als „Kirche im Sozialismus“ verstand. 1990 wurde Stolpe SPD-Mitglied, trat als Spitzenkandidat an und wurde im November von einer Ampelkoalition aus SPD, FDP und Bündnis 90 zum Ministerpräsidenten Brandenburgs gewählt. Einen Namen machte sich Stolpe dabei als Vertreter der Interessen Ostdeutschlands.

Seine Vergangenheit wurde immer wieder kritisch thematisiert. Stolpe hatte als Kirchenfunktionär Kontakte mit der Stasi gehabt, die Behörde führte ihn gar als inoffiziellen Mitarbeiter. Die Leitung der evangelischen Kirche erklärte Mitte der 1990er-Jahre nach einer Untersuchung, Stolpe sei ein „Mann der Kirche und nicht der Stasi gewesen“. 2005 – Stolpe sprach von später Genugtuung – entschied das Bundesverfassungsgericht zudem, dass Stolpe nicht als Stasi-Mitarbeiter zu bezeichnen sei.

Anzeige

Sachsens SPD-Chef Dulig: Manfred Stolpe wird schmerzlich fehlen

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Stolpe, als „überragende politische Persönlichkeit“. Er habe „weit über die Grenzen Brandenburgs hinaus den Weg Ostdeutschlands in die Demokratie des geeinten Deutschland geprägt und gestaltet“, hieß es in einem Kondolenzschreiben an Stolpes Witwe. Stolpe sei den Bürgern verbunden gewesen, schrieb der Bundespräsident weiter. „Bescheiden in eigener Sache, war er doch anspruchsvoll und fordernd, was den sozialen Ausgleich in unserem Land angeht. Er hat persönliche Härten bis zur Selbstverleugnung zurückgestellt und zugleich mit Mut und Tatkraft dem Gemeinwesen gedient.“

Anzeige

Nach Ansicht des sächsischen SPD-Chefs Martin Dulig prägte Stolpe wie kaum ein anderer den Neuanfang der ostdeutschen Sozialdemokratie. Dulig würdigte den Verstorbenen als „herausragenden Politiker, engagierten Sozialdemokraten und einen Menschen mit Herz und Seele“. Er betonte: „Die Meldung von seinem Tod macht mich betroffen und sehr traurig.“ Stolpe habe den Menschen in Ostdeutschland eine Stimme gegeben und sich stets für die Belange anderer eingesetzt. Er werde schmerzlich fehlen.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller würdigte ihn als engagierten Demokraten und Christen. „Er war eine der großen Persönlichkeiten unseres Landes in Zeiten der Teilung und auch später, als der Kirchenmann zum Politiker wurde“, sagte Müller. „Der überzeugte und engagierte Christ und Demokrat hat aus seiner religiösen Überzeugung heraus in der DDR vieles an Humanitärem für die Menschen bewerkstelligt“, betonte Müller. Stolpe habe als wahrhafter Landesvater Brandenburg in die neue Zeit des vereinten Deutschlands geführt.

RND/das/dpa/epd

“Staat, Sex, Amen”
Der neue Gesellschaftspodcast mit Imre Grimm und Kristian Teetz
  • Laden Sie jetzt die RND-App herunter, aktivieren Sie Updates und wir benachrichtigen Sie laufend bei neuen Entwicklungen.

    Hier herunterladen